Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 09. Juni 2012 08:30:00

1398,6 Kilometer

Start zur 76. Tour de Suisse

Die Tour de Suisse, die heuer zum 76. Mal zur Austragung gelangt und über 1398,6 Kilometer führt, ist eine Schweizer Landesrundfahrt im wahrsten Sinn. Doch ist sie auch eine Rundfahrt der Schweizer?

Vom Tessin ein Abstecher nach Italien, über den Simplonpass ins Wallis, von da ins Bernbiet, in den Jura, in den Aargau, dann ins Züribiet, in die Ostschweiz und ins Bündnerland, und zum Abschluss, am Sonntag in einer Woche, ins Entlebuch: Die Tour de Suisse, die heuer zum 76. Mal zur Austragung gelangt und über 1398,6 Kilometer führt, ist eine Schweizer Landesrundfahrt im wahrsten Sinn. Doch ist sie auch eine Rundfahrt der Schweizer?

Der letzte Gesamtsieg eines Einheimischen liegt zwar erst drei Jahre zurück, 2009 gewann Fabian Cancellara. Der Berner aber wäre dieses Mal nicht einmal dann Favorit, wenn er sich nicht das Schlüsselbein gebrochen hätte im April. Zu heftig sind die Anstiege Ende nächster Woche nach Arosa und Sörenberg, als dass ein Zeitfahrer wie er lange genug mit den Kletterern mithalten könnte. Die Besten des Fachs sind zwar nicht in der Schweiz beschäftigt, sondern am Dauphiné Libéré, der diesen Sonntag endet.

Doch auch so gibt es genug Bergfahrer, die den Unterschied machen können – etwa der Vorjahreszweite Damiano Cunego, die Niederländer von Rabobank um den Vorjahresdritten Steven Kruijswijk sowie Cancellaras Teamkollegen Fränk Schleck (Sieger 2010), Jakob Fuglsang und Andreas Klöden. Wie gut Levi Leipheimer, der Sieger des Vorjahrs, parat ist, ist ungewiss. Der Amerikaner stürzte im Frühling auf einer Trainingsfahrt schwer.

Aussichtsreichster Schweizer im Gesamtklassement dürfte Mathias Frank sein, der Sechstplacierte von 2011. Der Profi des Teams BMC hofft zudem, als Fünfter und letzter Fahrer für die Olympischen Spiele selektioniert zu werden. Die Hürde bereits genommen haben neben dem Zeitfahren-Olympiasieger Cancellara erwartungsgemäss auch Michael Schär, Michael Albasini und Gregory Rast, wie Swiss Olympic am Freitag mitteilte. Albasini und Rast sind an der Tour de Suisse im Einsatz, zumindest Ersterer mit Ambitionen auf Tagessiege. Schär verdingt sich als einer der Edelhelfer des Tour-de-France-Siegers Cadel Evans am Dauphiné.

Die gleiche Vorbereitung absolvieren Bradley Wiggins und Tony Martin, die an den Spielen in London Cancellaras ärgste Gegner im Zeitfahren sein dürften. Konkurrenzlos ist der Schweizer im 7,3-Kilometer-Prolog am Samstag in Lugano und im 34,3-Kilometer- Zeitfahren am Freitag in Gossau (ZH) trotzdem nicht – im Gegenteil. Erst vorletzte Woche an der Bayern-Rundfahrt ist er in den Wettkampf zurückgekehrt. Die Verletzung ist verheilt, doch es gibt Tage, da schmerzt die Schulter immer noch. Er sagt: «Die Leute müssen verstehen, dass Erfolge nicht selbstverständlich sind, auch für mich nicht.»





Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...