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Tagblatt Online, 09. Mai 2012 06:01:00

Der FC St.Gallen nur noch Mittelmass

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St.Gallens Trainer Jeff Saibene. (Bild: Urs Jaudas)

Anders als in der Super League, wo der FC Basel die Akzente setzt, gibt es in der Challenge League keine herausragende Mannschaft. Auch der FC St.Gallen hat sich dem allgemeinen Mittelmass angepasst und pedalt im bummelnden Hauptfeld mit.

Tim Bakens ist wieder da. Er spielte nach einer Hüftoperation erstmals wieder in der U21, wird aber den FC St.Gallen verlassen. Eigentlich dachte ich, der Holländer habe sich bereits verabschiedet, da er auf keiner Kaderliste mehr erschienen ist. Der glücklose Verteidiger kam mir kürzlich in den Sinn, weil er einmal nach dem Unterschied zwischen der holländischen und der Schweizer Spitzenliga befragt wurde. In seinem Heimatland werde wesentlich offensiver gespielt, antwortete er. Vom Neutralisationsfussball, bei dem sich die Spieler auf dem Platz nur wenig Raum gönnen, wurde im Frühjahr auch die Challenge League angesteckt. Diesem Trend konnte sich auch der FC St.Gallen nicht mehr verschliessen. Wie in der höchsten Liga regiert hier das Mittelmass, abzulesen an der Rangliste der Rückrunde und zahlreichen Unentschieden. Am meisten Punkte haben im neuen Jahr Bellinzona und Winterthur erreicht. Bezeichnenderweise der FCW, eine munter auftretende Mannschaft ohne Ambitionen, im Herbst noch weit im Süden der Tabelle angesiedelt.

Tabelle der Rückrunde auf einen Blick:
1. Bellinzona und Winterthur je 25
3. Lugano und Vaduz mit je 24
5. Aarau 24
6. St.Gallen 23
7. Wil und Locarno je 19
9. Chiasso 18
 
Weiter unten:
14. Brühl 7
15. Delsberg 3
16. Kriens 2
 
Was auffällt: Die ersten sechs liegen nur zwei Punkte auseinander. Hätte der FC St.Gallen in Chiasso nicht noch den Ausgleich kassiert, wäre er mit Bellinzona und Winterthur gleichauf. Sechs Punkte Vorsprung in der Gesamtrangliste sind drei Runden vor Schluss immer noch ein schönes Polster. Und hätte der FC St.Gallen seine Flaute im Herbst gehabt und seine Drangphase jetzt im Frühjahr, wären alle begeistert. Doch nun präsentiert sich die Mannschaft so, dass sie möglicherweise noch in der letzten Runde in Vaduz Punkte benötigt.

Der Fussball im Wonnemonat Mai
Eigentlich wäre ja der Mai der Monat, der die Herzen der Fussballfreunde höher schlagen lässt. Bei angenehmen Temperaturen fallen die wichtigsten Entscheidungen im Klubfussball. Leider ist lange nicht mehr alles Wonne, was sich da abspielt. Als Christian Gross vergangene Woche von der YB-Klubleitung entlassen wurde, konnte man das noch achselzuckend zur Kenntnis nehmen: Gehört eben zum Fussballgeschäft. Zu denken gab mir eine andere Feststellung: Der ehemalige Spieler des FC St.Gallen ist bereits der neunte Trainer der Super League, der in dieser Saison vorzeitig seine Garderobe räumte. Einzig Lausanne, Luzern und Thun haben noch den gleichen Coach im Dienst wie vergangenen Sommer. Doch auch über Entlassungen von Martin Rueda und Murat Yakin wurde vorübergehend heftig diskutiert. Bloss Thuns Bernard Challandes verbrachte eine ruhige Saison.

Die Hektik auf dem Trainermarkt ist wieder einmal Symptom für den schlechten Zustand der Super League. Gross hat ja nicht seine Mannschaft in Grund und Boden trainiert, sondern belegte bei seiner Entlassung den dritten Rang. Sie hat zuletzt zugegebenermassen nicht gerade den Erwartungen entsprechend abgeschnitten. Aber ist das schon Anlass genug, einen Trainer in die Wüste zu schicken? Die Berner Klubleitung gab neben sportlichen auch wirtschaftliche Gründe an: Von einem alarmierenden Zuschauerschwund war die Rede. Das zeigt, wo bei den meisten Vereinen – nicht nur YB – der Fussballschuh drückt. Und am Schluss sind meistens die Trainer die Leidtragenden.

