NZZ Online, 30. Mai 2012 12:58:24
Romney ist Nominierung nicht mehr zu nehmen
Nach Vorwahl in Texas ist Mehrheit der Delegiertenstimmen erreicht
Mitt Romney ist die Präsidentschaftskandidatur nicht mehr zu nehmen.
(Bild: Reuters)
Mitt Romney hat sich mit einem konkurrenzlosen Sieg bei den Vorwahlen in Texas die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat auch auf dem Papier gesichert. Bei den Vorwahlen für den republikanischen Senatskandidaten in Texas zwingt ein rechter Aussenseiter den Kandidaten des Establishments in eine Stichwahl.
Niklaus Nuspliger, New York
Der Wahlkampf zwischen Präsident Barack Obama und Mitt Romney ist in den USA bereits im Gang. Rein rechnerisch steht die Nominierung Romneys zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten aber erst seit Dienstag fest. Denn nach seinem mangels aktiven Gegenkandidaten ungefährdeten Sieg bei der Vorwahl im Gliedstaat Texas weiss Romney nun gemäss den Berechnungen der Nachrichtenagentur AP 1174 Delegiertenstimmen auf seiner Seite – womit er die für die Nomination nötige Schwelle von 1144 Delegierten definitiv überschritten hat. Auch wenn er diese Zahl gemäss anderen Berechnungen noch nicht ganz erreicht hat, darf Romneys Kür zum Kandidaten beim Parteitag der Republikaner Ende August in Tampa im Gliedstaat Florida nun auch formell als gesichert gelten.
Republikaner scharen sich hinter Romney
In einer schriftlichen Stellungnahme zeigte sich Romney geehrt und dankbar darüber, dass ihn Amerikaner aus allen Landesteilen zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 2012 erkoren hätten, und er verwies sogleich auf die Herausforderungen des angelaufenen Wahlkampfs gegen Obama. Nach einem mitunter aggressiven Vorwahlkampf hatten sich die Republikaner in den letzten Wochen demonstrativ hinter Romney zu sammeln begonnen, auch seine früheren Konkurrenten Rick Santorum und Newt Gingrich unterstützen ihn nun ausdrücklich. Auch dass er bei den Vorwahlen im konservativen Südstaat Texas rund 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinte, deutet darauf hin, dass sich nun auch konservative Parteigänger klar hinter den einst als zu moderat bezeichneten Romney stellen.
Favorit muss in Stichwahl
Mit Spannung wurden in Texas die republikanischen Vorwahlen für den Kandidaten um einen frei werdenden Senatssitz erwartet. Wer im konservativen Texas die parteiinterne Ausmarchung der Republikaner gewinnt, kann auch mit einer Wahl in den Senat rechnen. Der vom Parteiestablishment favorisierte Vizegouverneur David Dewhurst verfehlte die Hürde von 50 Prozent der Stimmen und muss sich am 31. Juli einer Stichwahl gegen seinen konservativen Herausforderer Ted Cruz stellen. Der kantige Sohn eines Exilkubaners geniesst die Unterstützung der Tea-Party-Ikone Sarah Palin, von Rick Santorum und von radikal-konservativen Gruppierungen, die angeblich zu kompromissfreudige Republikaner aus dem Senat verdrängen oder deren Nominierung als Senatskandidaten verhindern wollen.
Nach dem Zwischenerfolg für Cruz und dem Ausscheiden aller weiteren Bewerber bahnt sich nun auch in Texas ein Duell zwischen dem republikanischen Establishment und radikaleren Teilen der Basis an. Amerikanische Medien haben unter anderem Vergleiche zum Gliedstaat Indiana gezogen, wo der langjährige republikanische Senator Richard Lugar jüngst nach einer gut organisierten Kampagne von einem konservativen Herausforderer verdrängt worden ist.
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