Tagblatt Online, 16. Mai 2012 23:59:00
Die Krönung des Basler Jahrzehntteams
FC Luzern spielt wie ein aufsässiger Bienenschwarm, verliert den Cup-Final aber im Penaltyschiessen
Benjamin Huggel feiert den Basler Führungstreffer. (Bild: Keystone / Bott)
Der FC Basel hat zum vierten Mal in den letzten zehn Jahren das Double gewonnen. Im Cup-Final in Bern setzte sich der FCB im Penaltyschiessen gegen Luzern 4:2 durch, obwohl er in 120 Minuten nicht das bessere Team gewesen war. Basels Goalie Yann Sommer parierte zwei Penaltys.
Flurin Clalüna, Bern
Es waren verseuchte Monate, eine Fussballsaison fast ohne Spannung, dafür mit Rechtsstreits und einem Konkursfall. Aber dieser Cup-Final am Mittwochabend in Bern wirkte wie ein Gegenmittel für diese vergiftete Zeit, weil er mit seiner Intensität überraschte und für vieles entschädigte. Die Minuten dehnten sich im Stade de Suisse, sie wurden immer länger, immer unberechenbarer, immer dramatischer. Es lief die Verlängerung. Der Basler Verteidiger Kovac hatte wenige Minuten vor dem Ende Glück, nicht die rote Karte zu sehen. Er hatte den enteilten Luzerner Winter nicht fair stoppen können. Aber der Schiedsrichter sah dies anders.
Yann Sommer hält zwei Penaltys
Und als dieses Spiel nicht mehr länger werden durfte, steuerte es nach dem 1:1 nach 120 Minuten auf den emotionalen Höhepunkt zu: auf das Penaltyschiessen, dieses Glücksspiel, das alles auslöscht, was vorher gewesen war. Denn der FCB war an diesem Abend nicht bessere Mannschaft. Aber er gewann – weil er mit Yann Sommer den stärkeren Torhüter hatte. Sommer hielt die Penaltys von Ohayon und Stahel. Der Goalie hatte die Basler auch in den 120 Minuten zuvor wiederholt im Spiel gehalten. Für den FCB trafen alle vier Penaltyschützen (Yapi, Streller, Zoua, Shaqiri).
Der FCB gewann nach dem Meistertitel auch den Cup – es ist der vierte Double-Gewinn in den letzten zehn Jahren und die Krönung für ein Jahrzehntteam, das vom FC Luzern stärker gefordert wurde, als ihm lieb sein konnte. Der FCB hatte wenige Chancen, er trat nicht so überlegen auf, wie man das sonst von ihm kennt, das 1:0 durch Huggel (55.) schmeichelte ihm.
Murat Yakins Taktik
Taktische Spiele mag er am liebsten. Es begeistert Murat Yakin, wenn eine Partie zu einem Trainerduell wird, weil er in diesen Innovationskämpfen so stark ist wie vielleicht kein anderer Chefcoach in der Schweiz. Es sieht durchdacht aus, wie der FC Luzern Fussball spielt, und das Besondere ist, dass Yakin eine Mannschaft gebastelt hat, die es versteht, oft über ihren Möglichkeiten zu spielen.
Sie kann andere Teams schlecht aussehen lassen und gegnerische Spieler zum Verschwinden bringen, so als wären sie gar nicht auf dem Rasen. So wie das an diesem Abend zum Beispiel den Baslern Valentin Stocker oder Marco Streller passierte. Ihnen die Klasse zu nehmen – das gelang Luzern in diesem Cup-Final.
Bilderstrecke: Cup-Final mit Basler Triumph
Erstmals seit sechs Jahren ist der Schweizer Cupfinal wieder im Penaltyschiessen entschieden worden. In diesem ist Goalie Yann Sommer gegen Luzern der Matchwinner für den FC Basel (4:2). Der FCB hat zum vierten Mal in den letzten zehn Jahren das Double gewonnen.
Und den Luzernern gelang noch viel mehr. Sie waren an diesem Abend nicht so unterkühlt, wie man es ihnen oft nachsagt. Kalt war eher der FCB. Und der FCL war in diesem Cup-Final auch viel mehr als nur eine klug abgerichtete Kontermannschaft, wie er das in dieser Saison schon oft war. Luzern spielte zeitweise so dominant, wie es Murat Yakin im Vorfeld versprochen hatte, aufsässig wie ein Bienenschwarm.
Der FCB manchmal taumelnd
Der Trainerkollege Heiko Vogel musste immer wieder verständnislos zu seiner Mannschaft blicken, weil er sich anderes von ihr gewöhnt ist. Er sah seinen FCB, wie man ihn selten sieht: nicht so dominant wie sonst, taumelnd manchmal, hin und wieder sogar überfordert, so wie nach seiner Stunde, nachdem Puljic mit dem Kopf der 1:1-Ausgleich gelungen war.
Der FC Luzern war heissblütiger, leidenschaftlicher; dass er individuell schlechter besetzt ist als die Basler, spürte man an diesem Abend nicht. Oder erst ganz am Ende. Als Yann Sommer zeigte, dass er der beste Goalie in der Schweizer Liga ist.
Basel - Luzern 1:1 n.V., Basel 4:2-Sieger im Penaltyschiessen
Stade de Suisse. - 30'100 Zuschauer. - Schiedsrichter: Wermelinger. - Tore: 55. Huggel (Freistoss Frei) 1:0. 67. Puljic 1:1. - Penaltyschiessen: Yapi 1:0. Renggli 1:1. Streller 2:1. Ohayon 2:1 (Sommer wehrt ab). Zoua 3:1. Gygax 3:2. Shaqiri 4:2. Stahel 4:2 (Sommer wehrt ab).
Basel: Sommer; Steinhöfer, Abraham, Dragovic (72. Kovac), Park; Shaqiri, Huggel (97. Yapi), Xhaka, Stocker (74. Zoua); A. Frei, Streller.
Luzern: Zibung; Sarr, Stahel, Puljic, Lustenberger; Wiss, Renggli; Winter, Hochstrasser (60. Gygax), Ferreira (104. Ohayon); Lezcano (95. Hyka).
Bemerkungen: Luzern ohne Kukeli (gesperrt) sowie Shalaj und Sorgic (beide verletzt). Verwarnungen: 39. Dargovic (Foul). 57. Wiss (Foul). 90. Gygax (Foul). 90. Xhaka (Foul).
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