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Tagblatt Online, 27. Juli 2012 05:11:00

Mitt holt olympisches Gold im Fettnapf-Treten

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Thomas J. Spang

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(Bild: )

The Times

Gäbe es bei den Olympischen Sommerspielen einen Wettbewerb im Fettnapf- Treten, wäre Mitt Romney die Goldmedaille nicht zu nehmen. Kurz vor seinem ersten Zusammentreffen mit dem britischen Premierminister David Cameron, kritisierte der Republikaner in einem Fernsehinterview mit dem Sender NBC den Stand der Vorbereitungen in London.

“Geschichten über private Sicherheitsfirmen, die nicht genügend Leute haben und der angeblicher Streik von Einwanderungs- und Zoll-Mitarbeitern – das ist offensichtlich etwas, das nicht gerade ermutigt,” erklärte der Mann, der sich damit brüstet, 2002 die Winterspiele in Salt Lake City vor der Pleite gerettet zu haben.

Die Antwort des Premierministers kam noch vor dem Treffen in der Downing Street. “Wir veranstalten die Olympischen Spiele in einer der geschäftigsten, aktivsten, quirligsten Städte der Welt. Natürlich ist es einfacher Olympische Spiele in der Mitte von Nirgendwo auszurichten.” Autsch, das saß.  Natürlich meinte Cameron die Mormonenhauptstadt in der Salzwüste von Utah.

Auch der Bürgermeister von London lies es sich nicht nehmen, dem Gast eine Retourkutsche zu schicken. Bei einer Kundgebung vor mehreren zehntausend Olympia-Fans lästerte Boris Johnson: “Da gibt es einen Kerl, der Mitt Romney heißt, und wissen möchte, ob wir fertig sind.” Das Publikum im Hydepark johlt.

Binnen Stunden hat sich der Kandidat in Großbritannien zur Lachnummer gemacht.

 

So hatte sich Team Romney den Auftakt der Drei-Länder-Tour auf gar keinen Fall vorgestellt. Im Gegenteil waren die Ziele so ausgewählt worden, das eigentlich nichts anbrennen konnte.

In London ging so ziemlich alles schief, was daneben gehen konnte. Zweifelte der Republikaner an anderer Stelle dann auch noch den Enthusiasmus der Briten an. “Kommen Sie zusammen, um den olympischen Geist zu feiern?” fragt Romney  in dem  NBC-Interview. “Das ist etwas, das wir herausfinden werden, wenn die Spiele beginnen.”

Bei dem Treffen mit dem Führer der Opposition Ed Milliband vergaß Romney den Namen seines Gesprächspartners und nannte ihn in seiner Not “Mr. Leader”. Damit erinnerte er eine notorische Schwäche, die ihn bereits in Massachusetts auszeichnete. Als Gouverneur kannte Romney nach vier Jahren so gut wie keinen Abgeordneten namentlich.

Dass er gegenüber der Presse nach seinem Treffen mit dem Chef des britischen Geheimdienstes M-16 über vertrauliche Inhalte plauderte, ist ein weiterer Aufreger auf der Insel.

Fast schon peinlich wirkte, wie der Kandidat in dem NBC-Interview um die Frage herum stelzte,  was er sich für diese Stute seiner Frau Ann wünsche, die beim Dressurwettbewerb antritt. Genauestens achtete Romney darauf, das Wort  ”Dressage” nicht in den Mund zu nehmen, weil es französisch klingt. Ebenso vermietet er den Begriff “Horse Dance”, dem etwas Vornehmes anhaftet. Das sei Anns Sport. Er hoffe, das Pferd werde gut abschneiden.

Das Medienecho zum Auftakts seiner Reise in Großbritannien viel verheerend aus. “Schlimmer als Palin”, twitterte ein Kollege. Analysten meinen, in Israel und Polen könne es jetzt eigentlich nur noch um weitere Schadensbegrenzung gehen.

Wenn auch der Rest daneben geht, bringt Romney immerhin ein Trostpflaster von seiner Drei-Länder-Tour mit nach Hause – eine Goldmedaille im Fettnapf-Treten.

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HINWEIS. Dies ist eine Beitrag zu Spang?s Spin, einem meinungsfreudigen Wahlkampf-Tagebuch, das nicht nach Ausgewogenheit strebt. Ohne dabei jedoch die Fakten auf der Strecke zu lassen.





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