Tagblatt Online, 28. Juli 2012 23:24:00
FCZ weiterhin ohne Sieg
St. Gallen schlägt den FC Zürich 3:1 und freut sich über viel Kitt im Team.
Bernhard Brunner, St. Gallen
Das Spielniveau bewegte sich nicht im höchsten qualitativen Bereich. Immer wieder verfehlten letzte Zuspiele auf beiden Seiten die gewünschten Adressaten, und man bekam aus Zürcher Perspektive einen Eindruck davon, was der Trainer Rolf Fringer meinte, wenn er für seine Spieler «Zeit» reklamierte, um zu einer Einheit zu finden. Aber selbst bei stehenden Bällen liess der FCZ das Zwingende vermissen, nur der 1:1-Ausgleich durch einen Kopfball von Gavranovic nach einem Freistoss bildete in dieser Hinsicht die Ausnahme.
Der FCZ präsentierte ein äusserst labiles Gesicht. Alles kommt ziemlich leichtgewichtig daher. Es gibt keinen Kristallisationspunkt im Team, von dem Energie ausgeht. Auch die Zeichensetzung des Trainers von aussen, Schönbächler, Pedro Henrique und für die Schlussphase auch noch Frimpong für die Offensive ins Spiel zu bringen, änderte an dieser Konstellation nichts. Fringer sprach von einer «grossen Enttäuschung», hielt der Mannschaft aber zugute, «gewollt zu haben». Wie letzte Saison missrät dem FCZ der Start in die Saison gründlich – 2011 3 Spiele, 0 Punkte, jetzt 3 Spiele, 1 Punkt.
Der FC St. Gallen ging durch Scarione 1:0 in Führung, der einen Flankenball Pa Modous mit einer Ablenkung versah. Aber erst das 2:1 durch den eingewechselten Cavusevic (er ersetzte den verletzt ausgeschiedenen Abegglen) nach 45 Minuten entsprang einer kreativen Aktion. Die Ostschweizer hatten eine Fähigkeit ausgeprägt, die der FCZ nicht besass: Leidenschaft in den Zweikämpfen. Sie hatten nicht mehr individuelles Können, aber sie spielten solidarischer, und ihre Linien griffen weit besser ineinander. Der St. Galler Trainer Jeff Saibene war nach dem 1:0-Erfolg in Lausanne erleichtert gewesen, dass sein Gerüst aus der Challenge League auch in der Super League Paroli zu bieten weiss. Der Heimsieg gegen den FCZ erhöht das Niveau des Selbstvertrauens zusätzlich. Nach dem 3:1 durch Cavusevic zehn Minuten vor Schluss sang das zufriedene Publikum wie aus einer Kehle. Den Ostschweizern ist der Einstieg in die Saison gelungen. Sie grüssen für ein paar Stunden zumindest von der Tabellenspitze. Der FCZ hingegen muss über die Bücher. Man hat gesehen, dass der Umbruch im Team noch keinen Aufbruch auslöst.
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