Kultur: 05. Februar 2010, 09:01

Der dämonische Meister

Dunkle Aura - populäre Alien-Kunst: H. R. Giger in seinem 70. Lebensjahr. Bild: pd

CHUR. Er hat das Filmmonster «Alien» geschaffen, sich ein eigenes Museum gebaut und wird am 5. Februar 70 Jahre alt: H. R. Giger. Auch in St.Gallen hat der gebürtige Churer seine Spuren hinterlassen.

Katja Fischer/Sarah Gerteis

Mit seinen surrealistischen und düsteren Figuren – halb Mensch, halb Maschine – hat H.R. Giger Weltruhm erlangt. In der Heimat wird er jedoch noch heute oft als Spinner abgetan. Nicht nur Gigers Filmarbeiten, sein gesamtes bildnerisches Werk sei «erotisch aufgeladen mit einer Tendenz zum Furchtbaren und Sadistischen», schreibt etwa der Kunstkritiker Fritz Billeter.

Giger im Film
Gerade Gigers Hang zum Grusligen jedoch hat ihn bekannt gemacht. 1980 erhielt der Bündner einen Oscar für seine «Alien»-Kreatur im Film von Ridley Scott, 1995 machte er als Schöpfer des männermordenden Wesens «Sil» in Roger Donaldsons «Species» wieder international von sich reden.

Giger in der Musik und auf der Haut
Das Düstere in Gigers Werken wird auch von Musikern sehr geschätzt, die ihn für die Gestaltung ihrer Alben engagierten. So entwarf Giger 1996 etwa das Cover von «How the Gods Kill», dem dritten Album der Metal-Band Danzig, und die Hülle zu «Brain Salad Surgery» von Emerson, Lake and Palmer (1973). Zudem wurde sein Bild «Penis Landscape» als Poster für das Album «Frankenchrist» der US-Punk-Band Dead Kennedys verwendet. Dead-Kennedys-Sänger Jello Biafra wurde wegen der Veröffentlichung des Posters vor Gericht gezerrt. Zwar gewann Biafra den Prozess, war danach aber finanziell am Ende.

H.R. Giger inspirierte nicht nur Musiker, sondern auch Tätowierer. Sie bannten seine Mensch-Maschine-Mischwesen auf die Haut ihrer Kunden und entwickelten daraus einen eigenen Stil genannt «Bionic».

Giger in St.Gallen
Obwohl Giger in Chur aufgewachsen ist und in Zürich lebt, hat er seine Spuren in St.Gallen hinterlassen. Zusammen mit dem St.Galler Magier Akron entwickelte er das «Baphomet»-Tarot. Und wegen Giger landete der St.Galler Wirt Urs Tremp ebenfalls vor Gericht. Tremp hatte in seinem Restarant im «Haus zur letzten Latern» explizite Zeichnungen seines Freundes aufgehängt, was gewissen Gästen offenbar missfiel. Die Gewerbepolizei schaltete sich ein, und für Tremp begann ein Spiessrutenlauf, der erst am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg endete. Gigers Zeichnungen durften wieder hängen, erst im «Haus zur letzten Latern», zuletzt im «Gigereck» bei der Talstation der St.Galler Mühleggbahn.

Im Interview mit dem «Tagblatt» erklärt H. R. Giger, weshalb er froh ist, keine Kinder zu haben, und vor welchen realen Bedrohungen er wirklich Angst hat.

Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom Freitag, 5. Februar.





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