Tagblatt Online, 08. Mai 2012 01:06:58
Lopar spaltet die Anhänger des FC St. Gallen
Heutzutage bedeuten im Fussball sechs Jahre Clubzugehörigkeit eine halbe Ewigkeit. So lange schon spielt Daniel Lopar für den FC St. Gallen. Der Thurgauer ist eine treue Seele – doch ist er auch ein guter Torhüter? Darüber streiten sich die Gelehrten. Für die einen ist er ein sicherer Rückhalt und folgerichtig Stammgoalie, für die anderen ein Torhüter, dem zu oft ein Lapsus unterläuft.
Lopar spaltet die St. Galler Anhängerschaft. Gerade zum Meisterschaftsende wird diese Personalie hitzig diskutiert, denn in den vergangenen Wochen leistete er sich mehrere Fehler, die Gegentreffer nach sich zogen. Kritiker machen dafür insbesondere das vermeintlich schwache Nervenkostüm des Goalies verantwortlich. Lopar könne dem Erfolgsdruck nicht standhalten, monieren sie, wenn es ernst gelte, versage er häufiger.
Nicht entscheidend verbessert
Leute, die Lopar kennen, beschreiben ihn als feinen Kerl, sympathisch, umgänglich, intelligent, ehrlich, selbstkritisch. Typen wie ihn gibt es im heutigen Fussballgeschäft, in dem es von Selbstdarstellern und Blendern nur so wimmelt, leider immer weniger. Doch positive Charaktermerkmale allein machen noch keinen guten Torhüter. Da gehört bedeutend mehr dazu. Unter anderem mentale Stärke und Strafraumbeherrschung – beides Eigenschaften, die den 27-Jährigen nicht unbedingt auszeichnen. Lopar verfügt über ausgezeichnete Reflexe und zählt auf der Torlinie zu den besseren Goalies in der Schweiz. Er hat sich in den vergangenen Jahren aber nicht entscheidend weiterentwickelt. Beim Abfangen von Flankenbällen etwa, seiner vielleicht grössten Schwäche, hat er keine erheblichen Fortschritte erzielt.
Will Lopar St. Gallens Nummer eins bleiben, muss er sich steigern. Sonst droht ihm ein ähnliches Schicksal wie in der Saison 2009/2010. Nach dem Aufstieg in die Super League war er der Stammgoalie, musste seinen Platz nach einer enttäuschenden Hinrunde aber Germano Vailati überlassen.
Vailati besser als Lopar?
Der Tessiner, der im August 32jährig wird, ist in dieser Saison die Nummer zwei. Ein weiteres Jahr hinter Lopar akzeptiert er kaum. Vailati wird den FC St. Gallen im Sommer wohl verlassen. Das ärgert viele Anhänger, denn sie sehen in Vailati den besseren Torhüter: stark auf der Linie, sicher bei hohen Bällen, Ausstrahlung, Siegermentalität. Obwohl auch Vailati den einen oder anderen Aussetzer hatte und in manchen Spielen wenig souverän wirkte, stieg er zwischendurch gar zur Nummer drei in der Schweizer Nationalmannschaft auf, ehe er sich im April 2011 an der Leiste operieren liess, lange ausfiel und seinen Platz im Tor an Lopar verlor.
Lopar packte die Chance, überzeugte Trainer Jeff Saibene und gab die Nummer eins nicht mehr her. Er will sie auch in der neuen Saison sein. Das wird keine leichte Aufgabe. Er kann sie aber erfolgreich bewältigen, denn Lopar ist ein Kämpfer, der in seiner Karriere schon manche Krise gemeistert hat. Andreas Werz
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