Tagblatt Online, 15. Juni 2012 01:04:36
Eine «Pipilotti Rist» aus Appenzell
Mina Ebneter im Frauenpavillon (Bild: Urs Bucher)
Mina Ebneter wurde 1929 geboren und hat praktisch ihr ganzes Leben in Appenzell verbracht. «Ich habe es gut überstanden», schmunzelt sie. Die Liebe fürs Zeichnen und Malen wurde im Schwyzer Lehrerseminar Ingenbohl geweckt. Noch heute denkt sie gerne an ihre dortige Lehrerin, Ordensfrau Schwester Raphaela Bürgi, zurück, die selbst eine erfolgreiche Künstlerin ist. Der Frauenpavillon hat sein aktuelles Programm mit einer Ausstellung mit Aktbildern von Mina Ebneter eröffnet. Die Beschäftigung mit dem Frauenkörper ist die vorerst letzte Phase des malerischen Wegs der ehemaligen Primarlehrerin. Bei Frauen ihres Alters im Appenzellischen kommt das nicht immer gut an. «Manche haben schon das Gesicht verzogen und ihr Unverständnis gezeigt» erzählt die Künstlerin. Malen war für sie stets auch Befreiung, Emanzipation und ein Weg zu sich selbst. Die 83jährige Malerin schwärmt von Malkursen bei Silvia Friedli, Alfred Kobel oder Karl Fürer, die sie ermutigt hätten. Mina Ebneter hat auch feministisch-theologische Kurse besucht und steht der katholischen Kirche in manchen Fragen kritisch gegenüber. Ihre Bilder weiblicher Akte vor den roten Wänden des Frauenpavillons sind beeindruckend. Der weibliche Körper unter Mina Ebneters Strichen ist direkt, klar und selbstbewusst. Von feinen Studien bis zu schwungvoller Farbigkeit: Diese Frauenakte strahlen Natürlichkeit, Kraft und Harmonie aus. «Hier spüren wir emotionale Regungen», sagt Vernissagerednerin Maria Huber-Kobler, eine Weggefährtin Mina Ebneters, und fragt: «Bist Du nicht auch eine Art von Pipilotti Rist aus dem Appenzell?». Mina Ebneter schaut dankbar auf ihr Leben zurück, ist froh immer gemalt zu haben und froh, «es bis jetzt geschafft zu haben, wie ich es mir wünschte». «Bis zum 80. Lebensjahr bin ich an der Landsgemeinde gestanden, seither sitze ich», erzählt die rüstige Aktmalerin noch. Martin Preisser
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