«Die armen Hühner kommen ja nicht gerade gut weg!» Diana Dengler lacht ein wenig schadenfroh, als sie sich nach der Pause wieder im Kinosessel zurücklehnt. Fast klingt es so, als habe sie grüngestreifte Latzhosen an und spiele jetzt im Augenblick die Rolle, in die sie inzwischen schon über sechzig Mal geschlüpft ist, am Theater St.
Gallen und mobil in Schulhäusern in der Region: Findus, den kleinen gewitzten Kater, der dem alten Sonderling Pettersson mit seinen Einfällen und seiner unbändigen Spielfreude den allzu ruhigen Lebensabend aufmischt. Und dabei ziemlich oft die Hühner auf die Palme bringt.
Neben uns sitzt Diana Denglers fünfzehnjähriger Sohn. Er ist spontan mitgekommen und amüsiert sich mit Popcorn und jugendlichem Understatement über das «Kuddelmuddel bei Pettersson und Findus». Sein Kater Kalle, eigenwilliger Wohngenosse der beiden, stand zu Beginn Pate für Diana Denglers Bühnenhelden, daneben vor allem der Spieltext, das eingeschränkte Material der Strichfassung.
Jetzt lässt sich die Schauspielerin überraschen von ihrem Trickfilm-Alter-Ego mit dem zarten Kinderstimmchen – und freut sich über die feine Zeichnung von Regungen und Bewegungen, über das surreale Treiben der Muckla-Trolle auf den Nebenschauplätzen, die liebevolle Machart und gemütliche Atmosphäre des Films. Besonders jedoch über die Botschaft, die er transportiert: Dass auch Erwachsene nicht alles können und das nicht gern zugeben. Dass es eher lustig als tragisch ist, wenn etwas schiefgeht. Dass Pannen kreativ machen. Dass es für Kleine und Grosse das Schönste ist, Zeit zum gemeinsamen Spielen zu haben.
Kinder lieben Kater Findus heiss und innig: Die Bibliotheksausgaben der Bilderbücher von Sven Nordqvist zerfleddern meist unter dem permanenten Elchtest kleiner Wimmelwelt-Liebhaber. Seit Herbst 2008 sind alle Theatervorstellungen ausgebucht. Der Trickfilm, eine schwedisch-deutsch-dänische Produktion, unterlegt mit lässig handgemachtem Jazz vom Lande, ist schon der dritte in Serie. An diesem Nachmittag haben wir ihn fast ganz für uns; zwei Mütter mit Mädchen im Kindsgi-Alter sind noch da. Unten am Bohl schaut Bruno Ganz als «Grosser Kater» vom Filmplakat; oben im Storchen führt der kleine Kater das Regiment.
Abgesehen von den Hühnern hat Diana Dengler wenig auszusetzen an den locker gereihten Episoden und charmanten Einfällen aus der schwedischen Idylle, frei erfunden und neu erzählt von Drehbuchautor Torbjörn Jansson. «Die Schweden können es einfach, sie machen ganz eigene, eigenwillige Filme. Auch die Schauspieler sehen darin ganz anders aus, nicht so perfekt wie sonst, sondern wie richtige Menschen.» Ziemlich selten gehe sie ins Kino, gibt Diana Dengler zu; eher schon schaue sie sich ausgewählte Filme zu Hause auf DVD an. «Ich bin eine Heulsuse, mir ist das im Kino meist zu massiv, zu laut, es wird mir schnell zu viel.»
Knapp siebzig Minuten dauert das «Kuddelmuddel»; für die Zielgruppe schon allerhand. Dazu eine Viertelstunde rasant geschnittene, im Ton aufgedrehte Werbung, ein grosser Saal: Mit einem Kind würde sie den Film lieber in einem kleinen Wohnzimmerkino oder Gemeindesaal anschauen, ohne die zusätzliche Berieselung. Ihre eigene Kindheit war fernsehfrei, ihren Sohn hat Diana Dengler bis ins Schulalter nicht fernsehen lassen. Doch mit dem Kleinen Kater, Folge drei, kann sich die Findus-Darstellerin rundum identifizieren. «Das ist ein ganz herziger Einsteigerfilm. Und ein charmantes Lehrstück für alle, die mit Kindern Umgang haben.» Bettina Kugler
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