KulThur: 04. Juli 2008, 01:09

Vorreiter und Guerilleros

20 Jahre Künstler-Duo steffenschöni: Ein neues Buch lässt achtzehn Projekte Revue passieren

Das Künstlerpaar steffenschöni war vielen Strömungen der Kunst oftmals immer ein gutes Stück voraus. Bild: zVg

steffenschöni, das ist in der Schweizer Gegenwartskunst zu einer unverwechselbaren Marke geworden. Jetzt lässt sich der spezielle Blick des Thurgauer Künstlerpaares auf die Wirklichkeit «erblättern».

martin preisser

Heidi Schöni und Karl Steffen fokussieren mit ihrer Kunst das Unspektakuläre. Mit welchem Einfallsreichtum und mit welch vielfältigen und bisweilen subversiven künstlerischen Strategien sie das bewerkstelligen, lässt sich jetzt in der sorgfältig gemachten Monographie «zeroposition» studieren, die die letzten zwanzig Jahre des Künstler-Duos steffenschöni Revue passieren lässt. Zwei Haupttexte von Dorothee Messmer und Thomas Kramer beleuchten seine Arbeitsweise in subtilen Annäherungen.

Wahrnehmung hinterfragen

Sampling und Multimedia, heute in der Kunstwelt inflationäre Begriffe, wurden von steffenschöni künstlerisch umgesetzt, als diese sich gerade erst in der Kunstwelt festzusetzen begannen. Thomas Kramer beschreibt Heidi Schöni und Karl Steffen als Vorreiter dieser Entwicklung. Beide hätten sich indes nicht mehr nach dem Zeitgeist umgeschaut, sondern seien ihren «eigenen Impulsen, Leerstellen und Bedürfnissen» gefolgt. «Sie sind mittlerweile angekommen in einer Kunstszene, die genau jene Fragen entdeckt hat, die bei steffenschöni schon seit langem ihre Antworten fanden.»

Achtzehn Projekte von steffenschöni scheinen im Buch auf. Einige wichtige auch aus der Region. So bespielten steffenschöni 2003 mit «basic(s)» die Kunsthalle Arbon, eine Arbeit, die ein hervorragendes Beispiel des Künstlerpaares abgibt, die Wahrnehmung von Wirklichkeit zu hinterfragen sowie die Beziehung von Kunst und Natur zu inszenieren und zu reflektieren. Und in der Romanshorner Aktion «seestück; basic(s)II» von 2004 wird die Strategie, den Fokus auf das Unspektakuläre zu zentrieren, weitergetrieben.

In einer Welt immenser Bilderflut wirken steffenschönis Projekte «als Störfaktoren, die irritieren und gewohnte Sehweisen hinterfragen», schreibt Dorothee Messmer, Kuratorin am Kunstmuseum des Kantons Thurgau, in ihrem Beitrag, «Sie zwingen den Betrachter, gegenüber dem Bild Position zu beziehen. Damit ermöglichen sie neue Sichtweisen. steffenschöni agieren somit als Guerilleros einer bewussten und eigenverantwortlichen Sinneswahrnehmung.»

Ästhetik des Beiläufigen

Ihre jüngste Thurgauer Aktion (Seeufer Horn 2007), wie alle Projekte im Buch durch befremdlich schöne Fotografien und fotografische Ausschnitte nachgezeichnet, hat auf die stillgelegte Raduner-Fabrik ein Auge geworfen. Eine Strategie des Künstlerduos hat sich da erneut manifestiert: Das «archäologische» Interesse am Unspektakulären und Unbedeutenden und der stets subtile Eingriff in die Natur. «Ihr Spiel mit dem in der Landschaft Vorgefundenen – das ist nicht nur auf Wirkung und Resultat bedacht, dieses Tun ist steffenschöni offensichtlich selbst ein Bedürfnis», schreibt Thomas Kramer. «Die Arbeiten des Duos sind geprägt durch kleine, subtile Eingriffe, die oft nur eine leichte Verschiebung der Realität hervorrufen. Und es erwächst daraus eine feine Ästhetik des Beiläufigen.»

zeroposition. steffenschöni 1987–2007. Sulgen, Zürich 2008 (Verlag Niggli).


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