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Tagblatt Online, 1. Oktober 2013, 10:41 Uhr

Ein Fuchs wird zum Gefährten

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Als Allesfresser verachten Füchse auch Brombeeren nicht.

Klaus Echle und Anna Rummel machen die Bekanntschaft eines ungewöhnlich zutraulichen Jungfuchses und begleiten ihn auf seinen Streifzügen in die Tiefen des Waldes.

Rolf App

Füchse sind scheu. Sehr scheu sogar. Und doch: Sie sind uns nah. Fährt man des Nachts durch Städte und Dörfer, sieht man sie Strassen überqueren. Sie streifen durch die Gärten auf der Suche nach Essbarem. Oder sie betätigen sich als Sammler und Jäger. Vor einigen Jahren zum Beispiel hat eine Füchsin aus Rheinland-Pfalz Schlagzeilen gemacht mit ihrer Vorliebe für Schuhe. Die Bewohner des Orts hatten sich schon gefragt, wo all ihre Gummistiefel-, Garten- oder Turnschuhe aus Hauseingängen oder Terrassen geblieben waren, als ein Förster beim Fällen eines Baums auf einen Fuchsbau stiess. Davor und darin kamen über hundert Schuhe zum Vorschein.

Die Lust am Stibitzen

Vor allem Jungfüchse lieben es, Dinge zu stibitzen. Das erfährt auch der Förster und Fotograf Klaus Echle, wenn er mit Sophie arbeitet, einem ganz besonderen, weil extrem zutraulichen Fuchs. Nur wenige Augenblicke lässt er den Objektivdeckel aus den Augen, schon prescht Sophie davon. Zum Glück für den Fotografen will sie ihre Beute in Sichtweite verstecken.

Sophie wird zutraulich

Auf Sophie gestossen ist Echle zusammen mit der Jägerin Anna Rummel. Sie wartet eines Tages auf ihrem Hochsitz auf einen Rehbock, hört ein Rascheln, sieht zwei Ohren und einen kleinen, runden Kopf im Gras. Es ist ein kleiner Jungfuchs, das Welpenfell noch bräunlich und flauschig. Sie imitiert das Fiepen einer Maus nach, Sophie kommt näher – und nimmt dann wieder Reissaus. Anna Rummel erzählt Echle vom neugierigen Jungtier, mit Futter und einer Kamera bewaffnet, machen sie sich auf, die Welt dieses Fuchses kennenzulernen. Sophie wird von Mal zu Mal zutraulicher, es entsteht eine ganz besondere Beziehung – und ein reich bebildertes Buch (siehe Kasten). Anna Rummel erzählt die Geschichte, Klaus Echle fotografiert.

Sophie erwartet ihre zwei Menschen stets an derselben Holzbeige, mit der Zeit kennt sie sogar das Geräusch ihrer zwei Autos. Auf einen Pfiff hin erscheint sie. Zu Beginn folgt sie Klaus Echle und Anna Rummel in sicherer Distanz, dann kehren die zwei den Spiess um: Sie lassen Sophie voraus rennen und folgen ihr in den Wald hinein.

Untereinander kommunizieren Füchse mit Körpersprache, Mimik und einem Arsenal von über vierzig Lauten, von denen der bekannteste ein dreisilbiges Bellen ist. Auch mit den Menschen geht Sophie ausgesprochen «füchsisch» um. «Zur Begrüssung näherte sie sich meist mit wild wedelndem Schwanz in geduckter, unterwürfiger Position», beschreibt Anna Rummel die Szene. «Dabei stiess sie ein hohes, schrilles Winseln oder Kreischen aus. Sie empfing uns also auf die typische Art und Weise, wie Jungfüchse ranghöhere Tiere begrüssen.»

Unterwegs mit Super-Ohren

Botschaften an Artgenossen übermitteln Füchse als Duftnoten in Form von Harn- oder Kotmarkierungen. Überall am Körper haben sie Duftdrüsen, mit denen sie ihre Reviere markieren. Füchse sind hauptsächlich in der Dämmerung und in der Nacht aktiv, tagsüber verbringen sie ihre Zeit gern oberirdisch an sicheren Stellen.

Auf ihren Streifzügen folgen sie ihrer hervorragenden Nase und nehmen Duftsignale wahr. Oder sie orientieren sich mit den grossen, unabhängig voneinander um hundert Grad drehbaren Ohren, mit denen sie Frequenzen bis 65 Kilohertz wahrnehmen. Zum Vergleich: Der Mensch schafft es nur bis 20 Kilohertz.

Zur Überlebensstrategie des Fuchses gehört es, dass er fast alles frisst. Im Sommer bleibt Sophie gern an Himbeer- oder Brombeersträuchern stehen, streckt vorsichtig die Schnauze zwischen die Dornen und zupft mit den Schneidezähnen die reifen Beeren vom Strauch. In den Abendstunden schnappt sie nach Faltern und Motten oder pirscht Käfer an, an Regentagen gräbt sie nach Regenwürmern.

Die Maus-Trophäe

Bei Förstern gern gesehen sind Füchse aber, weil sie auf Mäuse Jagd machen. Als Anna Rummel in einem Waldteil mit sehr alten Buchen unterwegs ist, bleibt Sophie plötzlich stehen, starrt mit gespitzten Ohren nach vorn und verschwindet mit elegantem Sprung im Grün. «Kurz darauf tauchte sie mit einer Maus im Maul wieder auf, warf mir diese vor die Füsse und blickte mich keck an, als wollte sie sagen: <Schau, was ich für dich gefangen habe.>»

Dann schnappt Sophie sich die Maus wieder, und weg ist sie.



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