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Militärische Ordnung – bis heute

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Die Rangordnung unter den Mitgliedern der Standeskommission ist klar festgelegt. Vor dem Volk sind sie nicht alle gleich. (Bild: Archiv/Martina Basista)

INNERRHODEN. Säckelmeister, Landesfähnrich, Statthalter – in Appenzell Innerrhoden tragen die Regierungsämter uralte Bezeichnungen. Woher stammen sie? Gab es einst noch andere «Ministerien»? Und wieso blieben sie in Innerrhoden bestehen?

GUIDO BERLINGER-BOLT

Nur noch drei Tage bis zum grossen Ereignis: Die Innerrhoder Landsgemeinde steht vor der Türe. Und der Aufzug schreitet durch die Hauptgasse, die Musik spielt die «Marcia solenne», die Rhodsfahnen wehen, die Landesbeamten tragen die weiten schwarzen Radmäntel. Landesbeamten? Eine alte Bezeichnung für die Innerrhoder Kantonsregierung, die Standeskommission. Ihr gehören an: regierender und stillstehender Landammann, Statthalter, Säckelmeister, Landeshauptmann, Bauherr, Landesfähnrich. Doch woher stammen diese archaischen Namen?

Rangordnung

Sie stammen aus der Sphäre des Militärischen, aus der Zeit der Alten, ja noch der XIII-örtigen Eidgenossenschaft. Deshalb finden sich in den meisten Urkantonen ähnliche Bezeichnungen. Uri, Schwyz und Unterwalden, Glarus, Zug und der Stand Appenzell kanten sie in ähnlicher Form. Erhalten geblieben ist der «Säckelmeister» einzig in Appenzell Innerrhoden; ebenso die weiteren Ämterbezeichnungen, die jenseits der Kantonsgrenze bisweilen Schulterzucken verursachen. «Buherr? Landshoptmaa? – Nie gehört», heisst's dann. Und über den vermeintlichen «Seckelmeister» wird in Unkenntnis der hiesigen Gepflogenheiten und Geschichte schon mal unverhohlen gelacht.

Ganz anders in Appenzell Innerrhoden. «Inhalt braucht Form», hörte der Schreibende den Landammann an einer Landsgemeinde vor Jahren einem beeindruckten Ehrengast sagen. Eine Form, die zum Ritual wurde. Ebenso fest verankert ist in der Innerrhoder Bevölkerung die Bezeichnung der Ämter; Roland Inauen, Kurator des Museums Appenzell, vermutet, dass die Landsgemeinde bewahrend auf die Ämterbezeichnungen wirkt. Tatsächlich verschwanden Landesfähnrich und Statthalter dort, wo die Landsgemeinden abgeschafft wurden. Es blieb den andern Urkantonen meist nur noch das Landammann-Amt – siehe Appenzell Ausserrhoden.

Unverrückbar ist die Ordnung unter den einzelnen Ämtern. Es ist eine Hierarchie, die von ihrem militärischen Ursprung herrührt. Die Ämternamen trennten sich im ausgehenden 16. und frühen 17. Jahrhundert von ihrer historischen, militärischen Funktion und wurden zusehends mit zivilen betraut. An erster Stelle steht unverrückbar der Landammann; an zweiter der stillstehende Landammann. Dritter in der Ordnung ist traditionell der Statthalter; vierter war lange der Pannerherr. Diesem unterstand die militärische Reserve für den Verteidigungsfall. Das Amt des Pannerherren wurde im Zuge einer Kantonsverfassungsrevision 1872 abgeschafft. Damals wurde auch das fünfte Amt in der Reihe, jenes des Landeshauptmanns, von seinen ursprünglich ebenfalls militärischen Aufgaben entflochten; ihm wurden fortan Land- und Forstwirtschaft unterstellt. Mit der grossen Verwaltungsreform 1994 verlor Innerrhoden das sechste Amt in der Ordnung, jenes des Zeugherren. Der Zeugherr war bis dahin zuständig für das kantonale Zeughaus; sämtliche militärischen Angelegenheiten wurden fortan dem Landesfähnrich zugeteilt. Mit der Verwaltungsreform verlor der Kanton 1994 auch den Armleutesäckelmeister; Sozial- und Spitalwesen unterstehen seither dem Statthalter. Das Amt des Bauherrn gründet ebenfalls im Militärischen: im Schanzwesen, also im Bau von Verteidigungsanlagen. Heute ist der Bauherr für die Infrastruktur des Kantons verantwortlich.

Landesfähnrich zuunterst

Schliesslich der Landesfähnrich – der traditionell zuunterst in der Hierarchie steht. Interessanterweise wurde unter diesem Amt die Aufgaben von Pannerherr und Zeugherr vereinigt – hierin dürfte sich der Bedeutungsverlust des Militärischen in Gesellschaft und kantonaler Politik am deutlichsten zeigen. Übrigens war es laut Roland Inauen die Landsgemeinde von 1994, die es ablehnte, Personen in eine sich selbst konstituierende Regierung zu wählen. Wer auch immer diesen Sonntag in die Innerrhoder Regierung gewählt wird, Ruth Corminboeuf oder Martin Bürki, wird das Amt des Landesfähnrich antreten. Sie oder er wird direkt ins Amt gewählt; die Departementszuteilung nimmt der Ring vor.

Quellen: Blumer, J. J., Staats- und Rechtsgeschichte der schweizerischen Demokratien oder der Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Zug und Appenzell.




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