Regionkultur: 09. Februar 2010, 01:04

Glorioses Käferfest

«Chrysina Gloriosa» Perlenbild von Lea Lenhart (94 mal 76 cm). 
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Die eine kam aus Italien nach St. Gallen, die andere ging von hier an die Kunstakademie nach Düsseldorf. Was die beiden fast gleichaltrigen Frauen verbindet, ist nicht nur ihr Beruf, sondern auch die Wahl ihrer Motive und die jeweils ganz besondere Technik der künstlerischen Darstellung. Gabriella Tundo und Lea Lenhart widmen sich – beide in einer äusserst entschleunigten, meditativ wirkenden Arbeitsweise – der Abbildung von Insekten, Schmetterlingen, Käfern.

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Das Exemplar aus der Familie der Skarabäen (Blatthornkäfer) hat die Aufmerksamkeit gleich beider Künstlerinnen auf sich gezogen. Unabhängig voneinander wählten beide als Vorlage eine Chrysina, wovon es allein in einem bestimmten Ort in Guatemala fünfzehn verschiedene Arten geben soll. In der ägyptischen Mythologie gilt der Skarabäus als ein Symbol für Wiedergeburt und Fruchtbarkeit. Bei uns ist der Juwelenkäfer Chrysina mit den metallisch grün schimmernden Flügeln nicht beheimatet. Sein Hauptverbreitungsgebiet ist Mittel- und Südamerika. Zur gleichen Familie zählt aber der in unseren Breitengraden lebende Rosenkäfer Cetonia aurata, der ihm vom Aussehen sehr nahe kommt. Er hat seine Larven häufig im Kompost oder in Ameisenhaufen und sitzt im Sommer gerne auf Doldenblütlern.

*

Gabriella Tundo, Absolventin der Accademia di Belle Arti in Lecce für Grafik und Fotografie, malt ihre Insekten in der klassischen Ikonentechnik und bezeichnet den Malprozess wie die Ikone selbst, welche früher ausschliesslich der Darstellung von Heiligen zugeordnet war, als Ehrerbietung an die Schönheit der Kreatur. Jedes Lebewesen verdiene unseren Respekt und unsere Aufmerksamkeit, sagt Tundo; im ruhigen, konzentrierten Studium und der meditativ wirkenden Umsetzung ihrer Bildmotive entzieht sie sich jeglichem Hype, jeglicher (markt-)schreierischen künstlerischen Pseudo-Notwendigkeit. Der bekannte Ikonenmaler Rudi Jankovic bezeichnete die Präzision von Tundos Bildeern einmal als «äussersten Ausdruck von Spiritualität und Hingabe».

Für jede einzelne Bildtafel in der Grösse von circa 30 mal 40 Zentimeter benötigt die Künstlerin 50 bis 70 Arbeitsstunden. Mit verschiedenen Einzelausstellungen ist Gabriella Tundo immer wieder im öffentlichen Raum in Erscheinung getreten, zuletzt in der Galerie vor der Klostermauer.

In einer wesensverwandten Behutsamkeit nähert sich auch Lea Lenhart den Krabbeltieren. Während Tundos Ikonen aus sich selbst heraus strahlen, spielt Lenhart mit Licht und Schatten.

*

Bis zu 100 000 winzige Glasperlen reiht sie in ihren teilweise grossflächigen Werken in flirrend-zarten Farbnuancen an- und übereinander auf Fäden und spannt diese mehrschichtig in Holzrahmen. Ästhetik, filigrane Zerbrechlichkeit und ornamentale Symbolik verweben sich im Augenblick vollkommener Schönheit. Die Künstlerin «erfand» die Perlenbilder zu Beginn ihres Studiums der Malerei, welches sie mittlerweile abgeschlossen hat, als Nebenerwerbsquelle, nun sind sie bereits in zahlreichen Sammlungen vorhanden und immer wieder in Einzelausstellungen zu sehen. Die luftige Transparenz dieser Werke gleicht der Qualität eines hellen Frühlingsmorgens – und unserer Sehnsucht danach.

Brigitte Schmid-Gugler



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