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Tagblatt Online, 15. Mai 2012 06:11:00

Auch die Meisterspieler freuen sich

St. Gallen - FCSG steigt auf und feiert mit Fans im AFG Stadion Zoom

Feiern nach der Rückkehr im Restaurant Piazza d'Arena den Aufstieg: Pa Modou Jagne, Kristian Nushi, Manuel Sutter und Ilija Ivic (von links). (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Seit dem Meistertitel hat der FC St.Gallen bewegte, durch zwei Abstiege und zwei Aufstiege geprägte Jahre durchlebt. Eine Umfrage zeigt, dass die Meisterspieler von 2000 noch immer eng verbunden sind mit dem Club.

PATRICIA LOHER/MARKUS ZAHND

Im Jahr 2000 feierte der FC St.Gallen den Meistertitel. Es war der bis anhin letzte Höhepunkt einer bewegten Vereinsgeschichte. Am Sonntag, am drittletzten Spieltag der Challenge League, gelang den Ostschweizern die Rückkehr in die Super League. Letzter verbliebener Meisterspieler ist Captain Daniel Imhof, der seine Karriere nach dieser Saison beenden wird. Andere Akteure des Meisterteams haben sich ebenfalls ein neues Standbein aufgebaut. Geblieben ist ihnen die Verbundenheit mit dem FC St.Gallen.

Sascha Müller, unterdessen 42jährig und Nachwuchstrainer bei den Grasshoppers, erzählt gleich eine aktuelle Anekdote: Am Morgen nach dem erfolgreichen Auftritt des FC St.Gallen in Locarno habe ihn ein Kollege angerufen: «Er sagte: <Ich gratuliere dir zum Aufstieg>.» Müller war in der Ostschweiz für seine schnellen Flügelläufe bekannt und zählte im Espenmoos zu den Publikumslieblingen. «Natürlich verfolge ich St.Gallens Resultate», sagt er. Als Müller seine Aktivkarriere in St.Gallen beendete, blieb er den Ostschweizern treu. Er übernahm in der Nachwuchsabteilung ein Traineramt, ehe er vor drei Jahren zu den Grasshoppers wechselte. Beim Zürcher Club trainiert Müller das U16-Team. «Ich habe den Erfolg St.Gallens mit Freude zur Kenntnis genommen». Alle seien sich einig: Die Rückkehr des Clubs in die höchste Liga tue dem Schweizer Fussball gut.

Die Sicht des Trainers

Diese Meinung vertritt auch Giorgio Contini. Der ehemalige Stürmer St.Gallens und heutige Assistenztrainer Luzerns verfolgte die entscheidende Partie via Liveticker und Radio mit. «Ich habe mitgefiebert und gehofft, dass der FC St.Gallen aufsteigt. Der Club gehört in die Super League.» Weil Contini zuletzt einige Spiele der St.Galler besucht hat – er hat vor allem den künftigen Luzerner Philipp Muntwiler beobachtet – weiss er um die kritischen Stimmen. Er verstehe, dass die Anhänger vor allem Spektakel wünschten. Aus Trainersicht sei das anders: «Für uns zählen in erster Linie die Resultate. Das Ziel war der Aufstieg, das wurde erreicht. In der Challenge League ist es wegen der destruktiven Spielweise einiger Teams nicht möglich, dass eine attraktive Partie entsteht.» Unzufriedene Anhänger gebe es auch in Luzern viele. «Auch wir haben ein anspruchsvolles Publikum, das nicht immer zufrieden ist, auch wenn wir gewonnen haben.» Den nächsten Sieg erhofft er sich bereits morgen im Cupfinal gegen Basel. Danach freut sich Contini auf die kommende Saison und die Spiele gegen den FC St.Gallen. «In dessen Stadion spielt jeder gern», sagt der 38-Jährige.

«Biederen Fussball praktiziert»

Jörg Stiel, der ehemalige St.Galler Torhüter, verfolgt die Partien seines Clubs noch immer intensiv. «Im Stadion, auswärts oder am TV», sagt er. Der Aufstieg – laut Stiel eine «Pflichtaufgabe» – sei überfällig gewesen. Er kann verstehen, dass in der Ostschweiz keine Euphorie ausgebrochen ist. «St.Gallen praktizierte einen biederen Fussball. So gewinnt man keine Herzen. Dabei liegt die Schmerzgrenze der St.Galler Zuschauer doch sehr hoch.»

St.Gallens früherer Verteidiger Pascal Thüler ist für den Bündner Fussballverband und deshalb auch für FutureChamps Ostschweiz tätig. Zuvor hatte Thüler, der nun in Chur wohnt, viereinhalb Jahre in der Nachwuchsabteilung des FC St.Gallen gearbeitet. Er sei nicht mehr oft in der AFG Arena, sagt der 42jährige Thurgauer. Nach zwei Abstiegen des Clubs innerhalb von vier Jahren «müsste das nicht gleich wieder sein. Ich hoffe viel mehr, dass der FC St.Gallen nun einen Schritt weiterkommt.»




Leser-Kommentare:
3 Beiträge

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Mani_Braschler (15. Mai 2012, 11:29)
Neuanfang?

Ein Neuanfang wäre wünschenswert, das war er allerdings bereits vor 12 Monaten. Dass sich an der Spielweise und am „System“ unter dem jetzigen Trainer etwas ändern wird, erachte ich als ausgeschlossen. Von daher werden wir nichts Neues geboten bekommen und alles andere als ein „Chrampf“ in der nächsten Saison wäre unter diesen Voraussetzungen eine grosse Überraschung. Entsprechend rational sehen dies wohl auch viele Anhänger des FCSG, so ist auch bei mir die Euphorie, verglichen mit dem letzten Aufstieg, eher eine Erleichterung denn ein Glücksgefühl.
Nochmals: klar war der Aufstieg das Ziel, und dieses wurde auch erreicht. Aber nicht, weil der FCSG so stark war, nein, sondern weil die anderen zu schlecht waren und sich dann auch noch gegenseitig Punkte weggenommen haben. Glücklicherweise war die erweiterte Spitze relativ breit und beinahe die Hälfe der CL hat sich bis kurz vor Schluss noch Hoffnungen auf den Barrage-Platz machen können.

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ResZaugg (15. Mai 2012, 10:08)
Neuanfang

Es ist zu hoffen, dass die Ostschweiz endlich mal eine Fussballmannschaft bekommt, die sie verdient hat. Statt schon wieder zum voraus zu jammern, sollte man besser einfach mal begeistert sein und mit dem FCSG mitfiebern. Sollte das ein Problem sein, ist der FCSG vergebens aufgestiegen.

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Hansheiri (15. Mai 2012, 08:11)
Bravo Stiel

Immerhin einer, der die Realität sieht und sie auch anspricht: "So gewinnt man keine Herzen. Dabei liegt die Schmerzgrenze der St.Galler Zuschauer doch sehr hoch". Die Bosse tun offenbar alles, um diesen biederen Fussball, der niemand begeistern kann, fortzusetzen. Ein paar Ergänzungsspieler mit ausgelaufenen Verträgen, dh. im Klartext, der alte Klub wollte diesen Spieler nicht mehr, nach St. Gallen holen und dann jubeln: Wir haben 5 neue Spieler verpflichtet.... Aber spielt ja im Grunde keine Rolle: Bei diesem Trainer und seinem komischen Gähn-Fussball wäre jeder überdurchschnittliche Zuzug sowieso für die Katz.

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