Tagblatt Online, 20. Januar 2012 05:56:00
Newt gewinnt Präsidentschafts-Debatte in South Carolina
Thomas J. Spang
(Bild: )
Das Publikum in Charleston musste bei der letzten Präsidentschafts-Debatte vor den wichtigen Wahlen in South Carolina an diesem Samstag nicht lange warten bis die Fetzen flogen. Aber nicht unbedingt so, wie damit gerechnet worden war.
Newt Gingrich stellte CNN-Moderator John King in den Senkel als dieser die Debatte mit einer Frage nach den Vorwürfen dessen Ex-Frau Marianne eröffnete. “Ich bin angewidert, dass sie eine Präsidentschaftsdebatte mit einem einem solchen Thema beginnen,” griff der ehemalige Speaker den Journalisten an. Er sei “der Medien-Elitee” müde, “die Präsident Obama schützt”. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien “absolut falsch” und danach zu fragen sei “verachtenswert”.
Das Auditorium tobt, die Zuhörer stehen auf den Beinen und geben Newt stehenden Applaus.

Ein weiteres mal. Bereits vergangenen Montag jubelten ihm die Republikaner zu als er den schwarzen Fox-Journalisten Juan Williams mit einem herablassenden “Juan” ansprach und ihn dann dafür abkanzelte, eine unangenehme Frage gestellt zu haben. Bei den Konservativen steht Presseschelte hoch im Kurs. Statt auf das Exklusiv-Interview auf ABC in der Sache einzugehen, machte Gingrich die “linken Medien” zum Problem, die nicht nur ihm, sondern allen Republikanern nur Böses wollten.
Damit hatte Gingrich eigentlich schon alles erreicht, was er bei dieser Debatte machen musste. Gezeigt, dass er ohne Rücksicht auf Verluste austeilen kann. Der Speaker exerzierte an dem Journalisten gewissermaßen schon einmal durch, was er dem Publikum für die Auseinandersetzung mit Präsident Obama verspricht.
Ganz anders Mitt Romney, der laute Buh-Rufe auf sich zog, weil er bei der Frage nach der Veröffentlichung seiner Steuererklärungen der Vorjahre wieder einmal herum eierte. Ironischer Weise hatte sein Vater diese Tradition in die amerikanische Politik eingeführt als er 1968 für das Präsidentenamt kandidierte. George Romney legte damals die Steuererklärungen der vergangenen zwölf Jahre vor. Darauf abgesprochen, ob er seinem Vater dies nachmachen wollte, gab Romney eine seiner verkorksten Antworten, die alles andere als überzeugte.

Romney hatte ein paar lichte Momente als er sich zum Verteidiger des Kapitalismus aufschwang, der ihm zu seinem Vermögen von 250 Millionen US-Dollar verhalf. Er werde sich nicht dafür entschuldigen, erfolgreich gewesen zu sein. Stattdessen versprach Mitt, Obama bei den Debatten eine entscheidende Lektion einzutrichtern. “Es sind Kapitalismus und Freiheit, die Amerika stark machen”.
Insgesamt lief es aber nicht so gut für den ehemaligen Gouverneur aus Massachusetts, der auch wegen seiner Wendemanöver bei Herzens-Anliegen der Konservativen massiv unter Druck geriet. Rick Santorum knöpfte sich Romney für dessen wechselnde Positionen bei Abtreibung und Gesundheitsreform vor. “Romney-Care war das Vorbild für Obama-Care”, hielt er dem Gouverneur vor, der in seinem Bundesstaat eine allgemeine Versicherungspflicht und ein Programm eingeführt hat, das dem des Präsidenten verdammt ähnlich sieht. “Wir brauchen den größtmöglichen Kontrast”.
Der am Nachmittag nachträglich zum Sieger von Iowa ausgerufene Santorum setzte bei der Debatte alles auf eine Karte. Droht er doch in dem Medien-Zweikampf zwischen Romney und Gingrich an Relevanz zu verlieren. Das dürfte wohl auch die Motivation hinter der persönlichen Attacke auf Gingrich gewesen sein. “Ich sorge mich um einen Kandidaten, bei dem ich nicht weiß, was am nächsten Morgen in die Zeitung steht”. Grandiosität sei niemals das Problem des Speakers gewesen. Kontinuität schon eher, wie seine Abwahl an der Spitze der Republikaner im Kongress gezeigt habe.

Gingrich parierte souverän und drehte den Spieß um. Trotz einer guten Debatte für Santorum, dürfte er in den letzten Stunden vor den Wahlen damit nicht den Durchbruch geschafft haben. Es scheint als sammelten sich die Konservativen hinter dem Speaker, der aus dem benachbarten Georgia stammt und kulturell hier sehr viel besser ankommt.
Ron Paul fiel mal wieder die Rolle des unfreiwilligen Statisten zu. Er musste sich in Erinnerung rufen, nachdem ihn King mehrfach zu übergehen drohte.
Insgesamt dürfte die Debatte wenig an der Dynamik des Rennens in South Carolina verändert haben. Newt kam mit “Big Mo” in Charleston an und wird mit Rückenwind auf die Zielgerade einbiegen. Dem vornehmen Romney fällt es weiterhin schwer, mit den Wählern hier im Süden warm zu werden. Das Steuerthema bleibt seine Achillesferse. Santorum wird von vielen hier als “netter, aber chancenloser Kerl” gesehen.
Die Chancen einer Überraschung an diesem Samstag stehen also nicht schlecht. Romney spürt Newts kalten Atem bereits im Nacken.
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