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Tagblatt Online, 20. Juli 2012 12:21:00

«Hollywood kontrolliert Politiker»

Megaupload-Macher Kim Schmitz Zoom

Megaupload-Macher Kim Schmitz (Bild: Reuters/Archiv)

Kim Schmitz, Gründer des wegen Piraterie geschlossenen Speicheranbieters Megaupload, versucht sich erneut als Sänger und attackiert die US-Regierung. Dabei setzt er auf die Dynamik der Proteste gegen das Abkommen Acta.

Henning Steier

Mit Parolen wie «Hollywood kontrolliert Politiker», «die Regierung tötet Innovationen» «Zeit für den Kampf» singt Megaupload-Macher Kim Schmitz, auch als Dotcom bekannt, im folgenden Video gegen die US-Regierung an. Seit längerem wirft der Deutsche US-Ermittlern vor, den Filehoster zu Unrecht geschlossen zu haben. Hintergrund ist, dass dessen Nutzer massenhaft Urheberrechtsverletzungen begangen haben sollen.

Auf seiner Website wirbt Dotcom um Unterstützer für seine Bewegung, die sich der Netzfreiheit verschrieben hat und damit im Fahrwasser der Proteste gegen das Urheberrechtsabkommen Acta unterwegs ist. Dieses wurde auch wegen der Mobilisierung von Netznutzern in vielen Ländern kürzlich von EU-Parlament abgelehnt. Dotcom scheint auch auf das Kollektiv Anonymous zu zählen – zumindest legen dies Bilder aus dem Video nahe.

Unlängst wurde die Anhörung zur Auslieferung von Dotcom an die USA wurde vom zuständigen neuseeländischen Gericht auf März 2013 verschoben . Eigentlich sollte sie am 6. August stattfinden. Hintergrund für diese Entscheidung ist unter anderem, dass das Oberste Gericht Neuseelands Ende Juni die Razzia auf dem Anwesen von Kim Schmitz für illegal erklärte. Auch das Kopieren von sieben seiner Festplatten und das sofortige Senden der Daten in die USA, soll illegal gewesen sein. Dotcom und seine Mitstreiter Mathias Ortmann, Finn Batato und Bram van der Kolk befinden sich gegen Kaution auf freiem Fuss. Ihnen wird vorgeworfen, Urheberrechtsverletzungen, die zu einem Schaden von mindestens 500 Millionen Dollar führten, gefördert zu haben. Falls die Megaupload-Macher, an deren Verteidigung 25 Anwälte in den USA, Hongkong, den Niederlanden und Neuseeland arbeiten, verurteilt werden, drohen ihnen jeweils 20 Jahre Haft und Geldstrafen in Millionenhöhe.

Zu weiteren Verzögerungen des Verfahrens könnte es kommen, weil für Richter David Harvey, der die Anhörung zum Auslieferungsantrag der USA leitete, die USA der Feind sind, wie er an einer Konferenz zum Thema Urheberrecht verlauten liess. Daraufhin musste Harvey den Fall abgeben .

Neuer Musikdienst

Kim Schmitz, der zuletzt US-Vizepräsident Joe Biden vorwarf , die Schliessung von Megaupload forciert zu haben, schrieb auf Twitter, die USA bedienten sich einer «dreckigen Verzögerungstaktik». Sie hätten sein Unternehmen zerstört und sein Vermögen beschlagnahmt. Die Zeit arbeite aber für ihn. Unterdessen arbeitet Schmitz nach eigenen Angaben weiter an seinen neuen Projekt Megabox , das Nutzern Musik gratis zur Verfügung stellen soll. Finanziert werden soll das Angebot unter anderem mit Werbung. Künstler sollen überdies die Möglichkeit haben, ihre Songs direkt verkaufen zu können. Das Ganze soll in den nächsten Wochen lanciert werden.

Es ist nicht Dotcoms erster Gang ans Mikrofon. Beispielsweise veröffentlichte er im Mai den Song «Amnesia», in dem er den neuseeländischen Politiker John Banks verhöhnt. Dieser behauptete, sich nicht an eine Wahlkampfspende von Megaupload erinnern zu können. 50000 Neuseeland-Dollar hatte das Unternehmen der ACT-Partei überwiesen.





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