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Tagblatt Online, 08. Mai 2012 22:16:00

Söhne der Weltgeschichte

Der Eishockeyspieler Evan Kaufmann mit dem aussergewöhnlichsten Weg

Der Slowake Peter Stastny trug als einziger Eishockeyspieler die Dresses dreier verschiedener Nationalteams (der Tschechoslowakei, Kanadas und der Slowakei). Seine Söhne Paul und Yan fühlen sich als Amerikaner und spielen regelmässig für die US-Auswahl.

Daniel Germann

Petr Nedved debütierte am Olympiaturnier 1994 als politischer Flüchtling im Team der Kanadier auf der internationalen Bühne und tritt mit vierzig Jahren zum ersten Mal für seine tschechische Heimat an. Der Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion machte den Weg für ihre Nationenwechsel frei.

Am aussergewöhnlichsten aber ist der Weg von Evan Kaufmann, der in Stockholm sein erstes WM-Turnier für Deutschland absolviert. Der 27-jährige Stürmer wuchs in Minnesota auf und kehrte vor vier Jahren in das Land seiner Vorfahren zurück, weil das Talent nicht zur NHL-Karriere reichte.

Speziell macht seine Geschichte vor allem das Schicksal seiner Familie. Kaufmanns Urgrosseltern waren während des Zweiten Weltkriegs in einem Konzentrationslager der Nazis umgekommen. Der Grossvater entging demselben Schicksal nur knapp und flüchtete in die USA.

Im Februar spielte Kaufmann erstmals für das Land, das seine Vorfahren ermordet hatte. Er sagt, er habe zuvor lange abgewägt, ob er den Schritt machen und für Deutschland spielen wolle. Nun ist Kaufmann der einzige Jude im deutschen Team und so etwas wie ein Symbol der Hoffnung. Aus der ganzen Welt erhielt er Glückwünsche für die versöhnliche Geste. Negative Reaktionen blieben so gut wie aus.

Das ist nicht selbstverständlich. Der Kaiserslauterer Fussballprofi Itay Shechter wurde im vergangenen Februar von rechtsextremen Anhängern seines eigenen Vereins als «Dreckjude» bezeichnet und mit dem Hitlergruss beleidigt. Noch ruht die Geschichte nicht überall.




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