Im Stall des jungen Oberrieter Landwirtes Stefan Muntwyler stehen 60 Milchkühe. Vor vier Monaten wurde ein automatisches Melksystem installiert. «Diesen Schritt habe ich noch keine Stunde bereut», sagt Muntwyler. Die Kühe seien viel ruhiger geworden, weil der Stress beim Anstehen am Melkstand wegfalle. «Zudem spielt beim Melkroboter die Hierarchie unter den Tieren keine Rolle mehr, weil sich jede individuell melken lässt», sagt Muntwyler.
Das veränderte Verhalten komme unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass die Kühe im Stall ohne weiteres fremde Tiere um sich dulden.
Peter Nüesch vom Widnauer Tratthof arbeitete bereits auf dem elterlichen Hof mit, als sein Vater 2001 den ersten und 2003 einen zweiten Melkroboter einbauen liess. Heute stehen rund 110 Milchkühe im Stall des Tratthofs, der in einer Generationengemeinschaft bewirtschaftet wird. «Wir haben die Investition nie bereut und ich würde heute gleich handeln wie mein Vater», sagt Nüesch. Zwar benötigten die Betreuung und die Tierbeobachtungen eher mehr Zeit als früher, das werde aber mehr als wettgemacht durch das Wegfallen des Melkens. Zudem könne die Arbeit heute viel flexibler eingeteilt werden.
Die Beispiele sind nicht zufällig gewählt: «Das Rheintal ist das mit Robotern am dichtesten versorgte Gebiet der Schweiz», erklärt DeLaval-Gebietsleiter Bruno Meier, Altstätten, zuständig für einen Teil der Ostschweiz und Liechtenstein. In seinem Gebiet sind 15 Anlagen installiert, weitere Verkäufe stehen vor dem Abschluss. Dazu kommen noch Anlagen weiterer Anbieter, vor allem Lely.
In der Schweiz bot die holländische Lely-Gruppe gegen Ende der 90er-Jahre als erstes Unternehmen Melkroboter an, seit einigen Jahren gefolgt vom schwedischen Hersteller DeLaval. «Richtig ins Rollen kam die Sache Mitte des Jahrzehnts», blendet Bruno Meier zurück. «Denn anfänglich standen die Bauern dieser modernen Technik skeptisch gegenüber.» Inzwischen hat sich das Vertrauen in die Systeme gefestigt.
«Automatische Melksysteme ersetzen den Menschen im Stall nicht», erklärt Meier. «Es braucht den Bauern, der seine Tiere beobachtet und betreut.» Aber nicht zu einem fixen Zeitpunkt, wie das beim konventionellen Melken der Fall ist. Das automatische Melksystem hat auch für die Tiere Vorteile. Denn die immer leistungsfähigeren Milchkühe sollten täglich mehrmals und nicht nur zweimal gemolken werden. «Es gibt Kühe, die sich in der Anfangslaktation – also nach dem Abkalben, wenn sie wieder in die Milchproduktions-Phase kommen – bis zu vier Mal täglich in das automatische Melksystem begeben», erklärt Meier. In Ställen mit automatischen Melksystemen bestimmt im wesentlichen die Kuh ihren Melktermin und nicht mehr der Bauer. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier auf Höfen mit Melkrobotern leide nicht, betont Meier. Im Gegenteil. Der Bauer muss sich trotzdem oder erst recht um seine Tiere kümmern. Nicht zuletzt wegen der Informationen des Systems über die Tiere betreffend Eutergesundheit, Brunsterkennung, Futteraufnahme und so weiter. Die schnellen Informationen über allfällige Krankheiten ermöglichen Bekämpfungsmassnahmen in einem frühen Stadium.
Für automatische Melksysteme sind Betriebsstrukturen von einer gewissen Grösse nötig, damit sich die Investition in der Grössenordnung von 250 000 bis 300 000 Franken lohnt. Als Regel gilt, dass mindestens 50 Kühe im Stall stehen sollten.
Laut Meier sind die Kosten bei einem neuen Stall für ein konventionelles und ein automatisches Melksystem ungefähr gleich hoch, da beim Einbau eines Roboters platzsparender gebaut werden kann.
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