Tagblatt Online, 02. April 2012 06:58:00
Den GC wieder auf Kurs bringen
Bevor das Sforza-Team gegen den FC Sion untergeht, unterrichtet André Dosé über seine Pläne
Die Fans in der Kurve forderten einen anderen Trainer, der Rest der nur noch 3400 Zuschauer im Letzigrund verliess verärgert das Stadion. Was GC am Samstagabend gegen den FC Sion geboten hatte, war irgendwo zwischen Zuschauerbeleidigung und Arbeitsverweigerung anzusiedeln.
Stephan Ramming, Zürich
Keinen einzigen Torschuss hatten die Grasshoppers zustande gebracht, das Team irrte herum, als wäre es auf der Suche nach Ostereiern, obwohl Meister Lampe gar keine versteckt hatte.
Den Wallisern genügten Tore kurz vor und nach der Pause, um mit drei Punkten nach Hause zu fahren. Aussenverteidiger Vanczak traf wie schon so oft nach einem Corner mit dem Kopf (45., 8. Saisontor), der zweite Sittener Aussenverteidiger Bühler nutzte vier Minuten später den Tiefschlaf der GC-Verteidigung und bezwang GC-Keeper Bürki mit einem Flachschuss (49.). Der Rest war Warten auf den Schlusspfiff.
So erhielt der neue GC-Präsident André Dosé an diesem frühen Samstagabend erstklassigen Anschauungsunterricht, dass es so nicht weitergehen kann – fast keine Zuschauer, fast kein Fussball, alles fast nichts. Erstmals trat Dosé vor dem Match vor die Medien und gab Auskunft über seine Pläne. Handfestes sagte Dosé wenig, vieles müsse er «besprechen», «im Verwaltungsrat anschauen», «zuerst analysieren». Aber sein Auftritt wirkte optimistisch und professionell. Der ehemalige Swiss-Konzernchef und Airline-Sanierer ist es offensichtlich gewohnt, vor Kameras zu stehen und in Mikrofone zu sprechen.
Bei allem schönen Schein seines Auftrittes liess Dosé dennoch durchblicken, wo einige Eckpunkte liegen werden, wenn er sich nun an die Arbeit macht, «den Rekordmeister wieder auf Erfolgskurs» zu bringen. Getragen vom Owners Club, der bis jetzt zwischen 4 und 5 Millionen Franken jährlich überweist, soll die finanzielle Basis des derzeitigen 16-Millionen-Budgets vergrössert werden. «Erfolg kostet», sagte Dosé, und er sei sich bewusst, dass der Erfolg rasch kommen müsse.
Von den fünf GC-Präsidenten, die in den letzten neun Jahren Antritts-Versprechen gemacht hatten, war stets Ähnliches zu vernehmen. Dosé kann deshalb die Skepsis verstehen, bittet «um etwas Zeit» und sagt, dass er sich «langfristig engagieren» werde. Damit das klappt, braucht es allerdings sportliche Kompetenz, namentlich einen neuen Trainer und einen Sportchef für die kommende Saison. Zu möglichen Kandidaten wollte sich Dosé nicht äussern, er sei bereits von unzähligen Beratern und Spielervermittlern angerufen worden – «wie das eben ist in diesem Geschäft». Immerhin scheinen Dosé die Mechanismen nicht unbekannt zu sein.
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