St.Galler Tagblatt Online, 25. Mai 2012 17:53:00
Löw muss noch vier Spieler streichen
Joachim Löw: «Schweiz ist ein kleines Holland.» (Bild: Imago)
Ohne die acht Internationalen von Bayern München ist die deutsche Fussball-Auswahl zum Testspiel vom Pfingstsamstag in Basel gegen die Schweiz (18 Uhr/SF2) angereist. Für acht andere Akteure geht es in Basel um das EM-Ticket.
(si)
Teamchef Jogi Löw hatte vor zehn Tagen ein erstes provisorisches 19-Mann-Kader in das zweiteilige Trainingscamp auf Sardinien und Südfrankreich mitgenommen, wo neben den üblichen Trainingslektionen durch Yoga- und Kinesiologie-Spezialisten auch andere Reizpunkte gesetzt wurden. Zudem wurde das deutsche Team gleich dreimal durch Doping-Kontrollen während der Trainingsarbeit überrascht.
Nicht dabei waren in dieser ersten Phase der Vorbereitung auf die EM-Endrunde die acht Bayern-Spieler Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jérome Boateng, Holger Badstuber, Toni Kroos, Mario Gomez, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger, die sich in der ersten Phase auf den Champions-League-Final gegen Chelsea vorbereiteten und danach eine Woche Zeit erhielten, sich von der bitteren Niederlage gegen die Engländer zu erholen.
Für Löw sind die acht Bayern-Akteure im endgültigen EM-Kader, das bis am 29. Mai der Uefa gemeldet werden muss, gesetzt. Damit müssen von den übrigen neunzehn Spielern noch vier über die Klinge springen. Insgesamt acht Akteure gehören zum Kreis jener, die noch um ihr EM-Ticket bangen müssen. Das Spiel gegen die Schweiz ist für sie die letzte Chance, weil das letzte Testspiel vor der EM erst am 31. Mai in Leipzig gegen Israel ausgetragen wird.
«Schweiz ist ein kleines Holland»
«Das ist ein guter Test, um weitere Erkenntnisse zu sammeln», sagte Löw in Tourrettes denn auch zur Ausgangslage vor der heutigen Partie in Basel, «die Schweiz ist für uns jetzt ein sehr guter Gegner, sie sind so etwas wie das kleine Holland.» An der EM treffen die Deutschen in der Ukraine neben Portugal und Dänemark auch auf Holland.
Zu jenen Spielern, die noch aus dem EM-Kader gestrichen werden könnten, gehören Julian Draxler (Schalke), Marcel Schmelzer (Dortmund), Cacau (Stuttgart), Sven (Dortmund) und Lars Bender (Leverkusen), Ilkay Gündogan (Dortmund) sowie die beiden Torhüter Ron-Robert Zieler (Hannover) und Marc-Andre ter Stegen (Mönchengladbach). Sein Debüt im deutschen Dress dürfte im St.-Jakob-Park der junge Draxler feiern. Auch Schmelzer und Gündogan sollen sich nochmals beweisen dürfen.
Daneben geht es jedoch auch für sichere EM-Fahrer um die Stammplatzverteilung. Per Mertesacker muss sich nach seiner langwierigen Knöchelverletzung als Abwehrchef beweisen. Der Arsenal-Verteidiger hat seit Februar kein Pflichtspiel mehr absolviert. Auch Miroslav Klose, der gegen die Schweiz anstelle von Lahm die Captain-Binde tragen wird, wird nach diversen Verletzungspausen bei Lazio Rom gefordert sein.
Und schliesslich geht es auch um die Frage, ob Lahm bei der EM als linker oder rechter Aussenverteidiger eingesetzt werden soll. Je nachdem stehen die Chancen von Schmelzer oder von Benedikt Höwedes besser, mit nach Polen zu fahren. Gegen die Schweiz soll Höwedes rechts und Schmelzer links getestet werden.
Formel-1-Besuch in Monaco
Nach dem Schweiz-Spiel beginnt bei den Deutschen dann endgültig die heisse Phase der Vorbereitung. Wenn die Spieler am frühen Sonntagmorgen wieder ins Teamhotel in Südfrankreich zurückkehren, treffen sie dort auf die am Samstagabend angereisten Bayern-Profis. Als erste Integrations-Massnahme für die Münchner steht am Sonntag der Besuch des Formel-1-Rennens in Monaco auf dem Programm.
Am Montag werden Lahm, Bastian Schweinsteiger und Co. dann ins Training einsteigen. «Die schwierigen Etappen kommen jetzt. Dabei werden mannschaftstaktische Dinge im Vordergrund stehen. Die alles entscheidende Woche aber wird die vor dem ersten Spiel sein», sagt Löw.
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