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Tagblatt Online, 13. Juni 2012 08:15:00

Polen und Russen trennen sich 1:1

Der Russe Roman Schirokow (m.) legt sich mit den Polen an. Zoom

Der Russe Roman Schirokow (m.) legt sich mit den Polen an. (Bild: Keystone / Breloer)

Russland hat den vorzeitigen Einzug in die Fussball-EM-Viertelfinals verpasst. Die Russen erreichten gegen Gastgeber Polen in Warschau ein 1:1. Im Vorfeld der Partie kam es zu Zusammenstössen zwischen den Fans.

Peter B. Birrer, Warschau

Man musste nur hinsehen und hinhören, um mitzubekommen, dass an der Euro wahrscheinlich kein Match aufgeladener sein wird als Polen - Russland. Vor dem Spiel wurde in der Kurve mit den russischen Anhängern ein riesiger Stoff entrollt, auf dem eine grimmige Figur mit Helm ein Schwert in der Hand hält und die Worte «This is Russia» prangen. Die russische Nationalhymne ging in gellenden Pfiffen unter, und was nach dem 1:0 der Russen explodierte, dürfte dem im Stadion anwesenden Uefa-Präsidenten Michel Platini ebenfalls nicht gefallen haben. Eine Petarde knallte, und plötzlich lag so etwas wie eine Lichtsirene auf dem Rasen.

Nach vorne geschrien

Am Nachmittag war in der Warschauer Innenstadt noch ein rot-weisses Gefährt mit dem polnischen Wunschresultat unterwegs: «Polska - Rosja 3:0». Doch davon konnte zur Halbzeit keine Rede mehr sein, obschon sich die Polen gut auf den Gruppenfavoriten eingestellt hatten und bis zu dem Zeitpunkt ein Tor weniger zuliessen als ein paar Tage vor ihnen die Tschechen.

Es sollte für die Einheimischen, die vom Publikum richtiggehend nach vorne geschrien wurden, im Abnützungskampf sogar besser und bis zum Remis kommen. Lange währt die Hoffnung der Veranstalter auf die Viertelfinals, länger, als dies an der EM vor vier Jahren in der Schweiz und Österreich der Fall war.

Aber zunächst gerieten die Polen in Rücklage. Es könnte sein, dass der erst 21-jährige Alan Dsagojew, der Stürmer von ZSKA Moskau, zur Entdeckung des Turniers wird. Wer nicht nur ein Tor, sondern deren zwei oder drei erzielt, ist schnell im Fokus. Und wer weiss: Vielleicht bleibt Russland der ersten EM-Endrunde im Osten noch lange erhalten. Dsagojew lief vor der Pause in die Freistossflanke Arschawins und erzielte per Kopf sein bereits drittes Turnier-Tor – 1:0. Würden nun die Polen untergehen wie ein paar Tage zuvor in Wroclaw die Tschechen? Nein.

St. Petersburg und Dortmund

Was in den Reihen Russlands der Block von Zenit St. Petersburg ist, der nicht weniger als sieben Stammspieler stellt, das ist für die Polen die Fraktion des Deutschen Meisters Borussia Dortmund. Sie wanken zwar bisweilen bedrohlich, sie haben immer wieder Phasen, in denen sie arg leiden müssen, aber sie haben in der Offensiv-Abteilung auch individuelle Klasse. Gegen die Griechen (1:1) hatte Lewandowski getroffen, dessen Konterfei mittlerweile auf fast jeder polnischen Sportgazette zu sehen ist. Gegen die Russen war es nun Blaszczykowski, der mittels wunderbaren Schusses in die hohe Ecke in der 57. Minute für eine Art Stimmungsdetonation im Stadion sorgte – 1:1.

Dabei blieb es im umkämpften und oft am Rand der Regularität geführten Spiel. Die Ausgangslage ist für Polen nun die, dass im letzten Gruppenspiel am Samstag gegen Tschechien der Sieg Pflicht ist, damit der Traum der K.-o.-Runde Realität wird. Unmöglich scheint das nicht. Dank Willen, dank Kampf, dank Publikum, dank Lewandowski, dank Blaszczykowski, dank Dortmund.

Polen - Russland 1:1 (0:1)

Nationalstadion, Warschau. - 55'920 Zuschauer. - Schiedsrichter: Stark (Deutschland). - Tore: 37. Dsagojew 0:1. 57. Blaszczykowski 1:1.

Polen: Tyton; Piszczek, Wasilewski, Perquis, Boenisch; Dudka (73. Mierzejewski); Blaszczykowski, Polanski (84. Matuszczyk), Murawski, Obraniak (93. Brozek); Lewandowski.

Russland: Malafejew; Anjukow, Alexej Beresuzki, Ignaschewitsch, Schirkow; Denissow; Syrjanow, Schirokow; Dsagojew (79. Ismailow), Kerschakow (70. Pawljutschenko), Arschawin.

Bemerkungen: Polen ohne Szczesny (gesperrt). 18. Tor von Polanski wegen Offside nicht anerkannt. Verwarnungen: 60. Denissow und Lewandowski (Unsportlichkeit). 75. Dsagojew (Reklamieren). 82. Polanski (Foul).





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