Tagblatt Online, 15. Mai 2012 06:03:00
Schlechte Noten für die «Arena»
Für 20 Sekunden Redezeit nach Zürich: «Arena»-Moderator Urs Wiedmer. (Bild: SRF/Merly Knörle)
Oberflächliche Diskussionen, zu viel parteipolitische Geplänkel, zu kurze Redezeiten: Die «Arena» schneidet bei Parlamentariern schlecht ab. Auch die Zuschauer laufen ihr davon. Das Schweizer Fernsehen will am Konzept festhalten.
JAN FLÜCKIGER
«Grottenschlecht», «verkrampft», «reiner Häppchenjournalismus», «keine zusammenhängende Diskussion», «viel zu brav». Das sind Aussagen, die man hört, wenn man sich bei nationalen Politikern nach der «Arena» des Schweizer Fernsehens erkundigt, die seit bald 20 Jahren freitagabends über die Bühne geht.
Die Sendung war lange ein Muss für politisch Interessierte. Doch das hat sich geändert. In einer Umfrage wurden sämtliche 246 National- und Ständeräte gebeten, die Sendung in drei Punkten zu bewerten: Themenwahl, Sendekonzept und Diskussionskultur – und zwar mit Noten von 1 bis 6, wobei 6 die Bestnote und 4 eine genügende Note darstellt. 60 Politiker aus allen Parteien haben bei der Umfrage mitgemacht, 50 davon haben konkrete Noten abgegeben. Das Urteil ist vernichtend: Während die «Arena» bei der Themenwahl noch knapp genügend abschneidet (Durchschnitt 4,2), sind die Noten für Sendekonzept (3,7) und Diskussionskultur (3,6) klar ungenügend.
Schlagabtausch statt Diskussion
Die Noten sind dabei eine Sache. Spannend wird es, wenn man die Politiker nach der konkreten Begründung für ihre Bewertung fragt: Fast alle Befragten attestieren der «Arena» eine Themenwahl, die sich nach der Aktualität ausrichtet. Einer der wenigen Kritikpunkte: Es werde zu sehr auf mediale statt auf tatsächliche Relevanz gesetzt. Und es gebe zu viel personal- und parteipolitisches Geplänkel – insbesondere vor Bundesratswahlen. So sagt etwa die St. Galler SP-Nationalrätin Hildegard Fässler: «Bundesratswahlen kommen als Thema viel zu oft zum Zug. Das langweilt.» Insgesamt sind die Linken mit der Themenwahl weniger zufrieden als Mitte- und Rechtspolitiker. Die Kritik am Sendekonzept und an der Diskussionskultur kommt hingegen von links bis rechts: «Die Redezeiten sind zu kurz. Man kann kaum etwas wirklich ausführen», sagt etwa SP-Politikerin Fässler. Und BDP-Fraktionschef Hansjörg Hassler doppelt nach: «Die Diskussion ist zu hektisch und in dieser Form wenig informativ.»
«Zweite Reihe» ist umstritten
Als die «Arena» 1993 mit ihrem Erfinder und Moderator Filippo Leutenegger erstmals auf Sendung ging, diskutierten meist zwei, seltener auch drei oder vier Leute miteinander. Als Patrick Rohr 1999 die Arena übernahm, erweiterte er die Diskussionsrunde auf sechs Leute. Seither wird immer wieder um die optimale Zahl der Kontrahenten in der ersten Reihe gestritten. Sie hat sich inzwischen auf drei bis vier eingependelt. Es gibt aber auch Sendungen, bei denen bis zu acht Leute vorne stehen. Zum Beispiel, wenn neben den Politikern noch eine Expertenrunde eingeladen ist. Der Glarner SVP-Ständerat This Jenny ist einer von vielen Befragten, die finden: «Es werden zu viele Redner und Gäste berücksichtigt.» Zu den Protagonisten in der ersten Reihe kommen die Gäste in der «zweiten Reihe», die oft nur wenig Redezeit kriegen. GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy (BE) sagt: «Es hat zu viele Gäste in der zweiten Reihe, die auch noch etwas sagen wollen. Schliesslich sind sie extra für die 20 Sekunden angereist.» Meist handle es sich dabei aber um einstudierte Sätze, die wenig zur Diskussion beitrügen.
Spätestens hier kommen die beiden Moderatoren Urs Wiedmer und Sonja Hasler ins Spiel. An ihnen läge es, trotz der vielen Teilnehmer eine Diskussion entstehen zu lassen. Sie müssten nachhaken, wenn jemand ein auswendig gelerntes Sätzchen von sich gibt. Doch genau das passiere viel zu wenig. «Langredner werden nicht abgeklemmt, bei Widersprüchen wird zu wenig nachgehakt», sagt Nationalrat Louis Schelbert (Grüne/LU).
Sinkende Quoten
Die Schwierigkeiten der Sendungen wirken sich auch auf die Zuschauerzahlen aus. 1997 hatte die Sendung noch eine Quote von 35 Prozent, das entsprach damals 330 000 Zuschauern. 2011 betrug der Marktanteil noch 21 Prozent und magere 200 000 Zuschauer. Im Sommer 2008 wurde das Sendungskonzept zuletzt überarbeitet. Seither befinden sich die Quoten im freien Fall (siehe Grafik). Dennoch ist SF-Chefredaktor Diego Yañez «überhaupt nicht alarmiert». Wie bei allen Sendungen überlege man sich, wie die «Arena» weiterentwickelt werden könne. Etwas komplett Neues stehe aber nicht zur Diskussion.
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deich (15. Mai 2012, 08:58)
Blöd
Dieses Format ist schon längst verblödet und ein Auslaufmodell, was nun eine Statistik endlich auszuweisen vermag. Stets sind die gleichen politischen Sprücheklopfer am Werk, deren Profil und entsprechend ihre festgezurrten (Partei-) "Weissagungen" längsten bekannt sind. Garniert wird das Ganze durch ihre vorfabrizierten Sprecher rund um sie herum. Stecker ziehen!
Beitrag kommentierenstargate (15. Mai 2012, 07:15)
Auftrag?
Typisch SF, SRF oder wie sich der Betrieb auch immer nennt. Begründet seine Monopolstellung mit dem Informationsauftrag, erhält dazu den grössten Teil aus dem Gebührentopf, und verschlimmbessert sein Programm ständig. Man hält auch lernunfähig an den schlechten Konzepten fest.
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