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Tagblatt Online, 30. April 2012 01:13:00

St.Gallen gibt Rätsel auf

FCSG - FC Winterthur Challenge League Fussball Männer Nico Abegglen vor Tor Zoom

Winterthurs Torhüter Christian Leite kommt vor St.Gallen Stürmer Nico Abegglen an den Ball. (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Obwohl der FC St. Gallen seine Anhänger beim 1:1 gegen Winterthur erneut nicht begeistert, könnte der Leader schon am Samstag in Chiasso die Rückkehr in die Super League feiern. Trotzdem haben die Ostschweizer Sorgen.

PATRICIA LOHER

Angekündigt hatten sie die grosse Cup-Revanche. Und im Vorfeld sagte der Trainer: Keiner seiner Spieler brauche speziell motiviert zu werden, denn der Stachel des Viertelfinal-Outs sitze noch immer tief. Dann begann das Spiel gegen Winterthur. Aber St.Gallen war gar nicht anwesend. Der Leader war nicht bereit und präsentierte sich in der ersten halben Stunde in einer enttäuschenden Verfassung. Das sei schlecht gewesen, sogar sehr schlecht, sagte Trainer Jeff Saibene hinterher. «Wir waren nicht präsent und in den Zweikämpfen schwach.» So entsprach es schliesslich auch der Logik, dass seine Mannschaft in Rückstand geriet. Beim Gegentor war allerdings auch Pech im Spiel. Nach zehn Minuten rutschte Innenverteidiger Philippe Montandon in eine Flanke von Winterthurs Altin Osmani, Torhüter Daniel Lopar blieb ohne Abwehrchance. «Wir waren nicht bereit, gleich viele Meter zu laufen wie der Gegner», sagte Philipp Muntwiler. Vor der Pause hätte St.Gallens mangelnde Laufbereitschaft gut und gerne noch mit einem zweiten Gegentor bestraft werden können.

Die Hilfe der Konkurrenz

Erst nach dem 1:1 durch den eingewechselten Manuel Sutter in der 63. Minute streifte St.Gallen seine Hemmungen ab, plötzlich wirkte die Mannschaft sogar spielfreudig und es gelang ihr, eine Druckphase aufzubauen. Obwohl sich der Leader noch zwei sehr gute Chancen erarbeitete und Bruno Valente nur den Pfosten traf, hätte St.Gallen aufgrund der ersten Halbzeit den Sieg nicht verdient. Die Mannschaft zeigte, nicht zum ersten Mal in dieser Saison, zwei Gesichter.

Ebenfalls nicht zum ersten Mal in dieser Saison war es aber auch so, dass die Konkurrenz St. Gallen half. So unterstützte Wil seinen Nachbarn mit einem Sieg in Aarau und gelang Locarno in Lugano in der 93. Minute per Penalty das 1:1. St.Gallens Vorsprung beträgt vier Runden vor dem Saisonende trotz oft rätselhafter Leistungen noch immer komfortable acht Punkte. Gewinnt der Leader am Samstag in Chiasso und spielen Bellinzona und Lugano bloss Unentschieden, gehört er nächste Saison definitiv wieder zu den zehn besten Teams des Landes. Nur weiss St.Gallens Mannschaft, was sie im Tessin erwarten wird. In der Vorrunde war es das defensiv hervorragend organisierte Chiasso, das St.Gallen die erste Saisonniederlage zufügte.

Wie weiter mit Regazzoni?

Dass es in St.Gallen einiges zu besprechen gibt, zeigte die Reaktion Alberto Regazzonis nach seiner Auswechslung. Obwohl der Trainer in Anbetracht der Leistung den einen oder anderen Spieler ebenfalls hätte austauschen können, entschied sich Saibene bereits nach einer halben Stunde, auf Sutter statt auf Regazzoni zu setzen. Der Tessiner verliess das Spielfeld ohne Umweg, den Trainer würdigte er keines Blickes. In der Katakombe sollen einige Kraftausdrücke gefallen sein. «Darüber», sagte Saibene, «sprechen wir intern.» Von einem Spieler wie Regazzoni erwarte er mehr, «sowohl bezüglich Laufarbeit als auch bezüglich des Willens». Saibene, aber auch Sportchef Heinz Peischl sehen sich derzeit mit einigen Baustellen konfrontiert. Eine Frage dürfte dabei auch sein, wie es mit Regazzoni nach diesem Vorfall weitergeht. Im Auswärtsspiel gegen Biel gehörte er dem Aufgebot gar nicht an, seither allerdings spielte er stets wieder von Beginn weg.