Kontrollen verstärken, Auflagen lockern
Basels Stürmer Marco Streller äusserte nach der Meisterfeier in einem Interview nicht nur die Freude über den Titelgewinn seiner Mannschaft, sondern auch Besorgnis über den Zustand der Super League. Es werde sie in zehn Jahren nicht mehr geben, wenn es im gleichen Stil weitergehe, sagte er und fügte hinzu: Die Auflagen für die Lizenzvergabe müssten verschärft werden. Ein gut gemeinter, aber nicht ganz präziser Vorschlag: Nicht die Auflagen, sondern die Kontrollen müssen intensiviert werden. Die Vorgaben zu verschärfen, wäre hingegen genau das Falsche. Man müsste sie vielmehr lockern: Denn schon jetzt können sie nur wenige Vereine finanziell verkraften. Zehn Super-League-Klubs zu finden, ist bereits jetzt nicht einfach. Man bedenke: Mit Winterthur und Chiasso haben zwei sportlich seriöse Anwärter auf den Barrage-Platze aus freien Stücken auf ein Lizenzgesuch für die höchste Liga verzichtet. Xamax ist weg, und Servette tut sich weiterhin schwer, die Millionen zusammenzukratzen.

Man dürfte sich freuen. . .
Was macht heute überhaupt noch Freude am Fussball? In der Schweiz, neben dem FC Basel,die sehr gute Nachwuchsförderung, die entsprechenden Erfolge der Junioren-Nationalteams. Zahlreiche Schweizer Fussballer in ausländischen Ligen. Viele spannende Spiele in der Champions League und spannende Entscheidungen in England und Italien. Herausragende Fussballer, auch bisher relativ unbekannte wie Papiss Cissé von Newcastle. Zur Begutachtung empfohlen sind zum Beispiel die Tore, die er vergangene Woche gegen Chelsea erzielt hat. Auf You Tube sicher leicht anzuklicken.

Und was kann der FC St.Gallen beitragen? Nun, im Moment sind wir schon mit dem blanken Aufstieg zufrieden. Und wenn es die Mannschaft doch noch schafft, darf man sich über die unverzügliche Rückkehr in die höchste Liga trotz allem ausgelassen freuen. Ja, ungeniert. Fredi Kurth


Leser-Kommentare:
5 Beiträge

Kommentare lesen

Mani_Braschler (09. Mai 2012, 16:54)
Ein Trainer und keine Ahnung

„Wir haben ein grosses Lazarett zu beklagen, ich denke da vor allem an Franck Etoundi …“,„Die Bälle gehen einfach nicht mehr rein …“ (gestriges interview von JS). Ohne Franck und Glück wird es wohl nichts mit dem Aufstieg, allerdings habe ich immer gedacht, wir hätten einerseits einen relativ breiten Kader, andererseits genug Potential, dass wir uns nicht rein auf das Glück verlassen müssten. Ganz ehrlich, schafft diesen *Trainer“ ab, er hat weder Ahnung noch System.

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stan (09. Mai 2012, 15:23)
aber.....und sogar Brühl ist besser

...da können aber die 1. Ligaclubs auch nichts dafür, wenn der Trainer und Sportchef des FC nix können. Immerhin hat sogar der SC Brühl in den letzten 4 Runden doppelt so viele Punkte geholt wie der FC St. Gallen....würde mir als Fan des FC St. Gallen schon zu denken geben.....
Warum denke ich beim FCSG immer an den 1. FC Köln???

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unbekannt (09. Mai 2012, 12:24)
unfähiger Trainer

Saibene hat nicht mal Mittelklasse wie soll das Team dann herausragend sein? Wenn ich das Team Woche für Woche auf dem Platz sehe, dann sehe ich keine Entwicklung, kein Konzept und am Schlimmsten: keine Leidenschaft.

Saibene mag ein netter Kerl sein, aber ein guter Trainer ist er nicht. Die Verantwortlichen sollen endlich ihren Fehler eingestehen und Saibene fortschicken, bevor uns die Konkurrenz überholt hat!

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unbekannt (09. Mai 2012, 12:19)
Saibene

Das Problem ist der Trainer. Es ist keine Entwicklung sichtbar seit er - damals noch in der NLA - das Team übernommen hat. Konnte man sich in der Ära Forte noch über die frappante Leistungssteigerungen von Spielern (Lang, Constanzo als herausragende Beispiele) freuen, sucht man ähnliche Fortschritte unter Saibene vergebens. Im Weiteren ist auf dem Platz kein Konzept, keine Linie erkennbar, es basiert zu vieles auf Zufall. Das Flügelspiel ist unter Saibene inexistent, weil die Aussen gar keine sind, sondern immer in die Mitte ziehen. Dazu scheint das Team nicht fit zu sein. Da frage ich mich: was trainiert Saibene eigentlich die ganze Woche mit der Mannschaft? Im Weiteren ist in der Mannschaft kein Feuer, keine Leidenschaft erkennbar. Kurz gesagt: Wenn der Trainer nur biederes Mittelmass ist wie soll das Team dann herausragend sein? Saibene ist in dieser Liga überfordert. Was passiert erst in der NLA? Saiben raus!

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unbekannt (09. Mai 2012, 09:43)
wetten dass,..............

..........der fcsg auch kommende saison da spielt, wo er jetzt ist? um im oberhaus zu spielen braucht es nun mal a) akteure mit leidenschaft und b) nicht einen trainer und sein hund, die bestensfalls für erstligateams geeignet sind -

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