Tagblatt Online, 02. August 2012 11:01:00
Uli Forte: «Kein Platz für Wehmut»
«Wer Entlassungen nicht akzeptieren kann, muss sich einen neuen Job suchen»: Uli Forte. (Bild: Keystone)
FUSSBALL. Ein Wiedersehen mit Uli Forte, dem früheren Trainer des FC St.Gallen, gibt es am Samstag für 90 Minuten in der AFG Arena. Der Italiener über Erinnerungen, den starken Saisonstart von St.Gallen und GC und mögliche Pfiffe.
Herr Forte, mit welchen Gefühlen kehren Sie am Samstag in die St.Galler AFG Arena zurück?Uli Forte: Mit schönen. Ich verbinde viele tolle Erinnerungen an St.Gallen – ich hatte eine schöne und auch erfolgreiche Zeit bei diesem Verein.
Ist von der Bitterkeit noch etwas da, die Ihnen direkt nach der Freistellung anzumerken war?
Forte: Nein. Ich habe das Ganze verarbeitet und meine Lehren aus dem gezogen, was in St.Gallen nicht so gut lief. Nun versuche ich es bei den Grasshoppers besser zu machen.
Dann werden Sie keine Mühe haben, Präsident Dölf Früh und Sportchef Heinz Peischl die Hand zu reichen?
Forte: Kein Problem. Entlassungen gehören zum Fussball. Wer das nicht akzeptieren kann, muss sich einen anderen Job suchen.
Der FC St.Gallen hat bis anhin mit zwei Siegen und einem Unentschieden überzeugt. Hat Sie der gute Saisonstart des Aufsteigers überrascht?
Forte: Im Gegenteil. Die Verantwortlichen des Vereins haben in der Sommerpause mit ihren Verstärkungen ein gutes Händchen bewiesen – die neuen Spieler passen ins Kollektiv. Zudem entsteht nach einem Aufstieg immer eine Euphorie.
In St.Gallen schien diese aufgrund oft mässiger Leistungen aber bedeutend weniger gross als im Sommer 2009, als Sie mit dem Club aufgestiegen waren. Es gab in der vergangenen Saison vielfach sogar Pfiffe gegen die Mannschaft.
Forte: Mag sein, aus der Ferne kann ich das nicht so gut beurteilen. Aber: Mit dem Aufstieg wurde das Ziel erreicht. Von daher schauen jetzt sicherlich auch die Fans nur noch vorwärts.
Auch Ihre Grasshoppers sind besser gestartet als von vielen erwartet. Nachdem Sie im April Cheftrainer geworden waren, gab es zunächst in acht Spielen keinen Sieg. Wie haben Sie den Umschwung geschafft?
Forte: Wir haben das Team im Sommer komplett umgestaltet und konnten uns gut verstärken: Mit Vilotic, Salatic und Grichting in der Defensive sowie Gashi und Ben Khalifa im Angriff. Zudem weht durch die Wechsel in der Vereinsführung ein neuer, frischer Wind bei GC – wir haben die Vergangenheit hinter uns gelassen.
Spürten Sie nach den zahlreichen sieglosen Spielen bereits Druck?
Forte: Klar, die Medien und die Statistiker rechnen einem immer vor, wie lange man schon sieglos ist – das ist auch ihre Aufgabe. Aber für mich war klar, dass man die Mannschaft der vergangenen Saison nicht mit unserer aktuellen vergleichen kann. Es war dann natürlich schön, dass wir bereits in der zweiten Runde in Bern gewinnen konnten.
Sie waren nach Ihrer Freistellung in St.Gallen rund ein Jahr ohne Job. Teilen Sie die Einschätzung, dass Sie mit den Grasshoppers unbedingt Erfolg haben müssen, um bei den Top-Clubs des Landes gefragt zu bleiben?
Forte: Nein. Ich bin nach wie vor ein junger Trainer, der noch viele Wege vor sich hat. Zudem mache ich mir solche Gedanken gar nicht. Es gibt viele Menschen, die sich an Vergangenem festhalten und Angst vor der Zukunft haben. Ihnen entgeht darob die Gegenwart. Das versuche ich zu verhindern – ich lebe im Hier und Jetzt.
Und da wartet nun der Match in St.Gallen auf Sie. Hand aufs Herz, Herr Forte: Werden Sie etwas wehmütig sein, wenn Sie Ihre frühere Heimstätte betreten?
Forte: Nein. Ich habe jetzt einen neuen Job und gebe wie immer mein ganzes Herzblut dafür. Ich bin nun mit Leib und Seele GC-Trainer – für Wehmut gibt es keinen Platz.
Sie waren in St.Gallen beliebt, wurden oft mit Sprechchören gefeiert. Erwarten Sie einen warmen Empfang vom St.Galler Publikum?
Forte: Ich hoffe es. Ich verbinde nur Positives mit meiner Zeit in St.Gallen, und das wird auch immer so bleiben.
Dann würden Pfiffe oder Schmährufe aus dem Espenblock Sie treffen?
Forte: Nein. Der Espenblock setzt sich voll und ganz für den FC St.Gallen ein, da ist es logisch, dass er den gegnerischen Trainer nicht feiert. Auch dies ist Teil des Spiels.
Interview: Daniel Walt
Der Match, die Fans und Michael Lang
Herr Forte, GC tritt in St.Gallen an...
... um drei Punkte zu holen.
Im Vergleich zum St.Galler Publikum sind die Zürcher Fans...
... weniger zahlreich.
Der frühere St.Galler Spieler Michael Lang...
... wird am Samstag, genauso wie in den ersten drei Partien, einen Top-Match liefern.
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