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Tagblatt Online, 24. Mai 2012 21:18:00

Das fragile Image des FC Basel

«Fall Dragovic» zeigt, dass sich eine Meisterfeier zwar inszenieren, aber nie steuern lässt

Er steht auf dem Balkon des Basler Stadtcasinos, vielleicht ist er angetrunken, vielleicht auch nur berauscht vom Erfolg, von den vielen tranceartig entrückten Menschen und einem dumpfen Allmachtsgefühl, das ihm sagt: Hier darfst du alles.

Flurin Clalüna

Als Aleksandar Dragovic in dieser Meisternacht zum Mikrofon greift, hat er längst vergessen, was der Präsident Bernhard Heusler nur Stunden zuvor vor versammelter Mannschaft gesagt hat: Dass es beim FC Basel eine «Charta» gebe, dass man anständig und würdig feiern solle, dass niemand verspottet werden dürfe.

Während der Feier sagt Dragovic: «Dieser Ueli Maurer oder wie der auch immer heisst – ich kann mich nur bei ihm entschuldigen, auch wenn es sehr, sehr schwerfällt.» Aber er müsse es leider tun, «wegen des Vereins». Innerlich wisse jedoch jeder, «dass es sehr, sehr viel Spass gemacht hat».

Dragovic hatte Bundesrat Ueli Maurer bei der Pokalübergabe nach dem Cup-Final mehrfach einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben. Der Bundesrat sprach von einer «Bagatelle», der FCB entschuldigte sich und sprach eine Geldbusse aus. Nach dem neuerlichen Vorfall muss Dragovic nun persönlich bei Maurer Reue zeigen.

Der «Fall Dragovic» zeigt, dass sich eine Meisterfeier zwar inszenieren, aber nie steuern lässt. Emotionen können immer auch zu Dummheiten verleiten. Einfältige Fussballer gibt es zwar in jeder Mannschaft. Aber den FCB trifft der Zwischenfall besonders, weil er sich so sehr um sein Image sorgt.

Er fühlt sich in diesen Tagen oft unverstanden, er wittert Missgunst und Ablehnung. Der FCB fürchtet, die Kontrolle über seinen Erfolg zu verlieren und wieder als arrogant geächtet zu werden – es ist die tiefe Angst des Präsidenten Heusler, der sich immer gegen diesen Ruf gewehrt und zur Demut geraten hat.

Heusler musste in den letzten Tagen stundenlang Klage-Mails beantworten; er hatte wie Alex Frei das Gefühl, sich beispielsweise für den Cup-Sieg entschuldigen zu müssen. So aufgebracht und emotionalisiert wie in diesen Tagen hat man Heusler vielleicht noch nie erlebt.

Denn auch er spürt: Es braucht nur wenig, und das sorgsam gepflegte Image des erfolgreichen, gleichzeitig aber auch sympathischen Vereins bröckelt.




Leser-Kommentare:
3 Beiträge

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altendorf (25. Mai 2012, 10:42)
primitiv und respektlos

wenn man liest, dass es Dragovic «hat sehr, sehr viel Spass gemacht» hat. auch die FCB-Fans welche mit Applaus und sprechchören: «Hau den Maurer um!» reagieren!

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Fan0815 (25. Mai 2012, 16:39)
Warum die Aufregung

Thuner Spieler haben Sex mit Minderjährigen, ein Gossauer Spieler arbeitet für der Mafia, Murat und Hakan Yakin rasten regelmässig aus, siegestrunkene St.Galler Fussballer kotzen im Bus, Sion Kicker arbeiten ohne Bewilligung, Bulat macht mit Xamax Konkurs und Alex Frei hat auch schon eine feuchte Aussprache. Das sind doch Vorbilder für uns Fans.

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MoF (26. Mai 2012, 11:13)
Das würde bedeuten,

falls die Ausschaffungsinitiative umgesetzt wird, die Superleague eine Spieler verlieren würde.

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