Urs Althaus, als Model liefen Sie für Designer wie Calvin Klein, Valentino, Armani, Yves Saint Laurent. Sie verkehrten im Jet-Set von Paris, London und New York, vertraten als Agent Supermodels wie Gisele Bündchen, Naomi Campbell, Claudia Schiffer. Sie standen mit Sean Connery vor der Kamera. Und nun sind Sie auf Lesereise mit Ihrer Biographie «Ich, der Neger».
Will man, wenn man einmal berühmt war, immer berühmt sein?
(denkt nach) Gute Frage. Man kann natürlich schon in Vergessenheit geraten, was für die einen schlimm, für die anderen weniger schlimm ist. Das hängt ein bisschen vom Charakter ab. Für manche mag es sich ähnlich anfühlen, wie die Angst, als alternder Mensch nicht mehr gebraucht zu werden, keine Aufgabe mehr zu haben.
Wie ist es für Sie persönlich?
Meine nun veröffentlichte Biographie hat sicher nichts mit dieser Angst zu tun. Die Idee stammt nicht von mir. Ein deutscher Verlag kam auf mich zu, weil er fand, die Geschichte eines farbigen männlichen Models in den 70er-Jahren gäbe bestimmt was her. Ich sagte, dafür interessiere sich doch heutzutage kein Mensch mehr, thematisierte dann aber einen ganz anderen Aspekt. Nämlich den von meiner alleinerziehenden Mutter in der Innerschweiz der 60er-Jahre. So fing das an.
Ihre Mutter scheint wie das bodenständige Gegenstück zu Ihrem Glamourleben, das Sie lange führten, zum finanziellen Ruin, bis zum Absturz, bis zu den Drogen, worüber Sie in Ihrem Buch sehr offen sprechen.
Ja, meine Mutter ist eine wunderbare Frau, sie hat mir den Wert des Lebens, der wichtigen Dinge vermittelt. Schon als Kind, als ich noch davon träumte, später einmal ein Fussballstar wie Pelé zu werden. Oder zumindest jemand in eleganten Kleidern. In Altdorf, wo ich aufgewachsen bin, stand ich oft an den Gleisen und wartete auf den TEE-Zug, nur um einen Blick auf die schön angezogenen Leute in der ersten Klasse zu erhaschen.
Models wählen vermehrt den Weg vom Laufsteg ins Filmbusiness, Melanie Winiger, Ihr Namensvetter Nils Althaus...
Da haben Sie recht. Aber ein gutes Model ist noch lange kein guter Schauspieler. Beim Fotoshooting macht's klick, klick, klick, für diesen Moment muss man alles geben. Beim Film geht es um Charaktere, um eine Dramaturgie etc. Ohne Studium läuft da nichts. Ich tat übrigens auch zu diesem Teil meiner Karriere nicht den ersten Schritt. Eines Tages ging ich in New York Gassi mit meinem Hund. Da stand diese drahtige Dame mit Sonnenbrille plötzlich vor mir und fragte: «Sind Sie Schauspieler?» Ich veneinte, und sie rief: «Sie sind Schauspieler!» Es war Lina Wertmüller.
Interview: Brigitte Schmid-Gugler
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