Tagblatt Online, 17. Februar 2012 06:39:00
Verhütung a la Santorum – ASPIRIN !
Thomas J. Spang
(Bild: )
Foster Friess ist der politische Schokoladen-Daddy Rick Santorums. Der Milliardär hat die Kandidatur des neuen Spitzenreiters im republikanischen Bewerberfeld mit Geldspritzen an dessen SuperPAC am Leben gehalten, als niemand an den Rechtsausleger aus Pennsylvania glaubte. Nachdem sich das Blatt nun gewendet hat, erweist der erzkonservative Sponsor seinem Schützling mit dem Messdiener-Image einen Bärendienst.
In einem Interview mit Andrea Mitchell auf dem Nachrichtensender MSNBC schockiert Friess die Moderatorin sichtbar, als diese nach Santorums kontroverser Haltung zu Verhütungsmitteln fragt. Dieser hatte die Pille unter anderen als “schädlich für die Gesellschaft” bezeichnet und unterstützt einen Bann der Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen.

“Früher haben sie (die Frauen) Aspirin als Verhütungsmittel genommen,” erklärt der grauhaarige Milliardär. “Die Mädels haben sie zwischen den Knien gehalten und das war nicht teuer”.
Die Reaktion der sonst für ihre Nüchternheit bekannte Mitchell spricht Bände. “Entschuldigen sie, ich versuche gerade Luft zu holen, Herr Friess, ehrlich.”
Amerikanerinnen, die vor der Pille groß wurden, erinnern sich an diese altmodische Formulierung und fühlen sich von Santorums Zahlmeister zutiefst verletzt. Zumal das Playboy-Magazin mit dieser Form der Enthaltsamkeit später derbe Späße trieb.

Schlecht für den siebenfachen Vater Rick, dass er sich selber ähnlich respektlos gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen geäußert hat. Was ihm den Ruf eingetrug, ein Gotteskrieger aus Überzeugung zu sein. Ayatollah Santorum.
Vielleicht schadet ihm dies nicht bei dem weit nach rechts gerückten Parteivolk der Republikaner und bei den Christen-Fundis. Falls er die Nominierung holen sollte, wird er mit solchen Positionen und Fürsprechern allerdings große Probleme bei der Gesamtwählerschaft bekommen. Frauen ist der verkappte Polunder-Träger jedenfalls ohnehin schon suspekt. Und Männer wollen nicht einen Theokraten ins Weiße Haus schicken, der in ihren Schlafzimmern herumschnüffelt, sondern einen Präsidenten, der sich um Jobs kümmert.
Die katholische Wählerschaft zeigt sich übrigens ungerührt von der seit Tagen schwelenden Verhütungs-Kontroverse. Sie unterstützt den Zugang zur kostenlose Pille in der jüngsten CBS/New York Times-Umfrage mit 61 zu 31 Prozent fast genauso wie der Rest der Bevölkerung (61 zu 32 %).
Die Bürger des katholisch geprägten Pennsylvania wählten den Ex-Senator und treuen Verbündeten George W. Bushs 2006 mit 18 Prozent (!) ab, weil er ihnen zu radikal war. Ein selten schlechtes Ergebnis für einen Amtsinhaber im Senat, der sich nur alle sechs Jahre zur Wahl stellen muss.
Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben