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Tagblatt Online, 10. Juli 2012 19:09:00

Der Dressur wieder auf die Beine helfen

Die EM der Junioren und Jungen Reiter in Bern sollen der Schweizer Dressur wieder auf die Beine helfen

Als einzige Schweizerin in Aachen vertreten: Marcela Krinke Susmelj auf Molberg. Zoom

Als einzige Schweizerin in Aachen vertreten: Marcela Krinke Susmelj auf Molberg. (Bild: Imago)

Um die Schweizer Dressur ist es ruhig geworden, die einstige Paradedisziplin des hiesigen Pferdesports hat den Kontakt zur Weltspitze verloren – schon vor über 20 Jahren. 1990 gewannen Schweizer Dressurreiter letztmals Edelmetall an einem Championat, das war WM-Bronze im Team.

Von Thomas Frei

Die am Mittwoch in Bern beginnenden Europameisterschaften für Junioren und Junge Reiter sollen nun aber eine neue Ära einleiten, in der freilich schon ein Platz im Mittelfeld als Erfolg gewertet wird.

Die Reitschule der Nation

Die jüngsten Resultate zeigen nämlich, dass der Abstand zu den führenden Verbänden mittlerweile riesig ist. Am internationalen Dressurturnier von Rotterdam landete Ende Juni eine Schweizer Equipe abgeschlagen auf dem achten und letzten Platz. Am CHIO in Aachen war die Schweiz vergangene Woche einzig durch Marcela Krinke Susmelj im Dressurviereck vertreten. Sie qualifizierte sich nach Grand Prix und Grand Prix spécial zwar für die Kür, wurde dort aber Letzte. Entsprechend sind an den Olympischen Spielen keine Schweizer Dressurreiter am Start.

Auf dem erfolgsträchtigen Berner Boden soll der Sport nun aber neu aufblühen. Die EM finden im Areal der einstigen Eidgenössischen Militärpferdeanstalt statt, die über Jahrzehnte als eigentliche Reitschule der Nation galt. Hier piaffierten einst Olympiasieger, Welt- und Europameister, und vor 18 Jahren fanden auch Titelkämpfe für den Nachwuchs schon einmal hier statt. Die Schweizer Equipe gewann damals Bronze – es war die letzte Medaille einer zehn Jahre lang dauernden Erfolgsphase des Dressurnachwuchses.

Lanciert worden war sie durch Daniel Ramseier. Der Pferdehändlersohn, der den familieneigenen Reitstall auf dem Horgenberg im letzten Herbst verkaufte und nach Deutschland zog, wurde 1984 im schwedischen Strömsholm Europameister bei den Jungen Reitern und war später über Jahre hinweg eine Stütze der Dressurequipe.

Dass die Schweizer Erfolge auf internationalem Parkett in allen Kategorien fast gleichzeitig ausblieben, weist auf die sträflich vernachlässigte Förderung des Nachwuchses hin. Diesem Missstand will die vor vier Jahren gegründete Dressur-Akademie Iklé begegnen.

Präsidiert wird der Verein von Rita Schiess Müller, für die fachliche Kompetenz besorgt ist die international bekannte Dressurreiterin Silvia Iklé. Die Dressur-Akademie steht nicht nur hinter den EM in Bern, die Initiative hatte sie bereits früher ergriffen, als sie Kurse für Jugendliche mit Ponys initiierte. Wohlwissend, dass ein nachhaltiger Aufbau Jahre in Anspruch nimmt.

Bescheidene Vorgaben

Erfreulicherweise stellten sich bei den Ponys die ersten Erfolge schon früher ein, als man es sich erhoffen konnte. Von solchen Höhenflügen können die Schweizer Juniorinnen und Jungen Reiterinnen dagegen erst träumen. Die Teamverantwortlichen formulieren deshalb resultatmässig bescheidene Vorgaben.

Im Ausland erzielte Ergebnisse sollen in Bern vor heimischem Publikum bestätigt werden. Das heisst: EM-Rangierungen im Mittelfeld. Im Vordergrund steht anderes. Die Verantwortlichen erhoffen sich über die Europameisterschaften eine Anschubhilfe für eine nachhaltige Förderung des Dressursports in der Schweiz.




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