Tagblatt Online, 16. Mai 2012 09:13:00
Skandalöse Szenen in Düsseldorf
Referee Stark muss die Barrage-Partie in der Nachspielzeit für 20 Minuten unterbrechen
Schon während des Spiels feuern Ultras auf den Rängen Petarden ab. (Bild: Reuters)
Nach fünfzehn Jahren kehrt Fortuna Düsseldorf in die erste Bundesliga zurück. Im Barrage-Rückspiel gegen Hertha Berlin reichte dem Zweitligaverein ein 2:2-Remis zu Hause zum ersehnten Aufstieg. Was die Fortuna-Fans allerdings boten, war alles andere als Bundesliga-würdig.
(si)/mro. Nachdem bereits Rauchpetarden aus dem Berliner Fanblock die Partie in der zweiten Halbzeit verzögert hatten, und Schiedsrichter Wolfgang Stark sieben Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte, kletterten bereits Hunderte Düsseldorfer Fans von den Tribünen und warteten unmittelbar an der Seitenlinie auf den Schlusspfiff.
Rasenstücke als Souvenir
Nach einer vergebenen Fortuna-Chance, die das 3:2 gewesen wäre, stürmten diese Unverbesserlichen aufs Spielfeld, obwohl noch zwei Minuten zu spielen waren. Einige rannten auf die Spieler zu, um sie zu umarmen; andere versuchten tatsächlich, Rasenstücke als Souvenir herauszuschneiden.
Die Spieler verliessen den Platz, bis dieser wieder geräumt worden war. Eine halbe Stunde lang dauerte diese Verzögerung. Als beide Teams wieder auf dem Platz standen, warnte der Stadion-Speaker: «Wenn ein Fan das Spielfeld betritt, bevor abgepfiffen wurde, ist Fortuna nicht aufgestiegen.»
Ulrich Exner von «Welt Online» verurteilt die wüsten Ausschreitungen und verlangt vom DFB drastische Massnahmen. Man könne jetzt lange darüber streiten, welches Strafmass das Richtige sei – Wiederholungsspiel unter Ausschluss der Fans, Ausschluss beider Vereine aus der Bundesliga für die kommende Saison oder ein Jahr Stadionsperre für Fortuna Düsseldorf. «Wenn aber der DFB erneut irgendeine Alibi-Entscheidung 'Marke Geldstrafe' trifft, hat er seine moralische Reputation auf Jahre verspielt», schreibt Exner.
Bilderstrecke: Chaotisches Finale in Düsseldorf
Die Bundesliga-Barrage zwischen Düsseldorf und Hertha BSC wird von üblen Krawallen überschattet. Feuerwerkskörper fliegen, noch vor Abpfiff stürmen Fussballfans beider Lager den Rasen und schiessen mit Feuerwerkskörpern. Das machte eine erste Spielunterbrechung durch den Referee Wolfgang Stark nötig. Vor dem Schlusspfiff stürment die Düsseldorfer Fans in Massen den Platz, so dass das Spiel nochmals unterbrochen werden musste.
Auch Fussball gespielt
Vor diesen skandalösen Szenen war auch noch Fussball gespielt worden. Schon nach 28 Sekunden erzielte Maximilian Beister das Führungstor für die Fortuna, der Ausgleich gelang Änis Ben-Hatira in der 23. Minute. Doch der Berliner Torschütze ging in der 54. Minute mit gestrecktem Bein in einen Zweikampf, kassierte dafür seine zweite Verwarnung und wurde vom Referee in die Kabine geschickt.
Nur fünf Minuten später profitierte Ranisav Jovanovic von der nummerischen Unterzahl des Bundesligaklubs und erzielte das 2:1. Der ehemalige FCZ-Stürmer Raffael brachte mit dem Ausgleich in der 85. Minute die Spannung in die Partie zurück.
Ein weiteres Tor hätte den Berlinern und ihrem Coach Otto Rehhagel nach dem 1:2 im Hinspiel gereicht, um den Ligaerhalt zu sichern. Stattdessen steigt Hertha zum sechsten Mal in die zweite Bundesliga ab.
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