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Tagblatt Online, 14. Mai 2012 01:05:00

Endlich weiterkommen

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Der entscheidende Schritt: Der FC St. Gallen, im Bild mit Marco Mathys (rechts) und Marco Hämmerli (vorne), gewinnt in Locarno mit 2:0. (Bild: ky/Karl Mathis)

Der FC St. Gallen ist zurück in der Super League. Aber gross ist die Euphorie nicht. Dem Verein fehlt ein leidenschaftliches Zugpferd. Sportchef Heinz Peischl und Trainer Jeff Saibene steht der grösste Test erst noch bevor. Von Patricia Loher

50Wochen nach dem tränenreichen Tag von Bern hat der FC St. Gallen in Locarno die Rückkehr in die höchste Liga perfekt gemacht. Der Mannschaft ist es gelungen, nach einigen durchzogenen Leistungen zwei letzte Zitterpartien zu vermeiden. Wer eine Tabelle vom 2. bis zum 28. Spieltag ohne Unterbruch anführt, ist ein verdienter Aufsteiger. St. Gallen verfügte über die insgesamt besten Einzelspieler. Vor allem mit der Verpflichtung des kamerunischen Stürmers Franck Etoundi haben Sportchef Heinz Peischl und Trainer Jeff Saibene ein glückliches Händchen bewiesen. Der zurzeit verletzte Afrikaner hat sich in St. Gallen zum Publikumsliebling entwickelt.

Dass die Mannschaft ihre Klasse nach den vielen Veränderungen auch auf den Platz brachte, ist keine Selbstverständlichkeit. Keine Selbstverständlichkeit ist es auch, dass St. Gallen dem Druck standhielt. Denn nur einen Tag nach dem Abstieg hatte Präsident Dölf Früh verkündet: «Der sofortige Wiederaufstieg ist Pflicht. In einem Jahr sind wir zurück.» Für den ältesten Fussballclub des Landes ist diese Promotion überlebenswichtig. Das Ziel ist also erreicht. Trotzdem gelang es der Mannschaft mit Ausnahme des Cupspiels gegen Zürich oder des 6:0 gegen Delémont nicht, Euphorie zu entfachen.

Saibene in der Kritik

Der Club tut gut daran, diese fehlende Begeisterung seines treuen Publikums nicht bloss mit der hohen Erwartungshaltung zu erklären. St. Gallen hat sich nicht in die Herzen seiner Anhänger gespielt, weil das Charisma fehlt. Das Publikum reagiert nicht auf mangelnde spielerische Klasse. Es reagiert, wenn es spürt, dass nicht bedingungslos gekämpft wird. Wenn Feuer und Spielfreude fehlen. Deshalb muss sich auch Saibene kritische Fragen gefallen lassen: Hat er die Mannschaft weitergebracht? Gelang ihr der Aufstieg nicht einfach dank ihrer individuellen Klasse? Man wünschte sich, die Handschrift des Luxemburgers würde erkennbar und eine Taktik würde deutlich. Doch zu oft wirkten die Auftritte seines Teams ohne Linie und basierten sie mehr auf Einzelleistungen denn auf mannschaftlicher Geschlossenheit. Zudem wurde es verpasst, eigene junge, zuvor wenig bekannte Spieler an die höchste Liga heranzuführen. Sven Lehmann war auf einem guten Weg, fand sich aber auf der Ersatzbank wieder und verletzte sich dann im Training schwer. Tunahan Cicek kam kaum zum Einsatz, Gabriel Lüchinger durfte einmal mittun. Ilija Ivic kam erst gegen Saisonende zum Zug. Dabei hinterliess der 20-Jährige aber einen derart guten Eindruck, dass man sich wünschte, er hätte die Chance schon früher erhalten.

Die Baustellen

Die sportliche Leitung muss diese Saison genau analysieren und auch herausfinden, weshalb das Team in der Rückrunde nicht mehr auf Touren kam. St. Gallen war vor diesem Wochenende in der zweiten Saisonhälfte lediglich die sechstbeste Mannschaft. Allein mit Nervosität kann das nicht begründet werden. Es schien, als ginge dem Team die Luft aus. Es gibt also einige Baustellen. So steht beispielsweise auch nicht fest, wer die Nachfolge von Philipp Muntwiler und Daniel Imhof im defensiven Mittelfeld antreten wird. Diese Position gehört zu den wichtigsten in einer Achse, die in der Super League funktionieren muss. Es genügt auch nicht, darauf zu hoffen, dass Spieler aus der Challenge League in der höchsten Liga zu Leistungsträgern reifen. St. Gallen benötigt trotz noch immer eingeschränktem finanziellem Spielraum Erfahrung aus der Super League.

