Samstagabend, AFG Arena, der FC St. Gallen trifft auf den FC Sion. Kurz nach der Pause werden in der St. Galler Fankurve Espenblock rund 15 Leuchtfackeln gezündet – «Einfach unverbesserlich», sagt Pius Valier, Kommandant der Stapo St. Gallen gestern dazu.
Valier hatte zur Demonstration von Pyrotechnik geladen, um «die Kenntnisse über die gefährlichen Gegenstände zu vertiefen». Es kommen über hundert Personen, darunter Polizisten, Feuerwehr- und Security-Leute, Untersuchungsrichter aus dem ganzen Kanton sowie Sicherheitsverantwortliche des FC St. Gallen und der AFG Arena. «St. Gallen hat schweizweit eine Pionierrolle im entschlossenen Vorgehen gegen Gewalt an Sportveranstaltungen», sagt Valier gleich zu Beginn.
Dass am Samstag am ersten Rückrundenspiel bereits wieder Pyro gezündet wurde, hat laut Valier Konsequenzen: «Die Eingangskontrollen müssen sicher intensiviert werden.»
Wer Pyro zündet, muss zudem laut Valier mit einem Stadionverbot rechnen. Derzeit bestehen beim FC St. Gallen gemäss Pressesprecher Samuel Fitzi rund 90 solcher Verbote, davon etwa ein Viertel wegen Pyro-Verstössen.
Der Dachverband 1879 (DV) als Vertreter der Fans fehlte gestern am runden Feuerwerks-Tisch. Man habe DV-Vertreter eingeladen, so Valier, diese zögen es offenbar aber vor, fernzubleiben. Dennoch betont Valier: «Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit dem DV – und wollen das auch weiterhin tun.» Dass diese Zusammenarbeit funktioniert, bestätigt der SP-Stadtparlamentarier Daniel Kehl.
Er hat im vergangenen Jahr im Stadtparlament ein Projekt initiiert, das Konflikte mit Fans im Dialog lösen will. Dieses Fanprojekt wird von der Stadt St. Gallen unterstützt und befindet sich in der Aufbauphase.
Gerade weil der Dialog mit den Fans besteht, zeigt sich Kehl, der die Entwicklung der Fanszene seit Jahren verfolgt, über die Pyro-Demo der Stapo erstaunt: «Pyro ist ein Nebenschauplatz. Wer sie zündet, ist nicht automatisch ein Gewalttäter.» Die Stapo-Veranstaltung sieht Kehl einfach als «klares Zeichen der Politik, dass man durchgreifen will». Dass sich in Sachen Pyro ein Konsens finden lässt, bezweifelt Kehl aber: «Pyro ist eben ein wichtiger Teil der Fankultur.» Es sei dennoch wichtig, die Gewaltdiskussion nicht auf Pyro zu beschränken, so Kehl. Pyro sorgt also für hitzige Diskussionen – sich Leuchtfackeln, Knallpetarden oder Rauchkörper zu beschaffen, ist in der Regel aber kein Problem: Der Pyrotechniker
Patrick Blanc vom Wissenschaftlichen Forschungsdienst (WFD) der Stapo Zürich zeigt, dass man sich verschiedenste Artikel im Internet bestellen kann.
Nach dem Theorieteil schreitet Blanc schliesslich zum grossen Feuerwerk: Auf einem Ausbildungsgelände der Feuerwehr in Wittenbach zündet er verschiedene Artikel: Vom profanen «Frauenfurz» über Knallpetarden bis hin zur oft in Schweizer Stadien gesehenen Leuchtfackel ist alles dabei. Letztere werden beim Abbrennen bis zu 2000 Grad heiss und lassen sich auch mit Wasser nicht löschen.
Weder Blanc noch Valier legen Zahlen über Verletzte in Sportstadien durch Pyros vor. Das hohe Gefährdungspotenzial rechtfertige aber konsequentes Durchgreifen: «Wir schaffen schliesslich auch nicht die Feuerwehr ab, nur weil es selten brennt», sagt Valier.
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