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Tagblatt Online, 07. August 2012 19:47:00

Vier Jahre für vier Minuten

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Pascal Strebel. (Bild: Keytsone / Panagiotou)

Der Ringer Pascal Strebel erlebt in London, wie brutal die Spiele für einen Athleten einer Randsportart sein können.

Daniel Germann

Die traditionellen Sportstätten von Wimbledon (Tennis) oder Eton (Rudern), die spektakulären Kulissen des Hydeparks (Triathlon) oder der Horse Guard Parade (Beachvolleyball) oder das Olympiastadion geben den Spielen in London ein Gesicht. Nirgendwo aber lebt der Geist von Olympia stärker als im Excel.

Das 100 000 Quadratmeter grosse Messegelände auf den Docklands ist während der Spiele Schauplatz von Boxen, Fechten, Gewichtheben, Judo, Taekwondo, Tischtennis und Ringen. In den weitläufigen Hallen gipfeln die Träume von Athleten, die ausserhalb der Olympischen Spiele nur selten zur Kenntnis genommen werden. Sie trainieren während vier Jahren mit viel Aufwand und noch mehr persönlichem Verzicht, um dann für einen Moment ins Rampenlicht zu treten.

Für den Ringer Pascal Strebel dauerte dieser Moment genau vier Minuten. Dann hatte er seinen Kampf gegen den Georgier Manuchar Zchadaia verloren. Weil dieser danach im Halbfinal scheiterte, erhielt der Aargauer keine zweite Chance in der Repechage für jene Kämpfer, die an einem der beiden Finalisten gescheitert waren.

Hinter Strebels kurzem London-Auftritt stehen vier Jahre, während deren er sich auf die Spiele vorbereitet hat. Zuletzt war er für zwei Monate in die Ukraine gereist, um gegen gleichwertige Gegner trainieren zu können. Möglich gemacht hatten das unter anderem sein Chef und seine Arbeitskollegen, die für ihn Überstunden sammelten.

Strebel zahlte in London auch für seine internationale Unerfahrenheit. Er war erstmals an den Spielen dabei und hatte sich unter anderem in Gesprächen mit dem ehemaligen Olympiaringer Reto Bucher auf die besonderen Umstände vorbereitet. Erfahrungen aber kann man nicht simulieren; man muss sie machen.

Das weiss kaum einer besser als der ehemalige Judoka Sergei Aschwanden. Der Waadtländer scheiterte an den Spielen in Sydney und Athen jeweils früh, ehe er in Peking Bronze gewann und seine Karriere krönte. Aschwanden sagt: «Man kämpft bei Olympia einen doppelten Kampf: gegen den Gegner, aber auch gegen sich selber. Nur wer abschalten und völlig in sich abtauchen kann, hat eine Chance zu gewinnen.» Das Schwierigste sei, sich nach einer Niederlage neu zu motivieren. «Überspitzt formuliert trägt man die Enttäuschung vier Jahre mit sich. Ich galt acht Jahre lang als Loser, ehe ich in Peking doch noch beweisen konnte, dass ich besser bin als mein Image.»

Die Zuspitzung eines vierjährigen Aufbaus auf einen ein paar kurze Minuten dauernden Kampf macht die Wettkämpfe der Ringer oder Judokas derart herausfordernd. Die Athleten aus den publikumsträchtigen Sportarten ziehen weiter und erhalten bald schon eine neue Chance. Im Tennis steht mit den US Open in New York der nächste Saisonhöhepunkt vor der Tür. Die Leichtathleten kehren zurück in die Diamond League und werden bei Weltklasse Zürich bald schon zur Olympiarevanche antreten.

Für Pascal Strebel aber beginnt das lange Warten auf die Spiele 2016. Er sagt: «Ich nehme mir nun einmal ein halbes Jahr Zeit und entscheide dann, wie es weitergeht.» Er ist 23 Jahre alt, und es ist anzunehmen, dass er in Rio de Janeiro dabei sein wird.




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