Tagblatt Online, 02. Juni 2012 07:30:00
Bedenkliche Fakten
Verdacht auf Spielmanipulationen in der Challenge League
In den vergangenen zwei Saisons haben laut Angaben des österreichischen Wettanbieters SKS 365 rund 20 Partien der Challenge League Verdacht auf Manipulationen erweckt. Diese Fakten brachte am Donnerstag eine Reportage des Tessiner Fernsehens (RSI) ans Licht.
Michele Coviello
In den vergangenen zwei Saisons haben laut Angaben des österreichischen Wettanbieters SKS 365 rund 20 Partien der Challenge League Verdacht auf Manipulationen erweckt. Diese Fakten brachte am Donnerstag eine Reportage des Tessiner Fernsehens (RSI) ans Licht. Die Sendung «Falò» lieferte damit weitere Indizien dafür, dass der Schweizer Fussball nach den Untersuchungen von 2009 ein weiteres Mal in einen Wettskandal verwickelt sein könnte. Der «Tages-Anzeiger» hatte am Donnerstag bereits Anhaltspunkte dazu aufgelistet.
Robert Breiter, der Chefjurist des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), dementierte im Tessiner TV-Bericht allerdings die hohe Anzahl suspekter Partien. Der SFV hält an der Zahl von drei Spielen der beendeten Challenge-League-Saison fest, die ihm von der Uefa als verdächtig gemeldet wurden und aufgrund deren er im Dezember 2011 Anzeige gegen Unbekannt eingereicht hatte. Nachdem im vergangenen April ein weiterer Fall dazugekommen war, gelangte der SFV im Mai mit einer vierten Anzeige an die Bundesanwaltschaft (NZZ 1. 6. 12).
Trotz der Relativierung des SFV lassen die Aussagen des Wettanbieters und von dessen Anwalt Francesco Baranca aufhorchen. Die SKS 365 ist eine von 400 Gesellschaften, welche mit der Fifa kooperieren und ihr mitteilen, wenn auf Partien unüblich hohe Einsätze placiert werden. Sie hatte beispielsweise im vergangenen Jahr 31 Spiele der italienischen Ligen gemeldet, welche sich im Nachhinein tatsächlich als geschoben herausstellten.
Anwalt Baranca hat besonders vor Spielen des FC Locarno abnormale Bewegungen festgestellt. Er nennt zwei aus der vergangenen Challenge-League-Saison, die vermutlich Teil der Anzeigen des SFV sind. Nyon führt am 10. September zur Pause 2:0. Trotzdem gehen massiv Einsätze auf ein Unentschieden und ein Resultat mit mindestens vier Toren ein. In der Tat erzielte Locarno in der 86. Minute den Ausgleich. Baranca schätzt, dass auf diese Partie der zweithöchsten Schweizer Liga (580 Zuschauer) rund 1 Million Euro gesetzt wurden. Ähnliches ereignete sich am 21. April bei Locarno - Delsberg. Der Platzklub führt 1:0. In der Pause laufen Wetten ein, die einen Sieg mit drei Treffern Abstand vorhersehen. Das Schlussresultat? 3:0. Vor dem Hintergrund dieser Aussagen des Wettanbieters ist eine Untersuchung der Bundesanwaltschaft zu erwarten. Diese hatte noch am Donnerstag vermeldet, dass sie noch überprüfe, ob die Bedingungen dafür vorhanden seien.
Laut RSI ist auch die Niederlagenserie des FC Lugano am Ende der Saison 2010/11 verdächtig. Diese hatte die Bianconeri sogar den Aufstieg in die Super League gekostet. Roberto Di Martino, Cremonas Staatsanwalt, hat längst erkannt, dass ausgerechnet im Tessin der zurzeit wütende italienische Wettskandal seinen Ursprung hatte. Die Spieler Bressan, Gegic und Gritti sollen in Chiasso ein System geschaffen haben, das sie nach Italien exportierten.
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