Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 03. Juni 2012 20:02:00

Sturz ins Glück

Wie im letzten Jahr erkämpft der Schweizer Degenfechter Max Heinzer den Sieg im Grand Prix de Berne

Max Heinzer feiert seinen Finalsieg am Grand Prix de Berne. Zoom

Max Heinzer feiert seinen Finalsieg am Grand Prix de Berne. (Bild: Keystone)

Max Heinzer hat die Erfolgsserie der Schweizer Degenfechter mit der Wiederholung des Vorjahressieges am 48. Grand Prix von Bern fortgesetzt. Der Weltranglisten-Neunte aus Immensee setzte sich im Final gegen den Ukrainer Bogdan Nikischin 15:12 durch.

Peter Jegen, Bern

Gian Gilli sah einen Athleten mit Herz, einen Fechter, der aggressiv auf die Jagd nach Punkten ging, kämpferisch Treffer um Treffer setzte. Mit Blick auf London 2012 hat das dem Sportdirektor von Swiss Olympic sehr gefallen. Auch das Publikum in der Berner Wankdorfhalle hatte Freude daran, wie Max Heinzer den Grand Prix de Berne zum zweiten Mal gewann, im Final im Sinn des Wortes ins Glück stürzte. Der 24-jährige Degenfechter aus Immensee ist erst der dritte Schweizer, dem das gelang. 1978 hatte Jean Blaise Evéquoz den Grand Prix gewonnen, 2005 Marcel Fischer – und nun wiederholte Heinzer seinen Vorjahressieg. Noch in der Euphorie des Triumphs blickte aber auch er in Richtung Olympia. «Jetzt wird der Druck noch grösser, weil ich am ersten August gewinnen will.»

Kauter früh gescheitert

Am Nationalfeiertag steht der Olympia-Wettbewerb der Degenfechter an. Neben Heinzer wird Fabian Kauter daran teilnehmen. Am Sonntag blieb der Berner seinem Leistungsausweis vor eigener Kulisse treu. Wie schon in den letzten drei Jahren schied der jüngere der beiden Kauter-Brüder im ersten Gefecht aus. «Irgendwie ging alles viel zu schnell, plötzlich stand des Gefecht 12:12.» Letztlich ging es 14:15 gegen den Ukrainer Oleg Sokolow verloren. Dafür führte das erste Assaut von Bruder Michael Kauter in die Verlängerung. Nach verletzungsbedingter Pause lieferte er Bas Verwijlen erstaunliche Gegenwehr – und musste sich dem Niederländer dennoch beugen (14:15).

Für Heinzer derweil konnte es im stark besetzten Feld erneut nicht schnell genug gehen. Kaum gab der Juge ein Assaut frei, attackierte er den Gegner, vorzugsweise mit der Flèche, dem atemraubenden Sturzangriff. Oder er sprang unerwartet auf, um den Treffer auf den Kopf des Kontrahenten zu setzen. Unkonventionell und aggressiv sei sein Stil, sagen die Insider. Heinzer teilt die Einschätzung. Weil er einst vom Florett geprägt worden sei, würde er nun mit dem Degen anders als die anderen fechten.

Das fordert seinen Tribut. Im Viertelfinal stemmte sich ihm der Pole Tomasz Motyka entgegen – und stürzte nach einem Zusammenprall. Wegen unerlaubten Körperkontakts wurde Heinzer erst mit Gelb verwarnt, dann beim zweiten Rencontre mit Rot gebüsst (Punkteabzug). Im Final gegen den Ukrainer Bogdan Nikischin, den WM-Fünften von 2011, bekam Heinzer seine Angriffslust sodann körperlich zu spüren. Zweimal stürzte er über den Gegner hinweg und von der erhöhten Bahn auf den Hallenboden hinunter. Im Wettkampf verspürt Heinzer aber keinen Schmerz. So war das schon im WM-Team-Wettkampf im letzten Oktober. Damals hatte er trotz lädiertem Sprunggelenk den entscheidenden Treffer zum Gewinn von Bronze gesetzt.

Steffen der Sparringpartner

Bester Schweizer hinter Heinzer war Benjamin Steffen als Achter. Damit bestätigte der Basler Routinier die sehr guten Eindrücke seiner Trainer. Steffen soll nun auch an die Sommerspiele nach London reisen. Als Sparringpartner für Heinzer und Kauter. Selbiges sieht der Fechtverband mit Simone Näf für Tiffany Géroudet vor.

Zurück in den März

jeg. Im letzten Jahr hat der Grand Prix de Berne erstmals im Juni stattgefunden. Das neue Datum war eine Konzession, um im Turnierkalender zu verbleiben, den der internationale Verband zusammenstrich. 2013 stehe die 49. Austragung des Turniers wieder Anfang März (2./3.) an, sagt nun aber Markus Burkhalter. Er ist zum zweiten Mal verantwortlich und erst der dritte Präsident des Anlasses – nach seinem Vater René Burkhalter und Christian Kauter, dem Vater der Kauter-Brüder. Das Budget des Grand Prix beträgt mittlerweile 90 000 Franken, wobei nur ein kleiner Teil auf das Preisgeld entfällt. Der Sieger erhält 1500 Euro – und eine Uhr des Sponsors Tissot.




Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...