Tagblatt Online, 07. Mai 2012 00:00:00
Hart auf hart in Madrid
Saison-Debüt Roger Federers auf (blauem) Sand – die Weltnummer drei will Position eins angreifen
Roger Federer (Bild: Reuters)
Monte Carlo im kühlen April war das Amuse-Bouche auf roter Erde. Am ATP-1000-Turnier von Madrid, das für alle Könner obligatorisch ist, beginnt der Countdown auf Sand fürs French Open in Paris (Beginn am 27. Mai).
gel. Monte Carlo im kühlen April war das Amuse-Bouche auf roter Erde. Am ATP-1000-Turnier von Madrid, das für alle Könner obligatorisch ist, beginnt der Countdown auf Sand fürs French Open in Paris (Beginn am 27. Mai). In der iberischen Metropole gibt der Schweizer Roger Federer nach sechswöchiger Pause sein Saison-Debüt auf Sand. Der erfahrene Techniker erwischte dabei eine heikle Auslosung mit Ferrer (Spanien) und Djokovic (Serbien) als designierten Gegnern im Viertel- und Halbfinal. Federer beginnt nach einem Freilos gegen den Gewinner aus der Partie Raonic (Kanada) gegen Nalbandian (Argentinien).
Madrid, unmittelbar vor dem Italian Open in Rom, markiert einen Schwerpunkt der Elite auf dem Weg nach Roland-Garros. Im Vorjahr gewann der Chef Novak Djokovic, damals erst die Nummer 2 im Ranking, beide Anlässe. Federer seinerseits erspielte den Titel in Madrid bereits zweimal, 2006 und 2009. Aus dem Vorjahr muss der Basler 360 ATP-Punkte ersetzen (Halbfinal), danach 90 Punkte in Rom (Achtelfinal).
In Madrid liegt die Leistungsdichte sehr hoch (Cut-off bei ATP-Rang 56). Von der Spitze fehlen einzig der Schotte Murray (Rückenverletzung) und die Amerikaner Roddick und Fish, welche die Sand-Events in Europa oft und gern meiden. Für Federer bedeutet sein Timing ein gewisses Risiko, denn die meisten Gegner haben schon Sand-Praxis hinter sich. Seine letzte Niederlage bezog er Ende März in Miami gegen Roddick unter Flutlicht. Der Basler spielte bisher eine gute Saison mit Titeln in Dubai, Indian Wells und Rotterdam. Sein Matchrekord steht bei 23 Siegen und 3 Niederlagen.
Er habe die Pause unbedingt gebraucht, um die Etappe French Open - Wimbledon zu überleben, erklärte Die Nummer 3 am Sonntag in Madrid. Demnach hatte sich der Techniker auf Hartbelag verschiedene kleine Blessuren zugezogen. Er führte weiter aus, er fühle sich «ziemlich gut», in der zweiten Jahreshälfte die Nummer 1 anzugreifen. Dem Schweizer fehlt eine Woche Präsenz an der Spitze der Weltrangliste, um den Rekord von Pete Sampras (286 Wochen) einzustellen. Angesprochen auf den Sand-Belag, erklärte Federer, auf diesem Untergrund seien die Aufgaben für alle schwer in Anbetracht der jahrelangen Dominanz von Nadal.
In Madrid gibt der neue, blaue Sandbelag zu reden, den der Rechteinhaber Ion Tiriac installieren liess. Der Belag soll Spielern und TV-Zuschauern eine um einen Viertel bessere Visibilität des Balls bieten. Von Spielerseite sprachen sich alle Stars gegen diesen Versuch aus, der die Tradition des Tennis aushöhle. Einig ist das Tennis-Personal nur dann, wenn es in der Tour mehr zu verdienen gibt. Europas Turniere müssen heuer auf dem Euro einen Teuerungsausgleich von plus 10 Prozent berappen.
Hinter den Kulissen herrscht zudem Bewegung. Es wird unter anderem darüber diskutiert, ab 2014 die Anzahl der Turniere in der Formel 500 zu erhöhen. Wie hart kommerziell gekämpft wird, zeigt das Beispiel des ATP-500-Anlasses von Memphis (Tennessee). Der Event war bei der Gründung des Grand-Prix 1976 am Ball. Jetzt werden die Rechte von Memphis ab 2014 nach Rio de Janeiro verkauft. Die US-Agentur IMG fädelte den Transfer der sogenannten Turniersanktion ein. Memphis bleibt zwar im Kalender, wird aber nur noch als 250-Turnier geführt zulasten des Datums von San Jose (USA); dieser Anlass verschwindet. Mit der Übernahme der Fussball-WM 2014 und der Olympischen Spiele zwei Jahre später verfügt Brasilien offenbar über neue, scheinbar unendliche Mittel für den Profisport.
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