Ein anderes Sorgenkind ist Stürmer Franck Etoundi, der gegen Winterthur zur Pause erneut wegen Schulterproblemen ausgewechselt werden musste.

Sutter und Valente erfreulich

Ein anderes Rätsel gibt Oscar Scarione auf. Der Argentinier ist mit 13 Treffern noch immer St.Gallens bester Torschütze. Doch entscheidend in das Spiel seiner Mannschaft eingreifen kann er schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Gegen Winterthur war Scarione das eine oder andere Mal St.Gallens zweithinterster Feldspieler, der Südamerikaner läuft viel. Aber es scheint, als laste sowohl defensiv als auch offensiv zu viel Verantwortung auf Scariones Schultern. Gut möglich, dass seine Kreativität darunter leidet.

Erfreulich hingegen war, dass nach den Einwechslungen Sutters und Valentes doch ein Ruck durch die Mannschaft ging. Allerdings entschied sich St.Gallen zu spät, doch noch Fussball zu spielen.





Leser-Kommentare:
4 Beiträge

Kommentare lesen

Hansheiri (30. April 2012, 10:30)
Immer die gleichen Fehler, einfach nichts gelernt

Seit Jahren - effektiv seit Marcel Koller, tümpelt und taumelt der FCSG von Panne und Pleite zu Panne und Pleite. Wann endlich begreifen die Verantwortlichen,dass voreilige Vertragsverlängerungen in einem Zeitpunkt, wo noch gar nichts erreicht ist, nichts bringen, dass diese ewigen Seilschaften (Weiler holt Fringer, Peischl holt Saibene, usw.) ausser nutzlosen Kosten nichts bringen und Trainer niht nur dazu da sind, Spitzengehälter abzuholen sondern Spieler zu Spitzenleistungen zu zu trainieren. Aber wenn der Schwächere im Tor, in der Verteidigung oder im Mittelfel und Sturm steht, und das mit Stammplatzgarantie, und die besseren auf der Bank oer der Tribüne sitzen, gibt's Missstimmung und Günstlingswirtschaft in der Mannschaft. Und dann passiert das, was in der Rückrunde Tag für Tag serviert wird. Mit diesem Trainer und Sportchef wird sich nichts ändern. Wann kommt endlich wieder mal einer mit Winnermentalität?

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unbekannt (30. April 2012, 09:51)
bei...............

.....christian gross anklopfen - der würde mit aller bestimmtheit in grösster begeisterung in die pampa nach st. gallen dislozieren und alldort den fcsg vollendet in's elend führen -

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HSU (30. April 2012, 08:37)
HSU

Was steckt hinter diesem Leistungsabbau?
Seit der Rückrunde ist keine menschliche, keine taktische und spielerische Entwicklung sichtbar! Warum kann eine spielerisch so starke Mannschaft so abbauen? Wo bleibt die Freude am Spiel? Wo ist die Bereitschaft gemeinsam für ein Ziel zu kämpfen? Warum ist die Mannschaft so verunsichert? Warum sind zwischenmenschliche Spannungen in der Mannschaft und dem Trainer bis auf die Tribünen spürbar? Warum ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft und der Fangemeinde so schlecht? Fragen, die die Clubverantwortlichen zu beantworten und schnellstens zu lösen haben. Es bleibt nicht mehr viel Zeit! Es könnte sonst zu spät sein. Und dies wäre schade für die gesamte Fussballregion Ostschweiz. Schade für die grosse Euphorie, die die neue Vereinsführung zu entfachen mochte.

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Thurgauer71 (30. April 2012, 08:02)
Waren nicht bereit

Die Spieler waren also nicht bereit. Nicht bereit zu kämpfen, nicht bereit zu laufen, nicht bereit siegen zu wollen. Herrliche Einstellung welche beim FCSG an den Tag gelegt wird. Für solche Aussagen sind wir dankbar und sehen, dass es unter dieser sportlichen Führung nicht mehr klappt. Klar ist jeder Einzelne für sich verantwortlich, aber für das Kollektiv ist es der Trainer und der reisst weder Spieler noch Zuschauer von den grünen Sitzen.

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