Der grosse Test steht Sportchef Peischl und seinem Trainer Saibene erst noch bevor. St. Gallen darf aufgrund des Potenzials nicht zu einer Liftmannschaft verkommen. Der FC St. Gallen ist die Ostschweiz, er ist in dieser Region von grosser Bedeutung. Die Super League hat den Club und sein begeisterungsfähiges Publikum vermisst. Nun aber muss der Verein einen Schritt weiterkommen und nach finanziellen und sportlichen Sorgen das Vertrauen zurückgewinnen. Dafür aber braucht es neben spielerischen und kämpferischen Qualitäten auch Charisma. St. Gallen braucht wieder ein leidenschaftliches Zugpferd, um die Herzen seiner Anhänger zurückzugewinnen.







Leser-Kommentare:
6 Beiträge

Kommentare lesen

goepf03 (14. Mai 2012, 10:15)
NICHTS EINBILDEN

Herzliche gratulation zum wiederaufstieg.
Einbilden kann sich die mannschaft allerdings nicht auf die leistung in den letzten spielen.
Zuggegeben ich habe nicht alle spiele gesehen, aber die spiele dich gesehen habe waren sämtlich miserabel. Was nützt es 2 NLA clubs im cup auszuschalten und anschliessend dann in winterthur zu verliern.
Mit dieser mannschaft und vor allem mit diesem trainer sehe ich null chancen in der höheren liga zu bestehen, oder kann mir jemand einen spieler nennen, der für dieses ziel das nötige format mitbringt. Das dem trainer die nötige qualität fehlt wird ja gott sei dank auch im obigen artikel erwähnt!
Eine kleine randbemerkung: hätte saibene die resultate der rückrunde in der vorrunde erbracht, wäre er noch trainer in st.gallen? wohl kaum.
Ich hoffe natürlich, dass ich unrecht habe - und aus meinem fc st.gallen keine lift mannschhaft wird.

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pms (14. Mai 2012, 09:20)
in die Zukunft planen

wir sind uns alle einig über Franck Etoundi, also: wann wird mit ihm vorzeitig verlängert? Wartet man auch hier wieder bis er gratis wechselt???

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fchenau (14. Mai 2012, 07:38)
Verpasst?!

Vielleicht hätte man darauf hinweisen können, dass beispielsweise Ivan Martic in dieser Saison zum Stammspieler avancierte und nur durch eine Verletzung gegen Saisonende vorerst gebremst wurde. Ein so ehrgeiziges Ziel erreichen zu können und nebenbei noch ein paar "Talente" auszubilden ist wohl immer ein schwieriges Unterfangen. Aber von Verpassen kann man wohl so direkt nicht sprechen...

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vesche (14. Mai 2012, 00:07)
Jetzt sind wir erstmal aufgestiegen!

Nicht wenige haben vor der Saison am Wiederaufstieg gezweifelt. Nun hat es die Mannschaft souverän geschafft, zudem im Cup 2 NLA Clubs ausgeschaltet. Dass die Mannschaft verstärkt werden muss, ist wohl allen Beteilligten klar. Peischl hat für diese Saison gute Transfers getätigt, wieso soll dies nicht weiter gelingen. Der Artikel mag einige Wahrheiten enthalten, heute ist aber der falsche Zeitpunkt für sowas.

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Tomtom23 (13. Mai 2012, 20:49)
Cool

Treffender Kommentar und überzeugende Argumente. Doch ein bisschen mehr Begeisterung über den Aufstieg zwischen den Zeilen wäre schön gewesen.

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gyrox (13. Mai 2012, 19:53)
Richtig!

Danke! Sehr guter Artikel! Völlig auf den Punkt gebracht! Bin gespannt was sich die Bosse einfallen lassen für kommende Saison um trostlose Spiele zu vermeiden.

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