Tagblatt Online, 05. Mai 2012 20:09:00
Kölner Abstieg mit Ansage
1:4 gegen den FC Bayern besiegelt Relegation– Hertha zieht gegen Hoffenheim Kopf aus der Schlinge
Der Kölner Lukas Podolski wird vor dem Spiel gegen den FC Bayern verabschiedet und wischt sich Tränen aus den Augen. (Bild: Imago)
Dem 1. FC Köln ist es nicht gelungen, den direkten Abstieg abzuwenden. Eine 1:4-Niederlage gegen Bayern München besiegelte das Schicksal der Kölner. Hertha Berlin dagegen bekommt nach dem 3:1 gegen Hoffenheim die Chance, gegen den Tabellendritten der 2. Liga zu stechen.
(si)
Der 1. FC Köln steigt zum vierten Mal in den letzten zehn Jahren in die 2. Bundesliga ab. Durch das 1:4 zuhause gegen Bayern München und den 3:1-Heimsieg von Konkurrent Hertha Berlin gegen Hoffenheim fiel Köln in der letzten Runde auf den zweitletzten Platz zurück.
Es war ein Abstieg mit Ansage. Die Kölner Mannschaft spielte seit Wochen ausser Rand und Band und näherte sich den Relegationsplätzen Schritt für Schritt. Nur zwei von siebzehn Spielen gewann der 1. FCK seit der Winterpause. So war der Sturz von Rang 10 auf den zweitletzten Platz nicht zu verhindern.
Schlingerndes Schiff nicht mehr zu steuern
Nach dem letzten Aufstieg 2008 schaffte es die Klubführung nicht, den populären Verein nachhaltig in der 1. Bundesliga zu etablieren. Ein Jahr nach dem 10. Platz, der besten Klassierung seit 15 Jahren, geriet der Verein vom Weg ab. Im November trat Präsident Wolfgang Overath zurück, im Frühling musste erst Sportdirektor Volker Finke gehen, dann wurde auch dessen «Konkurrent», Trainer Stale Solbakken, entlassen.
Der neue (und alte) Coach Frank Schäfer konnte das schlingernde Schiff nicht mehr steuern. Der Abstieg zeichnete sich am letzten Spieltag früh ab. Während Hertha Berlin in seinem Heimspiel gegen Hoffenheim früh in Führung ging, vermittelte Köln nie den Eindruck, gegen Bayern München zu gewinnen.
Das Ventil des Frusts geöffnet
Symptomatisch für den schwachen Auftritt war das zweite Gegentor kurz nach der Pause: Nach einer Flanke von Frank Ribery schoss Abwehrchef und Captain Pedro Geromel Mitspieler Kevin McKenna an, von dessen Bein der Ball zurück an den Fuss von Geromel prallte und von dort ins Tor flog.
Als der Abstieg feststand, wurde neben dem Platz das Ventil des Frusts geöffnet. Einige Chaoten hüllten die Kölner Fan-Tribüne mit Petarden in schwarzen Rauch. Die Spieler rannten nach dem Schlusspfiff schnurstracks in die Garderoben. Doch die Hooligans schafften es nicht, das Spielfeld zu stürmen. Die Kölner Polizei war auf das Abstiegsszenario vorbereitet und reagierte schnell und richtig. Anders als vor einem Jahr beim Abstieg von Eintracht Frankfurt, eskalierte die Situation nicht.
Podolskis Abschied – ein Trauerspiel
So verkam der Abschied von Lukas Podolski zum Trauerspiel. Der Kölner «Prinz» verlässt seinen Stammklub in Richtung Arsenal. Vor dem Spiel gab der 1. FC Köln bekannt, dass nie mehr ein Kölner Spieler Podolskis Nummer 10 tragen wird – solange der Stürmer selbst aktiv ist und nicht selbst nach Köln zurückkehrt.
Podolski, der einst von Marcel Koller in die Profimannschaft geholt wurde, ist ohne Zweifel der Kölner Top-Spieler der letzten zehn Jahre. Doch Erfolge konnte er nur auswärts feiern. Mit Bayern (2006 bis 2009) wurde er Meister und Cup-Sieger, während in Köln Abstiege seinen Weg pflasterten. Fünf Saisons absolvierte Podolski mit Köln in der 1. Bundesliga – dreimal stand am Ende die Relegation.
Hertha BSC Berlin noch nicht abgestiegen
In Berlin jubelten sie am Schluss der 34. Runde: Die Hertha hatte zumindest die Barrage erreicht. Vorerst ist Otto Rehhagel also tatsächlich ein Retter. Aber es war mehr die Schuld der Kölner, statt der Verdienst von Rehhagel, dass die Hertha nicht abgestiegen ist. Das 3:1 gegen Hoffenheim war erst der dritte Sieg im 12. Spiel unter dem 73-jährigen Coach.
Als Rehhagel die Berliner Truppe übernahm war sie auf Platz 15 klassiert, nun ist sie 16. In der Barrage trifft Hertha am 10. und 15. Mai in Hin- und Rückspiel auf den Dritten der 2. Bundesliga. Als Gegner kommen Düsseldorf, Paderborn und St. Pauli infrage.
Abseits des Dramas um den Kölner Abstieg rückte die zweite Entscheidung am letzten Spieltag in den Hintergrund. Hannover schaffte dank dem 2:1 gegen Absteiger Kaiserslautern den 7. Platz, der zur Qualifikation für die Europa League berechtigt und spielt in der nächsten Saison zum zweiten Mal in Folge im Europacup. Weil die Niedersachsen zunächst in Rückstand geraten waren, konnte Wolfsburg lange auf eine Überraschung hoffen. Doch nachdem Hannover das Spiel gedreht hatte, verlor Wolfsburg die Konzentration und verspielte in Stuttgart eine 2:0-Führung.Die erste Bundesliga in Zahlen
Die erste Bundesliga in der Übersicht
34. Runde: Borussia Dortmund - SC Freiburg 4:0. Nürnberg - Bayer Leverkusen 1:4. 1. FC Köln - Bayern München 1:4. Mainz - Borussia Mönchengladbach 0:3. Werder Bremen - Schalke 04 2:3. Augsburg - Hamburger SV 1:0. Hannover 96 - Kaiserslautern 2:1. Hertha Berlin - Hoffenheim 3:1. VfB Stuttgart - Wolfsburg 3:2.
Rangliste: 1. Borussia Dortmund 81. 2. Bayern München 73. 3. Schalke 04 64. 4. Borussia Mönchengladbach 60. 5. Bayer Leverkusen 54. 6. VfB Stuttgart 53. 7. Hannover 96 48. 8. Wolfsburg 44. 9. Werder Bremen 42. 10. Nürnberg 42. 11. Hoffenheim 41. 12. SC Freiburg 40. 13. Mainz 39. 14. Augsburg 38. 15. Hamburger SV 36. 16. Hertha Berlin 31. 17. 1. FC Köln 30. 18. Kaiserslautern 23.
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