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Tagblatt Online, 20. Juni 2012 19:47:00

Der Lott aus dem Atom-Sturm

Zum Tod des früheren Klotener Eishockey-Internationalen

Urs Lott in einer Aufnahme aus dem Jahre 1974. Zoom

Urs Lott in einer Aufnahme aus dem Jahre 1974. (Bild: Keystone / Archiv)

Rund ein Jahr nach dem Hinschied des Eishockey-Verteidigers Jürg Lott ist im Alter von 63 Jahren in Zürich sein Bruder Urs Lott gestorben. Er spielte als Mittelstürmer und war derjenige Lott, den die Öffentlichkeit eine Facette stärker wahrnahm.

Jürg Vogel

Sportlich spielten die Lotts gemeinsam bis 1974 in Kloten, dann folgten zwei Winter in der NLB im Zürcher SC, ehe sie zu Biel wechselten. Urs Lott feierte zwei Titel, 1967 in Kloten und in der Ära des Verlegers Willy Gassmann 1981 im Seeland. An insgesamt fünf WM-Turnieren vertrat Urs Lott in 103 Länderspielen die Schweiz.

Im Übergang zum semiprofessionellen Eishockey zählte Urs Lott zu den Persönlichkeiten mit Spielmacherqualitäten. Der Filius des Gastwirts in der Klotener Eisbahn startete die Laufbahn im Schatten der legendären Lüthi-Brothers als Defensiv-Center. Im Zenit seiner Karriere führte Urs Lott jeweils den Paradeblock an.

In Biel formierte er die L-Linie mit dem Kanadier Steve Latinovich und dem Amerikaner Bob Lindberg. Im Nationalteam bildete er eine damals Atom-Sturm genannte Reihe mit dem Davoser Walter Dürst jun. und dem Langnauer Kugelblitz Jürg Berger.

Urs Lott zählte läuferisch zur Extraklasse und erwies sich in Zweikämpfen als robuster im Vergleich mit damaligen Spitzen-Technikern wie Michel Turler oder Bruno Wittwer. Zu den Eigenheiten des Zürchers zählte die Order an die Flügel, die Stockschaufel mit Isolierband in einer bestimmten Farbe zu versehen, damit der Center die Spielgeräte seiner Kollegen erkannte.

Urs Lott war ein Gentleman-Sportler mit Verstand (Treuhänder von Beruf) und noch mehr Rückgrat. Oft fungierte er als Meinungsführer im Disput gegen Trainer, stets der Sache verpflichtet, nicht persönlichen Interessen. Wem er einmal vertraute, den betrachtete er als Freund. Nach frühen Hüftoperationen kämpfte er später beinharte Duelle mit der eigenen Gesundheit aus, die ihn viel Kraft und Substanz kosteten.




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