Am 2. Juli feiert Andreas Triet Geburtstag. An einem 2. Juli verliebte er sich in seine heutige Freundin, die ebenfalls am 2. Juli geboren wurde. Und an diesem Datum hätte sein Sohn auf die Welt kommen sollen, der allerdings bereits Ende Juni das Licht der Welt erblickte. Nach diesen Tatsachen erstaunt der Titel des ersten Albums des Rappers Lycon nicht: «Im Juli» ist seit dieser Woche in den Plattenläden erhältlich. Im Leben des 28jährigen Kundenberaters und Moderators der Hip-Hop-Sendung schnauz.fm beim St. Galler Jugendradio toxic.fm ist der Sommermonat einem andauernden Hochdruckgebiet gleichzustellen.
«Der Juli bedeutet mir alles», sagt der Freizeit-Rapper. Auch wenn wegen verschiedener Verzögerungen sein Album nun erst Ende August erhältlich ist. Eine unbedeutende Verspätung kann Triet letztlich noch dem Spediteur in die Schuhe schieben, der letzte Woche angeblich die Lieferadresse an der Davidstrasse nicht gefunden haben soll. Dort befinden sich die Räumlichkeiten des St. Galler Hip-Hop-Labels Eisbrand, das die CD vertreibt.
Fünf Jahre lang hat Kundenberater, Moderator, Rapper und Familienvater Andreas Triet auf die musikalische Erntezeit «Im Juli» hingearbeitet. «Musik ist mein Hobby und nicht mein Beruf. Ich darf mir also Zeit lassen.» Vertont wurden 17 Lieder, eine Art Best-of, wie Triet sagt. «Ich habe in den vergangenen Zeiten unzählige Texte geschrieben.» Was Andreas Triet als Rapper Lycon auf seinem Album rappt, ist erstaunlich privat und selbstreflektierend. «Nur so bin ich authentisch», erklärt er. Von Rappern, deren Texte sich nur auf der Metaebene wenden und drehen, hält er nichts. «Meine Texte handeln vom Leben.» Und dies in gepflegter Sprache. Das fluch- und sexfreie Album taugt also auch fürs Kinderzimmer. Triet macht keinen Hehl daraus, dass er überraschend Vater geworden war und den ersten Track des Albums «Welcome to the world» seinem Sohn widmet. «Ich bin froh, dass meine CD so persönlich geworden ist.» Seine Lieder handeln nicht vom Dasein eines jungen Mannes im Rap-Business. Er erzählt das Leben eines jungen Mannes im realen Leben.
Hellhörig wird man diesbezüglich vor allem beim Song «früher vs. heute», den er mit einem zehnjährigen Jungrapper aus Deutschland aufgenommen hat. Damit wolle er einen Vergleich seines Teenagerlebens mit dem heutigen Alltag ziehen. «Früher spielte ich im Kindergarten. Heute spielt mein Kind im Garten. Früher waren die Schnürsenkel, heute sind die Rechnungen offen.» Erfrischend ist dabei nicht nur die unverbrauchte Stimme des 10jährigen Samy, den Triet dank Internet bis heute nicht gesehen hat («Aber wir werden uns treffen»), sondern auch die Melodik, die sich über das ganze Album erstreckt.
In weiten Teilen dominiert unbestritten der Sprechgesang. Der Backgroundgesang und die Beats in Loungestimmung erinnern jedoch an die Soloprojekte von Freundeskreis-Mitglied Max Herre. Das Soulige stammt von den St. Galler Sängern Eliane Sutter (Ex-Frontfrau der Trip-Hop-Band Madtrix), Priya Ragu und Tobias Degen. Sie machen den freundlichen und abwechslungsreichen Ton aus.
Für das professionelle Niveau des Albums sind zudem die deutschen Audiotreats und Produzent Claudio Bucher verantwortlich. Bucher (Claud der Sektion Kuchikäschtli) hat in seinem Studio an der Oberstrasse in St. Gallen bereits mehrere Hip-Hop-Alben veredelt, kürzlich jenes der Churer Rapper Breitbild, momentan arbeitet er mit Gimma. «Claud ist ein Held», sagt Triet über seinen Produzenten, mit dem er früher die Schulbank drückte und zu Jugendzeiten in etwelchen Kellern Musik machte.
Als Supportact der Sektion Kuchikäschtli geht Lycon demnächst auf Tournée. In St. Gallen wird er am 3. Oktober in der Grabenhalle spielen. Als Release-Party soll das Konzert aber nicht verstanden werden. «Ich feiere im kleinen Rahmen mit allen, die mir geholfen haben.» Mit dem Erstling in der Hand träumt Andreas Triet bereits von einem weiteren Album. Welchen Monat es dann treffen wird, ist noch ungewiss.
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