Tagblatt Online, 11. Mai 2012 01:05:23
Konjunktur kommt in Schwung
Der Bauboom setzt sich fort. (Bild: ky/Gaëtan Bally)
Die Ostschweizer Wirtschaft scheint die konjunkturelle Talsohle durchschritten zu haben. Während das Baugewerbe pünktlich zum Frühlingsbeginn wieder auf Hochtouren läuft, stottert der Motor der Exportindustrie.
STEFAN BORKERT
ST. GALLEN. Am Horizont erscheint ein Silberstreif, was die Konjunktur angeht. Viele Unternehmen in der Ostschweiz gehen davon aus, dass die Geschäfte in den nächsten Monaten anziehen werden. Das hat die Umfrage der Firma Ecopol AG in St. Gallen ergeben. Aktuell zeige die internationale Konjunkturlage zwar ein gemischtes, insgesamt aber doch etwas freundlicheres Bild als noch im letzten Winter, sagt Urs Schönholzer.
Grösstes Sorgenkind bleiben gemäss dem Bericht die europäischen Staaten. Hier haben die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank zwar zu einer vorübergehenden Beruhigung der Finanzmärkte geführt. Wirtschaftswachstum ist für dieses Jahr aber keines in Sicht. «Die Zeichen stehen in Europa auf Stagnation.» Allerdings zeigen sich im Euroraum grosse Unterschiede zwischen relativ robusten Kernländern und kränkelnden Peripheriestaaten, so Schönholzer weiter. Zum Glück laufe es zurzeit in anderen Weltregionen besser. Die USA überraschten Ende 2011 mit einem unerwartet hohen Wachstum, welches sich in diesem Jahr fortsetzen werde. In den Schwellenländern habe sich die Abschwächung der Wachstumsdynamik fortgesetzt. Praktisch alle Prognosen gehen aber davon aus, dass die konjunkturelle Abkühlung im moderaten Rahmen bleibt.
Ostschweizer Aussichten
Die verbesserten Aussichten für die Weltwirtschaft schlagen sich auch in den Konjunkturindikatoren für die Ostschweizer Wirtschaft nieder. Der Ostschweizer Konjunkturindex sei Anfang Mai auf den höchsten Stand seit letztem Sommer geklettert. Allerdings habe sich die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage bisher nur wenig verbessert. «Es sind vor allem die optimistischeren Erwartungen der Ostschweizer Unternehmen für die kommenden Monate, die den Ostschweizer Konjunkturindex in die Höhe treiben.» Doch Urs Schönholzer ist ein wenig skeptisch, denn ob sich diese Erwartungen tatsächlich erfüllten, sei mit Fragezeichen behaftet, denn die weltwirtschaftliche Erholung stehe auf dünnen Beinen.
Problem Export
2011 hatten sich die Ostschweizer Exporte als erstaunlich robust gegenüber dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld erwiesen. Mit zeitlicher Verzögerung beginnen sie nun zu schwächeln. Im ersten Quartal 2012 verzeichneten die Ostschweizer Exporte einen Rückgang von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Vor allem die Ausfuhren von Maschinen, Apparaten und Elektronik, die wichtigsten Exportgüter der Ostschweizer Industrie, mussten in den ersten drei Monaten einen starken Rückgang von 12 Prozent hinnehmen. Zwar konnten die Betriebe mehr Waren in unser wichtigstes Abnehmerland Deutschland exportieren, in anderen europäischen Staaten und vor allem auf dem asiatischen Markt wurden aber weniger Ostschweizer Produkte nachgefragt, so der Konjunkturbericht. Trotz geringerer Exporte sei die Kapazitätsauslastung der Ostschweizer Industrie im ersten Quartal stabil geblieben.
Mit den höheren Temperaturen hat auch die Nachfrage nach Bauleistungen wieder angezogen. Der Auslastungsgrad der Maschinen hat sich in den letzten drei Monaten deutlich erhöht, und die Baumeister sind mit der Geschäftslage sehr zufrieden. Für die kommenden Monate wird mit einer weiter anziehenden Nachfrage nach Bauleistungen gerechnet.
Nach einem eher verhaltenen Start in das laufende Jahr 2012 hätten sich in der jüngsten Konjunkturumfrage die Indikatoren für den Ostschweizer Detailhandel verbessert.
Steigende Umsätze
Kundenfrequenz und Umsatz lägen zwar immer noch unter dem Niveau des Vorjahres, aber Ertrags- und Geschäftslage hätten sich spürbar verbessert, sagt Urs Schönholzer. Für die Gesamtschweiz zeigen auch andere Indikatoren eine Verbesserung des Konsumklimas an. Angetrieben von Rekordverkäufen bei Autos und wieder anziehenden Geschäften im Detailhandel, hat der Konsum angezogen. «Für die kommenden Monate gehen die Ostschweizer Detailhändler von steigenden Umsätzen und einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage aus.» Die Verkaufspreise blieben aber unter Druck, prognostiziert Urs Schönholzer.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:





Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben