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Tagblatt Online, 26. Mai 2012 19:10:00

Liga gewährt Kloten Fristerstreckung

Trotz positiven Signalen ist die Rettung der Flyers eine Herkulesaufgabe

Obwohl die EHC Kloten Sport AG die Frist zur Einreichung eines testierten und vollständigen Jahresabschlusses nicht eingehalten hat, verzichtet die National League auf Massnahmen. Die Liga akzeptierte ein Fristerstreckungsgesuch von Rechtsanwalt Daniel Hunkeler, dem Vertreter der EHC Kloten Sport AG.

(si)

Oberstes Ziel bleibe es, im Rahmen der Gesetze, der Statuten und Reglemente alles zu unternehmen, um die Kloten Flyers zu retten, heisst es in einem Communiqué der National League. «Die Ligaführung gewährt daher der EHC Kloten Sport AG weiterhin eine Frist bis am 6. Juni 2012, damit sie Sanierungsmassnahmen vorbereiten kann.»

Dass die Liga abwartet, ist angesichts der Entwicklung in den letzten Tagen nichts als logisch. Denn es ist einiges gegangen. So wurde eine Taskforce «Rettung Kloten Flyers» unter der Leitung des ehemaligen Klotener Präsidenten Peter Bossert gegründet. Diese arbeitet unter anderem intensiv daran, den Verein von den Altlasten zu befreien, das heisst, Gläubiger dazu zu bringen, auch ohne Nachlassverfahren auf ihre Forderungen zu verzichten.

Mögliche Investorengruppe Kanada/Schweiz

Der aktuelle Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG brachte derweil eine mögliche Investorengruppe Kanada/Schweiz ins Spiel – zu dieser gehören gemäss der Zeitung «Landbote» die ehemaligen NHL-Akteure Alexandre Daigle und Many Fernandez – und will bei einer allfälligen Übernahme geschlossen zurücktreten. Die Taskforce will am kommenden Mittwoch die Öffentlichkeit zum Stand der Sanierungsbemühungen informieren.

Die Kloten Flyers haben nur dann eine Zukunft in der National League A, wenn alle an einem Strick ziehen. Dies scheint der Fall zu sein, die Solidaritätswelle für den dienstältesten Verein der höchsten Spielklasse ist gewaltig. So will beispielsweise die ortsansässige Immobiliengesellschaft Priora Group eine halbe Million spenden, wenn dies neun weitere Firmen ebenfalls tun. Als Koordinator dieser Aktion fungiert der Klotener Stadtpräsident René Huber.

Spieler bereit, auf Lohn zu verzichten

Die Spieler sind ebenfalls aktiv geworden. Sie haben den Verein «Flyers Forever Players» gegründet und sind auch bereit, auf Lohn zu verzichten. Sie sind sich bewusst, dass die Lohnstruktur der letzten Jahre nicht weiterhin in Kloten bestehen kann. Zudem wird bis mindestens am 31. Mai kein Akteur den Verein verlassen. Weiter organisierten sie für Samstag einen Marsch vom Klotener Square bis zur Arena mit anschliessendem Fest unter dem Motto «Wir kämpfen für einen Neuanfang». Der Erlös fliesst in einen Fonds zur Rettung der Flyers.

Am friedlichen Marsch nahmen mehrere hundert Sympathisanten der Kloten Flyers teil, die auf diese Weise ihre Solidarität mit dem Traditionsklub bekundeten. Am Abend verwandelte sich das Eisstadion in eine Festhütte.

Auch sonst wurde fleissig Geld gesammelt. Der Verein «Aktion Kloten» hat innerhalb von einer Woche einen Betrag von gut 112'000 Franken zusammengebracht. Der Fanrat der Kloten Flyers, die Organisation der offiziellen Fanklubs des NLA-Vereins, vermeldete am Freitag einen Stand von mehr als 63'000 Franken. Überdies solidarisieren sich diverse Konkurrenten der Flyers und weitere Persönlichkeiten mit den Zürcher Unterländern.

Überschuldung zwischen 6,5 und 9,2 Millionen

Trotz allen positiven Signalen ist die Rettung eine Herkulesaufgabe. Laut der Sport AG weist die provisorische Rechnung des Geschäftsjahres 2011/12 eine Überschuldung von zwischen 6,5 und 9,2 Millionen Franken auf – je nach Bewertung. Das Minus muss zwingend reduziert werden, um die Deponierung der Bilanz zu verhindern. Den Entscheid, wie es mit den Flyers weitergeht, fällen die Delegierten der NL-Vereine an deren ordentlicher Versammlung am 8. Juni.





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