Thurgau: 15. Januar 2010, 01:01

Tourismus-Strategie im Gegenwind

Der Thurgauer Regierungsrat will den Tourismus im Kanton stärken und viel mehr Geld in Thurgau Tourismus investieren. Die Vorschläge kommen in der Vernehmlassung teils ganz schlecht an.

markus schoch

frauenfeld. Christoph Tobler, der Präsident von Thurgau Tourismus, hat sich getäuscht. Im September war er guter Hoffnung, dass die Ideen des Regierungsrats mehrheitsfähig sein könnten. Die Antworten der Parteien und Verbände im Vernehmlassungsverfahren belehren ihn nun eines Besseren. Selbst seine eigene Partei, die SVP, lässt ihn teilweise im Regen stehen.

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Noch schlimmer ergeht es dem zuständigen FDP-Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Die Freisinnigen verwerfen die von ihm vorgelegte Vorwärtsstrategie in Bausch und Bogen. Die Rede ist von «abstrusen» Ideen.

Kanton übernimmt die Hälfte

Das Konzept sieht vor, die Kräfte bei Thurgau Tourismus zu konzentrieren und das Budget auf 2 Millionen Franken zu verdoppeln. Grösster Geldgeber soll der Kanton bleiben, der ab 2014 960 000 Franken zahlen soll.

Stark zur Kasse gebeten werden gemäss den regierungsrätlichen Plänen auch die Beherbergungsbetriebe, deren Beiträge von heute 80 000 Franken auf 440 000 Franken steigen würden. Der Anteil der Gemeinden ist auf 240 000 festgelegt worden – doppelt so viel wie heute.

Kritik an Thurgau Tourismus

Für die FDP ist der Ansatz des Regierungsrates grundsätzlich falsch. Am Anfang jeder touristischen Entwicklung müssten grosse und meist private oder kommunale Investitionen stehen, schreibt die Partei. Der Staat komme erst ins Spiel, wenn entsprechende Angebote vorhanden seien, was im Thurgau noch «zu wenig» der Fall sei. Davon abgesehen würde die FDP Thurgau Tourismus die neue Aufgabe gar nicht zutrauen. Es bestehe «grosser Missmut» darüber, der Organisation «mit einem wirklich sehr dürftigen Leistungsausweis» noch mehr Geld zu Verfügung zu stellen, spricht die Partei Klartext. Ob die Probleme damit gelöst werden könnten, sei mehr als fraglich.

SVP gegen Beitragszwang

Sehr skeptisch ist nach eigenen Angaben auch die SVP. Sie findet zwar, dass Thurgau Tourismus bis jetzt «sehr gute Arbeit» geleistet habe. Aber auch die SVP spricht sich dagegen aus, das Budget zu verdoppeln. Das sei nicht gerechtfertigt und werde den gewünschten Erfolg nicht bringen.

Die SVP lehnt es ausserdem ab, die Gemeinden zur Mitfinanzierung von Thurgau Tourismus zu verpflichten. Wer nicht zahlt, soll aber auch keinen Anspruch auf Leistungen haben, schreibt sie in der Vernehmlassung. Eine Beherbergungsabgabe findet die SVP grundsätzlich gut, will sie aber nicht gegen den Willen der Betroffenen durchsetzen.

Gastro Thurgau bietet Hand dazu, möchte die Beherbergungsabgabe aber auf maximal einen Drittel des Kantonsbeitrages reduzieren. Zur Kompensation der Ausfälle schlägt der Verband vor, reinen Gastronomiebetrieben eine Rechnung von jährlich 100 Franken zu stellen.

Eigenes Gesetz gefordert

Mühe mit der vorgezeichneten Strategie haben auch die Gemeinden. Die Rechnung werde nicht aufgehen, ist der Verband (VTG) überzeugt. Es sei nicht damit getan, Thurgau Tourismus mehr Geld zu geben und das Bettenangebot zu vergrössern.

Der VTG schlägt in Übereinstimmung mit Gastro Thurgau stattdessen vor, ein richtiges Tourismusgesetz auszuarbeiten, in dem sämtliche Belange geregelt sind. Die Finanzierung von Thurgau Tourismus soll nach Meinung des Verbandes vollumfänglich der Kanton übernehmen. Den Gemeinden und Regionen will der VTG das Recht einräumen, bei den Tourismusbetrieben eine Tourismusabgabe zu erheben. Die Einnahmen sollen zweckgebunden dem Tourismus vor Ort zugute kommen.

Mehrheitlich einverstanden mit den regierungsrätlichen Vorschlägen sind SP und CVP. Die SP würde sich wünschen, dass vor allem ein «nachhaltiger Tourismus» gefördert wird. Die Landschaft dürfe auf jeden Fall nicht weiter zersiedelt werden. Die CVP schlägt vor, nicht nur bei den Beherbergungsbetrieben, sondern auch bei weiteren Nutzniessern Beiträge zu erheben.



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