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Tagblatt Online, 07. Mai 2012 21:34:00

Zurück am angestammten Platz

Sechs Jahre nach dem Zwangsabstieg stellt Juventus die alte Hierarchie in der Serie A wieder her

Giorgio Chiellini (m.) feiert die Meisterschaft mit Juventus Turin. Zoom

Giorgio Chiellini (m.) feiert die Meisterschaft mit Juventus Turin. (Bild: Imago)

Italiens Rekordmeister Juventus Turin ist nach dem Manipulationsskandal von 2006 zurück an der Spitze. Der 28. Titelgewinn gründet in erster Linie auf der Hartnäckigkeit des Trainers Antonio Conte. Die Bianconeri marschierten ungeschlagen durch die Meisterschaft.

Tom Mustroph, Mailand

Das «Baby ist nach Hause gekommen», sagt vor Glück strahlend ein Tifoso auf der Piazza San Carlo in Turin. Das von ihm angesprochene Baby ist der Scudetto. Viele Jahre war das Schildchen von den Rivalen in Mailand gehütet worden, zuerst von Inter (2006–2010), zuletzt von der AC Milan. Doch jetzt kann es wieder in den Vitrinen des Turiner Klubs deponiert werden.

Das ist ein historischer Moment. Er entbehrt auch nicht der Pikanterie. Denn ausgerechnet in einem Stadion im äussersten Nordosten Italiens, das nach dem Milan-Erfolgstrainer Nereo Rocco benannt ist und dessen Hausherren gegenwärtig in der dritten Liga ihr Dasein fristen, krönte sich der Juventus FC zum Meister. Der Trip nach Triest wurde notwendig, weil das Heimstadion des Gegners aus Cagliari unter baulichen Problemen leidet.

Schnelle Erleichterung

In Triest verscheuchten die Bianconeri schnell die Gespenster der Vergangenheit. Im Mai 2000 gehörten der gegenwärtige Trainer Antonio Conte und der Captain Alessandro Del Piero noch zu den Verlierern der Regenschlacht von Perugia, die den Titel kostete. Eine Wiederholung der Geschichte erschien angesichts des katastrophalen Schnitzers von Keeper Buffon, der am letzten Mittwoch zum 1:1 gegen Lecce führte, nicht ausgeschlossen.

Aber noch vor dem ersten mit Spannung erwarteten Rückpass auf Buffon erzielte Vucinic, allerdings aus abseitsverdächtiger Position, die Führung. Ein Eigentor der exilierten Gastgeber besiegelte den Juve-Sieg. Und weil sich im Mailänder Derby Inter nicht lange mit dem Problem des kleineren Übels (Titel für Milan oder Titel für Juve?) aufhielt, sondern in einem begeisternden Match einen 4:2-Sieg errang, war der Scudetto für die Turiner einen Spieltag vor Saisonende perfekt.

«Das ist super-ausserordentlich», suchte Conte nach dem passenden Adjektiv. Eigentlich müsse man «Schritt für Schritt vorgehen, um Erfolg zu haben», sagte er nachdenklich. «Aber wir haben sofort gewonnen. Das ist eine grosse Befriedigung für mich und für den Verein. Ich bin glücklich, dass wir nach Calciopoli gesiegt haben.» Calciopoli ist und bleibt die Referenzgrösse für diesen Titel.

2006 waren dem Klub wegen gerichtlich belegter Manipulationen des damaligen Juventus-Managers Luciano Moggi die Titel der Spielzeiten 2004/2005 und 2005/2006 aberkannt und die Relegation in die Serie B beschlossen worden. Nur ein Teil der damaligen Stars trat den Weg in die Zweitklassigkeit an. Von ihnen stand nur Buffon auf dem Platz in Triest. Chiellini und Marchisio spielten sich erst in der Serie B ins Kader. Der alte Leitwolf Del Piero blieb am Sonntag auf der Bank.

37 Spiele unbesiegt

Sie alle hatten wesentlich früher mit einer Rückkehr nach ganz oben gerechnet. Aber die Wut über die sportrechtliche Demütigung setzte sich nicht sofort in Erfolge um. Die Trainerwahl – Ranieri, Ferrara, Delneri und Zaccheroni – erwies sich als fehlerhaft. Die Transferpolitik ebenso. Die Rückkehr von Cannavaro und die brasilianische Variante mit Diego, Felipe Melo und Amauri waren allesamt Fehlschläge.

Erst der frühere Mittelfeldstar Antonio Conte erinnerte das Kader daran, dass die Basis von Erfolg vor allem Leidenschaft und harte Arbeit sind. Nach einigem Probieren fand er mit einem massierten Mittelfeld um den neuen Regisseur Andrea Pirlo die richtige Formel. Die Bianconeri marschierten ungeschlagen durch die Meisterschaft und gewannen verdient den Titel.

Serie A. Ranglistenspitze vor der letzten Runde: 1. Juventus 81 (Meister). 2. Milan 77. 3. Udinese 61. 4. Lazio 59. 5. Napoli 58. 6. Inter 58.




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