Ostschweiz: 29. Mai 2009, 06:58

Geistesblitze am Fliessband

Geistesblitze in kreativem Chaos: Blick in die Bieler Denkfabrik. Bild: Daniel Ammann
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Gute Ideen sind immer gefragt, vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Ideenfabrik Brainstore der zwei Appenzeller Markus Mettler und Nadja Schnetzler entwickelt seit 20 Jahren gute Ideen – unter anderem «Gleis 7».

MARKUS ROHNER

Die Wirtschaftskrise ist auch in Biel angekommen. An vielen Orten der Industriestadt wird Kurzarbeit geleistet, Entlassungen und der Abbau von Arbeitsplätzen sind Alltag geworden. Die Ideenfabrik Brainstore, in einer alten Möbelfabrik an der Aarbergerstrasse untergebracht, macht da keine Ausnahme. «In den letzten Wochen haben wir den Personalbestand um die Hälfte reduzieren müssen», sagt Brainstore-Gründer und CEO Markus Mettler, 42. Statt 80 Mitarbeiter hirnen jetzt nur noch halb so viele Frauen und Männer in der Denkfabrik.

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Der clevere Appenzeller, der 1989 die ungewöhnliche Fabrik gegründet und 2008 noch einen Umsatz von 7,5 Millionen Franken generiert hat, lässt sich wegen der aktuellen Krise nicht unterkriegen. «Wir sind in bezug auf Produkte und Kunden gut aufgestellt. Die Krise kann auch eine Chance sein.»

Ideen schon in der Kanti Trogen

Schon in der Kantonsschule in Trogen ist Mettler mit seinen zum Teil verrückten Ideen aufgefallen.

Nach der Matura ging er für zwei Jahre nach Genf Ökonomie studieren, um aber schnell zu merken, dass dies nicht seine Welt war. Er suchte die Freiheit und einen Ort, an dem er seine vielen Geistesblitze an Kunden weiterverkaufen konnte. Die Ideenfabrik Brainstore wurde seinKind, das er heute zusammen mit seiner ebenfalls aus Teufen stammenden Frau Nadja Schnetzler leitet.

«In der Schweiz haben viele Leute gute Ideen, aber die wenigsten werden je realisiert», sagt Mettler. Was lag da näher, als eine Fabrik für die Produktion von Ideen zu gründen? Angefangen haben die zwei Ausserrhoder damit, unbekümmerte Jugendliche mit arrivierten Managern zusammenzubringen. Gegenseitig sollten sie sich mit Informationen aus der jeweils anderen Welt versorgen. Am Schluss sind daraus viele gute Ideen entstanden.

So passiert es bis heute regelmässig, dass in den grossen Hallen von «Brainstore» Dutzende von Menschen zusammensitzen und in festgelegten Rollen und Prozessen ihren Ideen freien Lauf lassen. Verrücktes, Abwegiges, Tolles und Geniales sprudelt dabei aus unzähligen Hirnen. Angelehnt an das Fordsche Modell der Fertigungsstrasse werden die Geistesblitze arbeitsteilig hergestellt und so innerhalb weniger Stunden oder Tage aus Tausenden Einfällen solide Ideen generiert. Mettler: «Es entwickelt sich eine Laboranalyse, in der Geistesblitze quasi zwangsläufig entstehen.

» Von den «Brainstore»-Ideen haben schon viele Unternehmen im In- und Ausland profitiert. Als die SBB Angst bekamen, sie könnten volljährig gewordene Jugendliche in Massen ans Auto verlieren, gingen sie zu «Brainstore».

Dort kamen kreative Köpfe auf die Idee eines speziellen Jugendabonnements: Das populäre «Gleis 7» war geboren.

Als BMW realisierte, dass viele Kunden der 7er-Reihe die Komplexität des Autos nicht verstanden, entwickelte «Brainstore» eine Parkscheibe mit integrierter CD. Auch in der Ostschweiz hinterliess «Brainstore» Spuren: Als die Arboner Mosterei Möhl für ihr Apfel-Schorle einen originell-ausgefallenen Namen suchte, traf Ernst Möhl Markus Mettler. Bald darauf war «Shorley» geboren.

Auf IT setzen

Bei Brainstore wird nicht quälend lang auf den einen, kümmerlichen Geistesblitz gewartet, hier werden Ideen mit System und Methode generiert – und zwar dutzendfach.

Entweder trifft man sich in Biel zum Brainstorming oder man nutzt die neuentwickelte Software, die es den Kunden ermöglicht, die «Ideenmaschine» bei sich zu Hause zu bedienen.

Den Bielern wird die Arbeit deswegen nicht ausgehen. Der Markt der Ideenfindung sei riesig, sagt Markus Mettler. Und vor der wachsenden Konkurrenz habe er auch keine Angst. «Innovationsmanagement ist heute in vielen Unternehmen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Bis in zehn Jahren betreibt jede Firma, die etwas auf sich hält, eine interne Ideenfabrik.» Und von denen warten viele nur darauf, von den kreativen «Brainstore»-Menschen zu neuen Geistesblitzen geführt zu werden.



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