St.Galler Tagblatt Online, 30. April 2012 01:08:00
Der Meisterpräsident
KOPF DES TAGES
Bernhard Heusler gehört seit acht Jahren zum Vorstand des FC Basel. (Bild: Keystone)
Der Meisterpräsident
Wäre der FC Basel in der Saison 2010/2011 nicht Meister geworden, stünde Bernhard Heusler noch nicht ganz an der Spitze des grössten und aktuell erfolgreichsten Fussballclubs der Schweiz. Als Vorgängerin Gigi Oeri Mitte August vergangenen Jahres ihren Rücktritt als Präsidentin bekannt gab, tat sie dies als Meisterpräsidentin. «Wäre der FC Basel diesen Sommer nicht Meister geworden, wäre ich nicht zurückgetreten, sondern hätte nochmals ein Jahr durchgebissen und weitergemacht», sagte die Millionärsgattin aus der Roche-Dynastie damals.
Es war bereits 2011 nicht die erste Meisterfeier, die Heusler mit den Baslern erlebte. Der 48-Jährige ist seit 2004 Vorstandsmitglied. Als Vizepräsident übernahm er 2009 von Oeri die operative Führung und war seither für das Tagesgeschäft zuständig. Der Wirtschaftsanwalt meistert dies mit Bravour. Sowohl als Anwalt wie auch als Repräsentant des Clubs vertrete er fremde Interessen, zog er in einem Interview Parallelen zwischen seinen beiden Tätigkeiten. «Im Umfeld des Fussballs hatte ich noch nie das Gefühl, in eigener Sache zu handeln.» Das passt zur Stadt am Rhein. Solches Understatement hat bei den alteingesessenen Familien – dem sogenannten «Daig» – Tradition.
An Geld fehlt es zurzeit nicht
Heusler treffe damit auch genau den Stil der lokalen Geldgeber, stellte das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» fest. Dies ist wichtig, weil den Basler Fussballern jetzt die Millionen fehlen, mit denen Oeri seit Beginn ihres Engagement 1999 jeweils nach Saisonschluss diverse Löcher gestopft hatte. Mit diesen Problemen sieht sich Heusler (noch) nicht konfrontiert. Die unerwartete Achtelfinal-Qualifikation in der Champions League brachte dem Club nicht budgetierte fünf Millionen Franken in die Kasse. Wechselt nach Xherdan Shaqiri auch Granit Xhaka auf die kommende Saison in die deutsche Bundesliga, bringen die Transfererlöse dem Verein weitere Sondereinnahmen von weit über 20 Millionen Franken.
Der zweifache Familienvater ist zwar seit seiner Kindheit ein «grosser Sportfan». Funktionär in einem Sportverein wurde der gebürtige Basler aber eher zufällig. Da Sportrecht eines seiner Fachgebiete ist, zog ihn der FC Basel zu, als es galt, den geplatzten Transfer von Hakan Yakin zu Paris St-Germain juristisch aufzuarbeiten. Heusler überzeugte die Verantwortlichen und wurde in den Club eingebunden.
Karriere als Jurist
Der Sohn eines Juristen studierte an der Uni Basel und absolvierte nach Abschluss seiner Dissertation an der University of California Davis ein Nachdiplomstudium. In den USA war er während eines Jahres auch für eine New Yorker Kanzlei tätig. Seit 2000 ist er Partner im Basler Büro einer schweizweit tätigen Wirtschaftskanzlei. Heusler sitzt nebst dem FC Basel in weiteren Verwaltungsräten. In seinem sozialen Engagement präsidiert er die Stiftung für kranke Kinder in Basel.
Person des öffentlichen Lebens wurde Heusler aber erst durch seine Tätigkeit im FC Basel. Sein Wort hat vor allem beim Thema Gewalt auf Sportplätzen Gewicht. Der Basler spricht sich gegen eine pauschale Kriminalisierung der Fussballanhänger aus. Fussballspiele seien für Kinder und Familien nicht gefährlicher als andere Grossanlässe. Die Freude am Fussball müsse vorherrschen. Allerdings sagt er auch: «Je stärker du dich selber freust, desto mehr leidest du mit.» (tw)
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